Aus für Jugendprojekt: Dezernent Borgard greift Regionalverband an

Burbach. In der Diskussion über das Ende der Kompetenzagentur des Ausbildungszentrums Burbach (AZB) hat der Aufsichtsratschef Paul Borgard (CDU, Foto: B&B) den Regionalverband angegriffen. "Die Zusammenarbeit hat nicht geklappt", sagte er gestern während eines Pressegesprächs beim AZB

Burbach. In der Diskussion über das Ende der Kompetenzagentur des Ausbildungszentrums Burbach (AZB) hat der Aufsichtsratschef Paul Borgard (CDU, Foto: B&B) den Regionalverband angegriffen. "Die Zusammenarbeit hat nicht geklappt", sagte er gestern während eines Pressegesprächs beim AZB. Die Kompetenzagentur hat sich seit 2007 um rund 300 benachteiligte Jugendliche in Berufsschulen gekümmert und ihnen beim Übergang von der Schule in den Beruf geholfen. Diese Agenturen werden bundesweit aus dem Topf des Europäischen Sozialfonds unterstützt. In Saarbrücken waren das 45 Prozent der Kosten, 55 Prozent übernahm die Arge. Doch Ende Juli entschied das Arbeitsministerium in Berlin, die Arge dürfe nur noch maximal 20 Prozent der Kosten tragen (wir berichteten).

Wie AZB-Geschäftsführerin Karin Riga erklärte, gab es am 7. August ein Gespräch mit Regionalverbandsdirektor Ulf Huppert (Foto: SZ) und Arge-Geschäftsführer Wilfried Hose. Huppert habe keine Chance gesehen, die Kompetenzagentur weiterzufinanzieren. Borgard kritisiert, bis heute habe es zwischen Regionalverband und Stadt kein Gespräch über die Finanzprobleme gegeben. Er wies die Behauptung der Sozialdemokratin Sieglinde Bergmann im Jugendhilfe-Ausschuss des Regionalverbandes zurück, der Regionalverband habe 30000 Euro aus der Haushaltsstelle der Kompetenzagentur bereitstellen wollen, aber das AZB habe seinen Förderantrag zurückgezogen. Borgard: "Beim AZB hat niemand gepennt."

Außerdem habe das Finanzierungsloch durch die Kürzung der Arge-Förderung über 100000 Euro betragen, ergänzte Riga. Scharf kritisierte Borgard die Bundesregierung, die ein erfolgreiches Projekt mit den neuen Fördervorschriften beerdigt habe. Dabei wäre die Arge bereit gewesen, bis Jahresende das Jugendprojekt wie bisher weiterzufördern. Anschließend hätte eine Lösung für 2009 gefunden werden müssen. So steht es in dem Protokoll einer Sitzung des Agentur-Beirats. Doch Riga sagte, die Finanzierung hätte zum 1. September schon bis Ende 2009 stehen müssen. Doch erst Anfang August sei der Brief aus Berlin bei ihr eingegangen.

Arge-Geschäftsführer Werner Jenal nahm Huppert und die Fraktionen des Regionalverbandes in Schutz. Vor den Haushaltsberatungen habe keine Entscheidung getroffen werden können. Hansjürgen Stuppi, Referent für Jugendsozialarbeit beim Paritätischen Wohlfahrtsverband, stellte klar: Der Eindruck, das AZB habe das Geld vom Regionalverband nicht gewollt, sei falsch.

Ulf Huppert sagte, nach dem Gespräch am 7. August habe er weder die Fraktionen noch die Stadt informiert. Die Finanzierung hätte erst in den Haushaltsberatungen geklärt werden können. Die Verwaltung im Rathaus habe er nicht kontaktiert, weil es in dem Gespräch nur um Geld des Regionalverbandes gegangen sei. Stuppi, Jenal und Borgard wollen jetzt retten, was noch zu retten ist. Die Arge werde die Jugendlichen aus dem Programm betreuen, die Hartz IV erhalten, sagte Werner Jenal. Stuppi und Borgard schlugen vor, das Jugendamt des Regionalverbandes solle sich um die restlichen 100 Jugendlichen kümmern. Huppert will sich um eine Lösung bemühen.

Meinung

Lasst die Jugend nicht hängen

Von SZ-Redakteur

Markus Saeftel

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz ist der Hauptschuldige im Trauerspiel um die Kompetenzagentur in Burbach. Er will unbedingt durchsetzen, dass die Städte und Gemeinden mehr Kosten übernehmen - obwohl die Kommunen vor den Haushaltsberatungen gar keine Entscheidung über die weitere Finanzierung treffen können. Trotzdem hätten sich die Spitzen von Regionalverband und Stadt im August trotz Sommerpause schnell an einen Tisch setzen und in Berlin gemeinsam protestieren müssen. Stattdessen herrschte Funkstille.

Die Jugendlichen in den Berufsschulen, die mit Hilfe der Agentur auf eine Lehrstelle oder einen Job hofften, wenden sich mit Grausen ab. Sie dürfen aber nicht die Opfer dieser unsinnigen Förderpolitik werden. Deshalb sollten die Politiker auf beiden Seiten der Saar an einem Strang ziehen. Die Arge hat's vorgemacht. Sie übernimmt die Betreuung der jungen Hartz IV-Empfänger wieder selbst. Das Jugendamt sollte diesem Beispiel folgen und die restlichen 100 Jugendlichen nicht im Regen stehen lassen.

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