Aus der Ferne der bessere Blick?

Aus der Ferne der bessere Blick?

Saarbrücken. Die Nationalbühne Le Carreau habe in den ersten zwei Jahren hart dafür kämpfen müssen, das saarländische Publikum dazu zu bewegen, über die Grenze zu kommen, erzählte Sylvie Hamard (Foto: Hussong) am Freitagabend beim achten Stadtsalon

Saarbrücken. Die Nationalbühne Le Carreau habe in den ersten zwei Jahren hart dafür kämpfen müssen, das saarländische Publikum dazu zu bewegen, über die Grenze zu kommen, erzählte Sylvie Hamard (Foto: Hussong) am Freitagabend beim achten Stadtsalon. Wie hält es der Saarbrücker mit der Nachbarregion, der "Belle voisine"? Das war diesmal das Diskussionsthema in der gut besuchten Sparte4.

Warum die Saarländer anfänglich so zurückhaltend waren, kann die Leiterin des Festivals Perspectives, die sechs Jahre lang im Carreau die grenzüberschreitende Öffentlichkeitsarbeit betreute, durchaus verstehen. "Saarbrücken ist eine Großstadt, was soll ich da an einem Samstagabend in Forbach?", hätten sich die Leute gedacht. "Das gleiche Problem hatten wir aber auch mit Metz." Weit über Forbach hinaus leide ganz Lothringen offenbar unter einem schlechten Image, konstatierte die Bretonin Hamard: Bevor sie die Region am Ostrand Frankreichs kannte, sei sie sicher gewesen, dort nie hingehen zu wollen.

Geht es den Saarländern innerhalb Deutschlands nicht ähnlich? Frankfurter Freunde und Kollegen hätten fassungslos reagiert, als er mit seiner Familie ins Saarland (zurück-)ziehen wollte, erzählte Architekturprofessor Stefan Ochs, der im Publikum saß. "Von der Außenwahrnehmung sehe ich da schon eine Parallele - das doppelte hässliche Entlein". Ochs' These, zusammen könnte daraus etwas Positives entstehen, hat etwas für sich. Voraussetzung aber wäre, dass Saarländer und Lothringer sich füreinander interessieren. Nähme man die von Architekt Igor Torres und Sparte4-Leiter Christoph Diem moderierte Diskussion im Stadtsalon als Gradmesser, bleibt da noch viel zu wünschen übrig. Er habe viele Jahre lang in Frankfurt und Berlin leben müssen, um die Grenznähe, die Auseinandersetzung mit den Nachbarn in der Großregion spannend zu finden, sagte ein anderer "zurückgekehrter" Saarländer im Publikum.

Kein Einzelfall: Saarländerin Bettina Hanstein (Foto: Mailänder), zweiter Podiumsgast, hat von München aus beschlossen, in Fénétrange eine ehemalige Synagoge nebst Wohnhaus zu kaufen. Podiumsgast Nummer drei, die Kunsthistorikerin Eva Mendgen wiederum, die sich intensiv mit der Kunst und gemeinsamen Kulturgeschichte der Großregion befasst, stammt aus Freiburg.

Warum aber fährt "der Saarländer" auf dem Weg zum Mittersheimer Weiher an Fénétrange nur vorbei, wo es dort doch ein originelles Musik- und Gourmet-Festival gibt? Woran liegt's, dass die meisten das Naheliegende nicht besonders schätzen? Da ging der Stadtsalon leider nicht in die Tiefe, sondern schürfte unverdrossen an der Oberfläche herum. So tummelte man sich über eineinhalb Stunden überwiegend auf den sattsam bekannten Gemeinplätzen. Warum, stellt sich die Frage, laden die Veranstalter nicht mal, statt inhaltlich beliebig herumzuschweifen, Lothringer zu einem enger gefassten Thema ein? sbu

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