1. Saarland

Bettelverbot in Saarbrücken: Aus den Augen, aus dem Sinn

Bettelverbot in Saarbrücken : Aus den Augen, aus dem Sinn

Das Bettelverbot ist falsch und unsozial. Sicher gibt es schwarze Schafe und sogar Kriminelle unter den Bettlern. Wer Passanten belästigt oder ein Gebrechen vortäuscht, muss zu Recht ein Bußgeld zahlen. Aber für diese Fälle gibt es bereits rechtliche Regelungen. Das Betteln an sich ist nicht strafbar. Deshalb ist es auch nicht richtig, die schwarzen Schafe zu bekämpfen, indem man alle Bettler aus der Innenstadt verbannt. Genauso gut könnte man das Sammeln für einen guten Zweck verbieten, weil auch hier Betrüger unterwegs sind.

Oberbürgermeisterin Charlotte Britz will eine schöne Stadt – für die Touristen und Bewohner. Aber macht eine Handvoll Bettler wirklich den Unterschied? Die Touristen strömen in Scharen nach Berlin, und das ist beileibe keine im klassischen Sinne schöne Stadt. Es zieht die Menschen an, weil es lebt und pulsiert, weil es Charakter und Geschichte hat.

Vielleicht tut es uns wohlstandsverwöhnten Deutschen ganz gut, wenn wir – mit fünf Einkaufstüten beladen – sehen, dass es nicht jedem in Deutschland gut geht. Niemand muss etwas geben, jeder kann „Nein“ sagen, aber dann muss er den Anblick auch aushalten können.

Die Oberbürgermeisterin sagte, die Stadt sei für alle Menschen da. Aber vielleicht ist sie für manche doch ein bisschen mehr da als für andere.