1. Saarland

Aus dem Wind mehr Wert schöpfenIn diesem Verein kann jeder mitmachen

Aus dem Wind mehr Wert schöpfenIn diesem Verein kann jeder mitmachen

St. Wendel. Wenn Bauern im St. Wendeler Land Kartoffeln anbauen, diese in der Region vermarkten, dann spricht man von einem kleinen Kreislauf und regionaler Wertschöpfung. Das Geld bleibt im St. Wendeler Land. Diese Idee steckt hinter dem erfolgreichen Konzept des Lokalwarenmarktes der Kulturlandschaftsinitiative St. Wendeler Land, der von der Europäischen Union gefördert wird

St. Wendel. Wenn Bauern im St. Wendeler Land Kartoffeln anbauen, diese in der Region vermarkten, dann spricht man von einem kleinen Kreislauf und regionaler Wertschöpfung. Das Geld bleibt im St. Wendeler Land. Diese Idee steckt hinter dem erfolgreichen Konzept des Lokalwarenmarktes der Kulturlandschaftsinitiative St. Wendeler Land, der von der Europäischen Union gefördert wird.Geht das nicht auch beim Thema erneuerbare Energien, haben sich die politisch Verantwortlichen in der Region gefragt. Und sich die Antwort selbst gegeben: Ja, es könnte gehen! So ist das Konzept des "Null-Emissions-Landkreises" entstanden.

Hinter dem sperrigen Wortgebilde verbirgt sich folgende Idee: Warum nicht die erneuerbaren Energien im St. Wendeler Land in Eigenregie ausbauen und damit deutlich mehr verdienen, als wenn auswärtige Firmen hier investieren?

Beispiel Windkraft: Der Regelfall sieht im Moment so aus: Eine Firma mit Sitz außerhalb des Landkreises pachtet eine Fläche im St. Wendeler Land von einem Privatmann an und baut darauf ein Windrad. In der Region verbleiben der Pachtzins und 30 Prozent der Gewerbesteuereinnahmen.

Das Gegenbeispiel: Die Kommune oder eine kommunale Planungsgesellschaft kauft die für das Windrad geeignete Fläche. Eine Betreibergesellschaft aus der Region baut darauf das Windrad. Pachteinnahmen und die komplette Gewerbesteuer bleiben in der Gemeinde. Damit nicht genug: Die Betreibergesellschaft verdient ja auch Geld mit Stromverkauf. Und diese Rendite bleibt auch in der Region. Wenn sich an dieser Gesellschaft dann noch Stadtwerke, Kommunen und auch Bürger beteiligen, dann verdienen diese mit.

"Wir wollen die regionalen Kräfte bündeln", sagt Hans Josef Scholl von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft St. Wendeler Land. Im SZ-Gespräch berichten er und Landrat Udo Recktenwald über diese Idee der regionalen Nutzung von erneuerbaren Energien. "Ziel ist es, dass das Geld, dass man hier verdienen kann, hier bleibt. Davon profitieren auch die kommunalen Haushalte", ist sich Scholl sicher. Die Zeit dränge, weil viele Firmen zurzeit unterwegs sind und nach geeigneten Plätzen für den Ausbau erneuerbarer Energien suchen. "Diese Suche der Privatunternehmen ist legitim und nicht unseriös", betont Scholl. Ziel des Landkreises sei es aber, hier mehr für die Region rauszuholen.

Wobei Landrat Udo Recktenwald auch eine deutliche höhere Akzeptanz bei den Menschen erwartet: "Wenn Du es schaffst, die Bürger zu beteiligen, hast Du auch die Chance, dass sie sagen, das ist ja auch ein Stück mein Windrad."

"Null-Emissions-Landkreis St. Wendel" heißt aber noch mehr. Langfristig soll im St. Wendeler Land so viel Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen werden, dass kein Kohlendioxid mehr für die Stromerzeugung in die Luft geblasen werden muss.. St. Wendel. Was hat sich bisher in Sachen Null-Emissions-Landkreis getan? Ein entsprechendes Leitbild haben alle Kommunen im St. Wender Land anerkannt. Ein Klimaschutzkonzept und eine Potenzialanalyse zu erneuerbaren Energien sind vergeben. Die Ergebnisse sollen Mitte nächsten Jahres vorliegen. Dabei geht es nicht nur um Windkraft, sondern auch um Sonnenenergie, Erdwärme, Wasserkraft und Biogas. Seit einigen Monaten können sich die Bürger der Region über das Solardachkataster schon informieren, ob ihre Häuser für Sonnenkollektoren geeignet sind.

Vorbereitet wird derzeit die Gründung einer kreisweiten Planungsgesellschaft, die im Auftrag der Gemeinden geeignete Flächen für erneuerbare Energien sichern soll. Darüber habe man mit den Bürgermeistern schon gesprochen, so Landrat Udo Recktenwald. Diese Planungsgesellschaft baut aber nicht selbst. Dies übernehmen so genannte Betreibergesellschaften. Diese geben das Investitionskapital, betreuen die einzelnen Projekte. Denkbar ist, dass sich an diesen Gesellschaften Kommunen, Gemeindewerke, gewerbliche und private Investoren beteiligen. Zudem sind weitere Betreiberformen möglich, Bürger-Energiegenossenschaften wie die in Freisen zum Beispiel, bei der Bürger Anteile zeichnen.

Hinzu kommt ein Verein mit dem Namen Zukunfts-Energie-Netzwerk St. Wendeler Land. Der hat die Aufgabe, die Ziele Klimaschutz, regionale Wertschöpfung und regionale Identität voranzutreiben. Zur Mitarbeit sind da alle Interessenten eingeladen. Gegründet wird der Verein offiziell am Montag, 31. Oktober, 13 Uhr im Unternehmer- und Technologiezentrum in der Werschweilerstraße 40 in St. Wendel. Scholl: "Da kann jeder mitmachen, der will."

Alle Aktivitäten werden gesteuert von einer Lenkungsgruppe aus Landkreis, Wirtschaftsförderungsgesellschaft und Kulturlandschaftsinitiative. In einem Beirat arbeiten Landrat und Bürgermeister mit. vf