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Aufklärungsquote saarlandweit spitze

Aufklärungsquote saarlandweit spitze

Kreis Neunkirchen. Fast 60 Prozent aufgeklärte Fälle im vergangenen Jahr - diese im Saarland beispielhafte Quote macht Neunkirchens Polizeidirektor Günter Kremer schon ein bisschen stolz auf seine Mitarbeiter. Die Aufklärungsquote des Jahres 2010 sei sogar bundesweit "vorzeigbar"

Kreis Neunkirchen. Fast 60 Prozent aufgeklärte Fälle im vergangenen Jahr - diese im Saarland beispielhafte Quote macht Neunkirchens Polizeidirektor Günter Kremer schon ein bisschen stolz auf seine Mitarbeiter. Die Aufklärungsquote des Jahres 2010 sei sogar bundesweit "vorzeigbar". Doch entspannt zurücklehnen ist nicht, auch wenn die im Kreis Neunkirchen erfassten Straffälle von 9525 im Jahr zuvor auf 8767 zurückgegangen sind. Denn ein Teil der Straftäter wird immer raffinierter und professioneller. Sie zu ergreifen und damit eine Tat aufzuklären wird deshalb immer schwieriger.Polizeidirektor Kremer und Kriminaldienstleiter Helmut Berg erläuterten im SZ-Gespräch den Stand und die Entwicklung der Kriminalität im Kreis Neunkirchen. Zwar gebe es im Bereich Diebstahl insgesamt einen Rückgang der Fälle um 9,3 Prozent auf 2774. Ein mit 12,1 Prozent recht hoher Anstieg ist jedoch bei den Wohnungseinbrüchen zu verzeichnen. Auch die Einbrüche am Tag, also zwischen 7 und 21 Uhr, haben mit fast 8 Prozent deutlich zugenommen. Diese werden extra erfasst, da sie von einem speziellen "Einbrechertypus" begangen werden. Diese Einbrecher sind meist überregional tätig, grasen quasi ganze Straßenzüge ab und verschwinden möglichst noch am selben Tag in ein anderes Bundesland. Aus diesem Grund sei auch die Aufklärungsquote in diesem Bereich recht gering, so Berg. 101 solcher Wohnungseinbrüche gab es im vergangenen Jahr im Kreis Neunkirchen. So mancher davon hätte vielleicht verhindert werden können, wenn die Bewohner mehr Vorsorge treffen würden (keine gekippten Fenster etc.) und wenn aufmerksame Nachbarn die Polizei rufen würden, wenn ihnen etwas Verdächtiges auffällt.

Eine komplett neue Täterstruktur hat sich durch die Möglichkeiten des Internets gebildet. So eröffnet die Paysafecard, also eine Karte, mit der man "sicher" bezahlen kann und die an Tankstellen und bei Discountern erhältlich ist, Trickbetrügern lukrative Einnahmequellen. So kam die Neunkircher Polizei einem 24-jährigen Mann aus Merchweiler auf die Schliche, der vorgab, an einer Tankstelle eine Paysafecard im Wert von 100 Euro erwerben zu wollen. Als der Tankstellenmitarbeiter ihm diese reichte, fotografierte er mit dem Handy die Kartennummer und "bezahlte" damit im Internet. Auf diese Weise ergaunerte sich der 24-Jährige rund 12 000 Euro - bis die Polizei ihn aufgrund von Videoaufzeichnungen festnehmen konnte. Ein 23-Jähriger aus Ottweiler wiederum brach 28 Autos auf und bezahlte mit den darin erbeuteten EC-Karten. "Es gibt leider Gottes immer noch Leute, die ihre Geheimnummer auf eine EC-Karte schreiben oder ihr mobiles Navigationsgerät im Auto lassen", bedauert Helmut Berg. Auf diese Navis hatte es ein Täter abgesehen, der in den vergangenen Wochen in der Neunkircher Innenstadt sein Unwesen trieb. Er ist mittlerweile gefasst, aber offenbar gibt es Mittäter, die auf freiem Fuß sind.

Ein sehr sensibles Problem, dem sich die Polizeidirektion Neunkirchen seit Jahren verstärkt widmet, ist die häusliche Gewalt. Hier sind die Fallzahlen im vergangenen Jahr gestiegen, und zwar auf 516. Diese Zunahme hat vermutlich auch damit zu tun, dass es früher eine höhere Dunkelziffer gegeben hat. Durch das Betretungsverbot fühlen sich die Opfer besser geschützt.

Keine signifikante Steigerung gibt es im Bereich der durch Kinder und Jugendliche (14 bis 17 Jahre) begangenen Straftaten. Auch wenn diese durch den tragischen Tod eines Jugendlichen am 16. Mai gerade aktuell in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt ist. Prävention spielt hier eine wichtige Rolle. Helmut Berg hebt die gute Vernetzung der Hilfsangebote im Kreis Neunkirchen hervor, die sich absolut bewährt habe.

Zusammenfassend sieht Polizeichef Kremer den Landkreis angesichts hoher Aufklärungsquote und geringeren Fallzahlen "auf einem guten Weg. Auch wenn wir die Problemfelder nicht verharmlosen wollen."