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Aufklärung über Röchling lässt auf sich warten

Aufklärung über Röchling lässt auf sich warten

Röchling-Kritiker protestieren: Eine von Stadtrat und Oberbürgermeister angekündigte Aufklärungskampagne macht keine Fortschritte. Ganz im Gegenteil wurde das Denkmal auch noch mit einer Plakette aufgewertet.

Vertreter des Völklinger Aktionsbündnisses Frieden haben bei einem SZ-Redaktionsgespräch Fortschritte bei der Aufarbeitung der Vergangenheit rund um Hermann Röchling angemahnt. "Geschehen ist bisher nichts", sagten sie mit Blick auf Versprechen, die Politiker einschließlich Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) gemacht hatten. Am 27. Februar war im Hauptausschuss des Stadtrates eine regelrechte Informationsoffensive beschlossen worden: von der Beauftragung eines Historikers mit der Röchling-Forschung bis hin zu einer Dauerausstellung im Weltkulturerbe. Doch dieser Initiative ist offenbar die Luft ausgegangen. "Es ist nicht mit einer kurzfristigen Umsetzung zu rechnen, da zuerst die Finanzmittel im Haushalt bereitgestellt werden müssen", teilte nun SPD-Sprecher Rolf Deubel Edmund Barth vom Aktionsbündnis mit.

Mit diesem Haushalt ist frühestens im September zu rechnen. Und was derzeit läuft, ist aus Sicht des Aktionsbündnisses das Gegenteil von Aufklärung. Die Allgemeine Baugenossenschaft 04 hat gerade den Gedenkstein auf ihrem Grundstück an der Trierer Straße durch eine Plakette ergänzt, die Hermann Röchling als Stadtteilgründer kennzeichnet. "Eine Provokation", sagt Heimat-historiker Hubert Kesternich. Peter Comtesse pflichtet ihm bei: "Es muss mindestens dabeistehen, dass Hermann Röchling ein verurteilter Kriegsverbrecher ist."

Der Bogen spannt sich weiter zur 75-Jahr-Feier im Stadtteil Ende August. Der Verein "Bürgerinitiative Zukunft Hermann-Röchling-Höhe" will das Jubiläum nach eigenen Angaben als "politisch losgelöste" Feier gestalten. Comtesse: "Oberbürgermeister Lorig müsste als Schirmherr in seiner Ansprache mindestens auf die Verbrechen von Röchling hinweisen. Diese sind kein Streitpunkt, sondern Realität."

Die "Bürgerinitiative gegen das Vergessen und die Gleichgültigkeit" hat laut Manfred Engel-Pollak vergeblich versucht, Kontakt mit dem Organisationskomitee aufzunehmen. Sie plane zum Jubiläum ein Konzert mit der Ausrichtung "Rock gegen Rechts" - wenn nötig, auch an einem anderen Ort als der Röchlinghöhe. Bei Kritikern soll es auch schon Überlegungen geben, ein eigenes Zelt, der Aufarbeitung gewidmet, aufzubauen und im historischen Festzug in KZ-Häftlingskleidung mitzumarschieren.

17 Stolpersteine liegen als Gedenken an Nazi-Opfer bereits in den Straßen. Mit dem Thema Hermann Röchling und Kriegsverbrechen tut sich Völklingen erkennbar schwerer, meinen die Gesprächspartner. Vom 14. Februar bis 8. März gab es so eine Wanderausstellung zur Geschichte der polnischen Zwangsarbeit, "von uns vermittelt und dann im Stadtarchiv im Alten Bahnhof eingepfercht, während es trotz Bauarbeiten im Foyer des Rathauses genug Platz gab" (Engel-Pollak).

Forschung über Hermann Röchling ist laut Kesternich nicht mehr das Gebot der Stunde. Alles Wesentliche sei bereits seit Jahrzehnten nachzulesen. Es komme nun darauf an, es zu vermitteln. Hier könne man auch an eine handliche Broschüre denken, wie sie Schüler vom Sonnenhügel bereits in einer Gemeinschaftsarbeit zum Thema "Stolpersteine" aufgelegt hätten. Und die Beschäftigung mit der Völklinger Geschichte müsse systematisch in den Unterricht einfließen. "Jedes Kind muss in der Schule schon mal die Wahrheit über Hermann Röchling gehört haben", sagt Peter Comtesse.