1. Saarland

"Auf keinen Fall selbst auf das Eis gehen"

"Auf keinen Fall selbst auf das Eis gehen"

Bosen. Bernd Besch schreit laut um Hilfe, als er am Samstagnachmittag in einem Eisloch am Bostalsee verschwindet. Besch ist aber nicht wirklich in Lebensgefahr. Das Mitglied der Wasserrettungseinheit der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat sich vielmehr bereit erklärt, bei der Eistauch- und Eisrettungs-Übung des DLRG-Bezirks St. Wendel als "Opfer" mitzumachen

Bosen. Bernd Besch schreit laut um Hilfe, als er am Samstagnachmittag in einem Eisloch am Bostalsee verschwindet. Besch ist aber nicht wirklich in Lebensgefahr. Das Mitglied der Wasserrettungseinheit der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat sich vielmehr bereit erklärt, bei der Eistauch- und Eisrettungs-Übung des DLRG-Bezirks St. Wendel als "Opfer" mitzumachen.Die kalten Temperaturen der letzten Wochen und den zugefrorenen Bostalsee nutzen die Einsatzkräfte am Samstag, um den Ernstfall zu proben. "Es ist die erste Übung dieser Art unter Realbedingungen seit sechs Jahren", berichtet Oliver Neis, der Ausbildungsleiter des DLRG-Landesverbandes Saar.

Normalerweise können die DLRG-Helfer den Notfalleinsatz nur im Schwimmbad üben. Die Übung unter Realbedingungen lockt am Bostalsee rund 100 Zuschauer an. Extra für diese kommentiert Übungsleiter Lars Kühn alle Schritte. "Die Eisschicht am Bostalsee ist 21 Zentimeter dick. Die Wassertemperatur beträgt 0,5 Grad. Das Betreten ist aber strengstens verboten, weil die Eisdecke stellenweise brüchig ist", berichtet Kühn. Trotzdem befinden sich am Samstag in weiter Ferne einige Passanten auf dem See. "Was die machen, ist lebensgefährlich", schüttelt Kühn den Kopf.

Nicht lebensgefährlich ist dagegen der Einsatz von Besch. Mit Spezialkleidung ausgestattet ist er ins kalte Wasser gesprungen. Dort demonstriert er den Besuchern zuerst, wie man sich selbst befreien kann, wenn man ins Eis eingebrochen ist. "Man sollte versuchen, die ganzen Arme oberhalb des Eises zu behalten. Dann kann man versuchen, ein Bein aus dem Eis zu heben und herauszuklettern", erklärt Neis am Rande des Sees, während Besch genau dies wenige Meter weiter vormacht.

Passanten, die eine Person im Eis einbrechen sehen, sollten sich übrigens überlegt und vorsichtig verhalten. "Auf keinen Fall sollten sie selbst aufs Eis gehen. Stattdessen sollten sie umgehend den Notruf anrufen. Danach sollen sie versuchen, die eingebrochene Person vom Ufer aus mit einem Stock zu erreichen. Wenn dies nicht möglich ist, kann man die Person beruhigen, bis professionelle Hilfe da ist", sagt Neis.

Wenn die Helfer der Wasserrettungseinheit vor Ort sind, bergen sie Personen, die sich nicht mehr selbst aus dem Eis befreien können. Mit Leinen gesichert wird der Eingebrochene mit Hilfe von Tragen geborgen. Dies gestaltet sich bei der Übung als relativ einfach.

Schwieriger wird es jedoch, wenn die eingebrochene Person unter der Eisfläche verschwindet. Dann kommen Eistaucher zum Einsatz. "Sie sind mit einer speziellen rund 7500 Euro teuren Ausrüstung ausgestattet", berichtet Neis. Auch bei der Übung am Bostalsee sind mit Christian Hornetz, Jörg Reichert, Harry Marx und Moritz Mathieu vier Eistaucher im Einsatz. Sie bringen einen unter der Eisfläche platzierten Dummy zurück an die Oberfläche.

Auf einen Blick

Als der Bostalsee 2006 zugefroren war, musste die Wasserrettungseinheit des DLRG Bezirks St. Wendel drei Mal ausrücken, um eingebrochene Personen zu bergen. "Alle drei konnten wohlauf aus dem Eis geborgen werden", so Neis. Fünf weitere Personen, die eingebrochen waren, konnten sich damals selbst befreien. Auch 2012 gelang es einer eingebrochen Person am Bostalsee, sich aus eigener Kraft zu retten. sem