1. Saarland

Auf den Zähler kommt es an

Auf den Zähler kommt es an

Energie-Zähler kosten Geld, auch wenn sie nichts zu zählen haben – nämlich Grundgebühren: Das ist dem Betreuer einer alten Dame aufgefallen, in deren Wohnhaus aus technischen Gründen das Gas abgestellt wurde. Die Gebühr ließe sich vermeiden, sagen die Stadtwerke. Aber dazu müsse der Kunde den Zähler ausbauen lassen.

Es klingt befremdlich, was Leserreporter Manfred Sahner zu berichten hat. Eine alte Dame in Luisenthal, um die er sich als Betreuer kümmere, bekomme von den Völklinger Stadtwerken Grundgebühr für Gas in Rechnung gestellt, sagt Sahner - obwohl im Haus, in dem die 90-Jährige als Mieterin lebt, das Gas abgestellt sei. 182,65 Euro jährlich zahle die Luisenthalerin dafür.

Wie geht das zu? Und wieso haben die Stadtwerke die Gaslieferung eingestellt? Sahner, nach eigener Auskunft erst seit Mai Betreuer der alten Dame, hat sich die Vorgeschichte angesehen. Ende 2010 habe es in dem Haus, in dem die 90-Jährige wohnt, einen Wasserrohrbruch gegeben. Wegen technischer Mängel im Haus hätten die Stadtwerke zunächst die Energielieferung eingestellt. Dann seien Wasser- und Stromversorgung wieder hergestellt worden. Die Gasversorgung nicht, die alte Dame könne nur noch mit Strom heizen; teuer, vor allem in Relation zu ihrer niedrigen Rente, "aber dafür können die Stadtwerke natürlich nichts". Doch die Gas-Grundgebühr hält Sahner nicht für berechtigt. Dass die Stadtwerke kein Gas mehr liefern, komme einer einseitigen Vertragskündigung gleich, argumentiert er. Und dann habe auch die ursprünglich vorgesehene Grundgebühr keinen Bestand mehr.

Thomas Nowack, Abteilungsleiter Kundenbetreuung bei den Stadtwerken, widerspricht: "Nur weil Energie abgestellt wird, ist der Vertrag noch nicht gekündigt." Grundgebühren würden jeweils für den Zähler erhoben, damit seien alle Kosten dafür abgedeckt, vom Eichen über den regelmäßigen Austausch bis hin zum Ausbau, wenn ein Vertragsverhältnis tatsächlich ende. So lange aber ein Zähler eingebaut sei, werde die Grundgebühr fällig - und so sei es bei der alten Dame.

"Bis zum Zähler funktioniert alles, da kann jederzeit Gas fließen", sagt Nowack. Dürfe aber nicht: Die Haus-Anlage genüge nicht den Sicherheits-Vorschriften für Gas. Doch die Sperre beginne erst hinter dem Zähler. Das sei wie bei einem leer stehenden Gebäude; auch dort müsse der Hauseigentümer die Zählergebühr bezahlen. Darauf verzichten könnten und dürften die Stadtwerke nicht.

Also muss der Zähler ausgebaut werden, damit keine Gebühr mehr fällig wird? Ja, sagt Nowack. Aber den Auftrag dazu könne nur der Kunde geben, hier also die alte Dame oder ihr Betreuer, oder aber der Hauseigentümer; "eine kurze E-Mail genügt". Dann sei der Zählerausbau binnen zwei, drei Tagen erledigt - und von diesem Moment an werde auch keine Grundgebühr mehr berechnet.

Den Tipp für diesen Artikel bekamen wir von SZ-Leser-Reporter Manfred Sahner. Wenn Sie auch Interessantes zu erzählen haben, wenden Sie sich per SMS/Fax an Tel. (06 81) 5 95 98 00 oder per Mail an: leser-reporter@sol.de.