1. Saarland

Auf den Spuren der Reformation im südwestdeutschen Raum

Auf den Spuren der Reformation im südwestdeutschen Raum

Saarpfälzer nehmen am Samstag, 11. März, an der erstmaligen grenzüberschreitenden Saar-Synode an der Universität in Saarbrücken teil

In diesem Jahr jährt sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der Thesen von Martin Luther an der Schlosskirche in Wittenberg. "Im Jubiläumsjahr wollen die evangelischen Kirchenkreise Saar-Ost und Saar-West sowie die Dekanate Homburg und Zweibrücken darüber nachdenken, welche Impulse die Reformation uns noch heute geben kann. Unter anderem geht es um die Frage, wie sich die evangelische Kirche verändern muss, um wieder mehr Menschen zu erreichen," sagt Helmut Paulus, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirchenkreise an der Saar. Dazu findet auf dem Campus der Universität des Saarlandes in Saarbrücken am Samstag, 11. März, eine große Synode mit dem Titel "ecclesia semper reformanda" statt. Die Synodaltagung, die auch "Saar-Synode" genannt wird, beginnt um 9.30 Uhr in der Aula der Universität.

Neben den Abgeordneten aus den saarländischen und saarpfälzischen Kirchengemeinden, darunter die Dekane aus Homburg, Thomas Holtmann, und aus Zweibrücken, Peter Butz, sowie Vertreter der Bezirkssynoden werden auch Vertreter der lothringischen und elsässischen Nachbarkirchenkreise und der evangelischen Kirche in Luxemburg erwartet. Paulus betont ausdrücklich: "Dies ist nicht nur eine wissenschaftlich-akademische Zusammenkunft. Auch interessierte Christinnen und Christen aus allen unseren Regionen sind sehr willkommen." Auf der Saar-Synode stehen Fragestellungen unter anderem wie sich "Gottesdienst und Liturgie", die "Gestalt und Kultur der Kirche" oder "Gesellschaft und Staat" verändern müssen, im Mittelpunkt. Der Zweibrücker Dekan Butz sagt: "Dies ist ein besonderer Tag, ich freue mich über den Gedankenaustausch." Nach einer Talkrunde mit den Referenten, geleitet von SZ-Redakteur Oliver Schwambach, finden vier Workshops statt. Referenten sind der promovierte Musikwissenschaftler Stefan Reinke aus Itzehoe, die Marburger Theologie-Professorin Ulrike Wagner-Rau, der Journalist Reinhard Bingener von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, und der Leiter des Instituts für kirchliche Fortbildung in Landau und der promovierte Theologe Steffen Schramm. Für den renommierten Saarbrücker Religionswissenschaftler, Professor Joachim Conrad "kam die Reformation im südwestdeutschen Raum jedoch nur auf den ersten Blick von oben". Sie sei vielmehr das Ergebnis eines lang andauernden Prozesses, an dem Gemeinden und Pfarrerschaft partizipierten. Auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Saarland lagen im Zeitalter der Reformation mehrere Fürstentümer, etwa die Grafschaft Nassau-Saarbrücken, das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, das Herzogtum Lothringen und das Kurfürstentum Trier. Sie alle waren Teil des Heiligen Römischen Reiches, einem Staatenbund, der von seinem gemeinsamen Oberhaupt, dem Kaiser, zusammengehalten wurde. Conrad: "Das kursächsische Wittenberg war weit weg, so überrascht es nicht, dass die 95 Disputationsthesen von Luther hierzulande zunächst vor allem unter Gelehrten Aufsehen erregte. Das reformatorische Gedankengut erreichte dennoch die Territorien an Saar und Blies."

Zwei Ausstellungen zur Reformation sind in der Region zu sehen. "Neuer Himmel, neue Erde. Die Reformation in der Pfalz", lautet der Titel einer Ausstellung im Stadtmuseum in Zweibrücken. Sie läuft bis noch zum 14. Mai. Kontakt:Stadtmuseum Zweibrücken, Herzogstraße 9 (Petrihaus), Tel. (0 63 32) 87 13 80 oder 87 13 81, E-Mail: stadtmuseum@zweibruecken.de. In Homburg ist die Ausstellung "Die Reformation in der Saargegend" in der Stadtkirche vom 23. August bis 6. September zu sehen.