1. Saarland

Aschenkreuz – Hoffnungszeichen

Aschenkreuz – Hoffnungszeichen

Sie haben da Dreck an der Stirn" sagt die Verkäuferin freundlich an der Brottheke und zeigt auf das Aschenkreuz auf meiner Stirn. "Ich weiß", sag ich nur, "ist das Aschenkreuz!" Und dann ein kurzes: "Ach so..." - Scheinbar kurz nachdenken. Sieht so aus, als wüsste sie, was gemeint ist. Vielleicht auch nicht.

Jedenfalls ist dieses öffentliche Zeichen heute dran. In den katholischen Gottesdiensten wird es heute ausgeteilt.

Asche aufs Haupt streuen ist eine Redensart, die meint: Ich sehe meinen Fehler ein. Ich schäme mich, ich bereue. Es ist eine Geste, die in vielen Kulturkreisen bekannt war. Sie drückt Trauer über einen Menschen oder auch über einen schlimmen Fehler aus.

Sie erzählt: Ich bin zur Buße und Reue bereit. Und manchmal ist dieses Zeichen auch damit verbunden, dass der Bußbereite ein sogenanntes Büßergewand anlegt. In den ersten christlichen Gemeinden ist es sogar üblich, dass der, der schuldig geworden ist, das öffentlich zugibt. Also sich vor alle hinstellt und sagt: "Da bin ich schuldig geworden!" Und vor der Gemeinde ein Bußgewand anlegt, nachdem er sich Asche über den Kopf gestreut hat.

Denn für die Christen ist klar: Wenn ich einen Fehler gemacht habe, dann fällt das auf meine Mitchristen zurück. Als Christ habe ich die Aufgabe, in der Welt ein Beispiel zu geben. Ist es mir nicht gelungen, dann habe ich für meine Gemeinschaft kein gutes Zeugnis abgegeben. Und aus diesem Grund entschuldigt sich dann dieser Christ vor der Gemeinde. Und bittet seine Mitchristen und Gott öffentlich um Vergebung. Ziemlich krass, würde man heute denken. Denn das Bußgewand wird dann auch noch mehrere Wochen getragen, bis es wieder abgelegt wird.

So krass ist unser Aschenkreuz heute nicht mehr. Aber öffentlich getragen, erzeugt es Aufmerksamkeit. Und es erzählt auch: Ich bin bereit, für meine Fehler einzustehen. Ein Schritt, der vielleicht manchmal unserer Gesellschaft auch gut tun könnte....

Für mich zeigt es sogar noch mehr: Die Form des Kreuzes erinnert mich an Jesus. In meiner Bußbereitschaft unterstützt der mich. Sein Zeichen will mich nicht nur markieren, sondern mir Mut machen: "Mache dich auf den Weg, deine Fehler einzusehen, dich zu bessern und die Welt ein bisschen besser zu machen. Und sei dir gewiss: Ich unterstütze dich. Meinen Segen dazu hast du!"

Christian Schöneberger ist als Gemeindereferent in der Pfarreiengemeinschaft Merzig St. Peter tätig. Die Kinder in der Grundschule Brotdorf und der Kreuzbergschule Merzig kennen ihn nach seinen Wortem aus dem Religionsunterricht. Neben Erstkommunion- und Firmvorbereitung sind Jugendarbeit und Verbindung zu den Kindergärten Schwerpunkte seiner Arbeit. Christian Schöneberger ist verheiratet und hat drei erwachsene Söhne.