Arztskandal um Pathologen wegen Fehldiagnosen: Warnung an Kliniken

Kostenpflichtiger Inhalt: Arztskandal : Warnschreiben wegen Pathologen an alle Kliniken

Im Arztskandal um mutmaßliche Fehldiagnosen eines niedergelassenen Pathologen (60) aus dem Saarpfalz-Kreis haben die Saarländische Krankenhausgesellschaft (SKG) und das Gesundheitsministerium eine „dringliche Mitteilung“ an alle Klinikleitungen adressiert.

Nach Angaben von SKG-Geschäftsführer Thomas Jakobs wurden neben 22 Klinikdirektorien im Saarland auch die rund 50 Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz gewarnt. Die Kliniken werden in dem Schreiben aufgefordert, bei allen Patienten, die bereits in Behandlung stehen oder in naher Zukunft behandelt werden sollen, etwa mit Operationen oder Chemotherapie, zu prüfen, ob Diagnosestellung und Therapieentscheidung auf Basis eines Befundes des Pathologen erfolgt ist. In der Eil-Mitteilung, die unserer Zeitung vorliegt, heißt es wörtlich weiter: „In diesen Fällen wird geraten, vorsichtig zu sein, Kolleginnen und Kollegen zu informieren und gegebenenfalls eine neuerliche Befundung in Erwägung zu ziehen.“

Nach Informationen aus dem Saarbrücker Klinikum Winterberg kam es in der Vergangenheit bereits - vorwiegend bei angeblichen Krebspatienten - nach mutmaßlich falschen Diagnosen zu teils schwerwiegenden operativen Eingriffen. So wurde einem Patienten die Prostata entfernt. Erst nach der Operation stellte sich heraus, dass diese entgegen des ersten Befundes nicht mit Krebs befallen war. Eine Chefärztin vom Winterberg hat den Pathologen letzte Woche wegen mehr als 20 angeblicher Fehldiagnosen angezeigt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung. Praxis und Privatadressen des Mediziners wurden durchsucht. Die Approbationsbehörde, die dem Gesundheitsministerium unterstellt ist, erteilte dem Arzt ein vorläufiges Berufsverbot. Kassenärztliche Vereinigung (KV) und Ärztekammer des Saarlandes haben zwischenzeitlich alle niedergelassenen Ärzte über den aktuellen Stand informiert. Ärzte, die dem Pathologen Gewebeproben ihrer Patienten zur Befundung geschickt haben, wurden aufgefordert, die erstellten Diagnosen zu überprüfen und gegebenenfalls die betroffenen Patienten zu informieren.

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