1. Saarland

Armin Lang: Private Pflegeversicherung spekuliert mit Milliarden auf Kapitalmarkt

Saar-Sozialverband will Groß-Reform für Pflegeversicherung : VdK-Chef fordert Fusion der Pflegeversicherung

Saar-VdK -Chef Armin Lang sagt, dass die Belastung für die Pflegebedürftigen weiter steige. Die privaten Pflegeversicherungen säßen dagegen auf Milliarden-Überschüssen.

Der Landesvorsitzende des Sozialverbandes VdK Saarland hat eine Gesamtreform der Pflegeversicherung gefordert. „Damit Pflegebedürftigkeit nicht in die Armut führt, muss aus der Teilkasko-Versicherung eine richtige Pflegeversicherung werden, die alle Risiken übernimmt“, forderte Armin Lang im  Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung. Der Eigenanteil für den Pflegebedürftigen müsse begrenzt und alle weiteren Kosten von der Pflegeversicherung übernommen werden. Damit die Beiträge für die Beitragszahler nicht zu sehr anstiegen, sollten die Investitionen und Ausbildungskosten gesetzlich durch einen Steuerzuschuss finanziert werden, betonte der ehemalige SPD-Saar-Landtagsabgeordnete, der eine Beratungsfirma in der Gesundheitsbranche (Lang Consult) mit Sitzen in Berlin und Saarbrücken betreibt.

Lang erklärte, dass er seinen Reformvorstoß für die Pflegeversicherung dem 62-köpfigen Kuratorium des Berliner Vereins Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) vorlegen werde, in dem er seit Kurzem Mitglied ist. Das Kuratorium wurde 1962 von der Gattin des Bundespräsidenen Heinrich Lübke (CDU), Wilhelmine Lübke, ins Leben gerufen und berät die Bundesregierung in vielen Fragen der Senioren-Politik.

 Zudem forderte Lang eine Zusammenlegung der gesetzlichen und privaten Pflegeversicherung. „Die Trennung von gesetzlicher und privater Pflegeversicherung führt zu einer problematischen Risiko-Auslese: Die Menschen mit hohem Pflegebedürftigkeits-Risiko sind in der gesetzlichen Pflegeversicherung, die Menschen mit einem geringen Pflegebedürftigkeits-Risiko in der privaten Pflegeversicherung“, sagte der 71-Jährige. Dieser „System-Fehler“ müsse schnellstens korrigiert werden. Die Risiko-Auslese sei für die hohen Rücklagen von 35 Milliarden Euro der privaten Pflegeversicherung verantwortlich. Diese wüchsen jährlich um 1,3 Milliarden Euro. Und das, obwohl die Mitglieder der privaten Pflegeversicherung maximal die Hälfte des Beitrags im Vergleich zu gesetzlich Versicherten zahlten und obwohl alle Leistungen gleich seien, kritisierte der Chef des VdK Saarlannd, der 45.000 Mitglieder zählt.

„Das hat mit einer solidarischen Versicherung nichts zu tun. Deswegen brauchen wir dringend eine Zusammenlegung von gesetzlicher und privater Pflegeversicherung, zumindest einen Risiko-Ausgleich, weil auch die privat Pflegeversicherten von diesen hohen Rücklagen ihrer Versicherungsunternehmen nichts haben“, erklärte Lang. Mit dem Geld der privat Pflegeversicherten spekulierten deren Unternehmen weltweit und verdienten damit „unendlich viel Geld“. Das sei nicht im Sinne der privat Pflegeversicherten, meinte der Pflegeexperte.

Das System der Pflege in Deutschland müsse insgesamt reformiert werden, unterstrich Lang. So brauche es dringend effiziente Maßnahmen zur Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege, da sich das bisherige Gesetz als völlig unzureichend erwiesen habe.

 Der saarländische Vorsitzende des  Sozialverbands VdK, Armin Lang, 71
Der saarländische Vorsitzende des  Sozialverbands VdK, Armin Lang, 71 Foto: VdK Saarland

Für die pflegebedingten Leistungen, die Unterkunft und Verpflegung, die Investitions- und die Ausbildungskosten müssten die Pflegebedürftigen oder die Sozialhilfeträger einen saarlandweit durchschnittlichen monatlichen Eigenanteil von knapp 2300 Euro zahlen. Die finanzielle Überforderung der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen, aber auch zunehmend der örtlichen und überörtlichen Sozialhilfeträger, zwinge immer mehr dazu, das System der „Pflegeversicherung“ als gesetzliche Zuschussregelung für Pflegeleistungen und nicht als echte Risiko-Absicherung in den Fokus zu nehmen. Die öffentliche Debatte hierüber sei in vollem Gange.