Arme Früchtchen bleiben hängen

Arme Früchtchen bleiben hängen

Ob die Zeiten früher besser waren - darüber lässt sich trefflich streiten. Anders waren sie allemal. Viele glauben, "sellemols" war es gemütlicher, man fühlte sich eher der Natur und der Umwelt zugehörig und konnte die Schönheit von Flora und Fauna häufiger und intensiver genießen - einige kannten sich sogar richtig gut aus

Ob die Zeiten früher besser waren - darüber lässt sich trefflich streiten. Anders waren sie allemal. Viele glauben, "sellemols" war es gemütlicher, man fühlte sich eher der Natur und der Umwelt zugehörig und konnte die Schönheit von Flora und Fauna häufiger und intensiver genießen - einige kannten sich sogar richtig gut aus.Die wussten zum Beispiel, dass Boskop ein Herbst- und Backapfel ist, und dass Mirabellen im Sommer reif sind und gepflückt werden sollten. Entweder ist das Wissen verloren gegangen oder aber viele Menschen scheren sich nicht mehr um die Natur. Wie sonst könnte es immer öfter vorkommen, dass Bäume (ob in Nachbars Garten oder einfach auf dem sogenannten freien Feld) voller Früchte hängen, für die sich offensichtlich niemand zuständig fühlt und die gesunden Vitaminbomben achtlos hängen bleiben.

Viele von uns können sich sicher noch erinnern, wie sie in Lederhosen oder Sommerkleidern auf Bäume kletterten oder sich in mancher Hecke tiefe Striemen an Armen und Beinen zuzogen, um an die süßen Früchtchen zu kommen.

Und oftmals lag der besondere Nervenkitzel darin, ob der Nachbar, in dessen Garten die sprichwörtlichen Kirschen gepflückt respektive geklaut wurden, einen oder eine erwischte und bei den Eltern "anzeigte". Dann war eine deftige Strafe angesagt, wenngleich die Alten später einräumen mussten, dass sie in ihrer eigenen Jugend selbst in Nachbars Garten "straffällig" wurden.

Ob und wie viele von der heutigen Eltern-Generation später einmal ihren Enkelkindern ein derartiges "Geständnis" ablegen müssen und werden, ist fraglich. Die Armen, hängen gebliebenen Früchtchen werden dann Zeugnis ablegen. Hoffentlich sind es nicht allzu viele. Sitten und Gebräuche können ja bekanntlich verändert werden - auch rückwärts auf der Zeitschiene.