Regionaler Leitartikel Appelle an die Vernunft sind gescheitert

Im Saarland können sich herzkranke Menschen in 85 Herzgruppen unter fachmännischer Anleitung körperlich betätigen, um ihr geschwächtes und geschädigtes Herz zu stärken. Im Saarland gibt es aber auch besonders viele Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt, so die AOK, leiden Saarländer häufiger unter Bluthochdruck, Herzschwäche, Koronarer Herzerkrankung, Herzinfarkt und Schlaganfall. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die weltweit häufigste Todesursache. Eine im vergangenen August erschienene Studie, für die die Krankendaten von 1,5 Millionen Menschen aus 34 Ländern ausgewertet wurden, zeigt: Wenn die häufigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausgeschaltet würden, ließe sich über die Hälfte der Herzinfarkte und Schlaganfälle verringern. Auf diese Risikofaktoren hat jeder selbst Einfluss: Übergewicht, Bluthochdruck, Rauchen, Cholesterin und Diabetes Typ 2. Die in Saarbrücken ansässige Krankenkasse IKK Südwest hat im Rahmen ihrer Präventionsprogramme vor Kurzem darauf hingewiesen, dass 80 Prozent der Krankheitslast vermeidbar wären, wenn mit einem gesunden Lebensstil den Zivilisationskrankheiten, zu denen starkes Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Herz- und Gefäßerkrankungen und Typ-2-Diabetes zählen, entgegengewirkt würde. Es gibt zwar erste zaghafte Versuche der Politik, den Lebensstil positiv zu beeinflussen, zum Beispiel mit der Ampelkennzeichnung auf Lebensmitteln. Und es gibt gute Ideen wie eine Zucker- und Fettsteuer oder jeden Tag eine Sportstunde und das Fach Gesundheit in Kitas und Schulen. Doch noch versucht die Gesundheitspolitik, an die Vernunft des Einzelnen zu appellieren, gesünder zu leben. Dieser Ansatz ist offensichtlich gescheitert.

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