App soll beim Suchen von Pilzen helfen - Experten im Saarland warnen

Kostenpflichtiger Inhalt: Hohe Verwechselungsgefahr : Saarländischer Experte warnt vor Apps zur Bestimmung von Pilzen

Bald beginnt die Pilzsaison und vor allem junge Sammler greifen immer häufiger auf mobile Apps zur Bestimmung zurück. Experten warnen dagegen vor den Risiken der Programme.

Ein Wisch, ein Klick – und schon ist der schmackhaft aussehende Pilz im Sammelkorb zu den anderen gelegt. Noch schnell die Position gespeichert, damit man der Familie zuhause auch ganz genau zeigen kann, wo die leckeren Pilze herkamen, die man jetzt genüsslich beim heimischen Abendessen zusammen verspeist.

Pilz-Apps sind immer mehr im Kommen. Vor allem bei den jüngeren Pilz-Sammlern erfreuen sich die mobilen Programme wachsender Beliebtheit, wie ein Blick in den Appstore von Google und Co. verrät. Endlich vorbei die Zeiten, wo man kiloschwere Bestimmungsbücher im Rucksack mitschleppen musste, deren Bestimmungsschlüssel man sowieso kaum verstanden hat. Ein Foto, oder ein paar schnelle Klicks auf dem Smartphone reichen und schon weiß man, ob der Pilz vor einem auf dem grünen Waldboden essbar ist, oder nicht. Zumindest lautet so das Werbeversprechen des Entwicklers der Pilz-App „Pilzator“, welche bereits über eine Million Mal aus dem Google App-Store heruntergeladen wurde.

Dass das familiäre Pilze-Essen ganz plötzlich aber auch in einen ärztlichen Notfall umschlagen könnte, davor warnt Thomas Brandt, Vorsitzender der „Pilzfreunde Saar-Pfalz“. Zu hoch sei die Verwechslungsgefahr, wenn man Pilze nur anhand von Fotos bestimme. Selbst Pilz-Experten würden grundsätzlich keine Verzehrempfehlung auf Grundlage von Fotografien geben. Als Beispiel für eine folgenschwere Verwechslung führt Brandt den Karbol-Egerling an, ein giftiger Vertreter der Champignons. Dieser sieht dem essbaren Anis-Champignon zum Verwechseln ähnlich. Unterscheiden kann man die beiden unter anderem nur anhand der Verfärbung im Inneren der Stielbasis. Die befindet sich aber meistens unter der Erde. Einen Bereich, den eine Fotoapp überhaupt nicht abbilden kann. „Geruch, Geschmack, Konsistenz. Das sind alles Merkmale, die man zur Bestimmung von Pilzen braucht. Ein Foto kann das unmöglich alles liefern“, kritisiert Brandt.

Der Erste Vorsitzende des ehrenamtlichen Vereins mit Sitz in Oberbexbach empfiehlt daher grundsätzlich einen Pilzsachverständigen zu kontaktieren, wenn man sich unsicher bei der Bestimmung ist. Im besten Fall bringt man den entsprechenden Pilz auch gleich mit.

Die meisten Pilzsachverständiger in Deutschland sind Teil der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM). Das bundesweite Experten-Netzwerk hat sich bereits in der Vergangenheit mit den Risiken durch Pilz-Apps befasst.

Warnt vor dem blinden Vertrauen in Pilzapps: Thomas Brandt, Vorsitzender des „Pilzfreunde Saar-Rhein e.V.“ Foto: Tom Peterson. Foto: Tom Peterson

So unterzog Wolfgang Prüfert, Schatzmeister im DGfM, bereits 2015 in einer Vergleichsstudie sieben verschiedene Pilz-Apps einen kritischen Test in Bezug auf Bestimmbarkeit, fachlicher Richtigkeit und Sicherheit. Keine der geprüften Apps konnte vollends überzeugen. Bei einer wurden sogar ungenießbare Pilze als essbar durch die dazugehörige Community beworben.

Prüferts Fazit am Ende seiner Studie daher: „Ein Speisepilzsammler, der sich bei der Bestimmung nur von einer App leiten lässt, spielt grob fahrlässig mit seiner Gesundheit.“ Allerdings könnten die Apps durch ihre einfache Bedienungsweise und weitaus größeren Bildersammlungen bei der Bestimmung von Pilzarten den geübten Anfänger oder Fortgeschrittenen unterstützen.

Entwickler der Pilzbestimmungs-App "Meine Pilze" Klaus Bornstedt im heimischen Garten. Foto: Klaus Bornstedt. Foto: Klaus Bornstedt

Ein Entwickler der von der DGfM geprüften Pilzbestimmungssoftwares ist der in Braunschweig lebende Klaus Bornstedt. Seine App „Meine Pilze“ war die einzige in der Studie, die überwiegend positiv bewertet wurde. Während des Pilzesammelns sei dem Entwickler die Idee für die App gekommen. „Irgendwann war es für mich zu lästig, immer Bücher mit mir herumzuschleppen“, erinnert sich Bornstedt. Er begann dann seine private Sammlung an Bestimmungsliteratur einzuscannen und auf seinem Handy zu speichern. „Zu der damaligen Zeit gab es ja noch keine anderen Möglichkeiten“. Aus der eher praktisch veranlagten Idee ist dann innerhalb weniger Jahre eine unter Pilzfreunden sehr beliebte Software geworden. Sogar mehrere Pilzsachverständige sollen laut Bornstedt zu den Nutzern zählen. Generell empfiehlt er seine App jedoch nur den erfahrenen Nutzern, die schon einige Sicherheit bei der Bestimmung von Pilzen haben. „Eine Verzehrempfehlung gebe ich über die App grundsätzlich nicht“, sagt Bornstedt. Obwohl vielfach von den Nutzern seiner Software gewünscht, wird es eine automatische Bestimmung von Pilzen anhand von Fotos, wie bei „Pilzator“ nicht geben. Von dieser und ähnlichen Apps hält der Entwickler nämlich „überhaupt nichts“.

Auf SZ-Nachfrage räumt Pierre Semedard – der Kopf hinter der Pilzator“-App – ein, dass die Software noch teilweise ungenau sei. Es könne daher durchaus vorkommen, dass “die App essbare Pilze mit giftigen verwechselt“. Allerdings zeige seine App immer mehrere Pilze an, die dem per Foto Identifizierten ähneln. Zudem würde auch ein Sicherheitshinweis gezeigt werden, in dem vor dem Verzehr unbekannter Pilze abgeraten werde.

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