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AOK kontert Vorwürfe der Kassenärzte wegen Pflege-Skandal

AOK kontert Vorwürfe der Kassenärzte wegen Pflege-Skandal

Saarbrücken. Die AOK hat Vorwürfe der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) im Zusammenhang mit dem Elversberger Pflegeskandal zurückgewiesen

Saarbrücken. Die AOK hat Vorwürfe der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) im Zusammenhang mit dem Elversberger Pflegeskandal zurückgewiesen. AOK-Landesgeschäftsführer Karlheinz Delarber wies auf Anfrage unserer Zeitung den Vorhalt zurück, die Kassen hätten ein von der KV vorgeschlagenes Ärzteverbundsystem mit Rufbereitschaft und regelmäßigen Visiten abgelehnt, mit dem womöglich Missstände bei der Versorgung "intensivbehandlungsbedürftiger" Patienten früher entdeckt worden wären.Delarber erklärte, die "Koordination diagnostischer, therapeutischer und pflegerischer Maßnahmen" sei eine ureigene Aufgabe der KV. Dies gelte unabhängig davon, ob der Patient zu Hause oder in einem Pflegeheim wohnt. Sofern eine KV Defizite bei der ärztlichen Versorgung in einem Pflegeheim sieht, wäre es zunächst deren Aufgabe, auf die ihr angehörenden Vertragsärzte hinzuwirken, um für Abhilfe zu sorgen. Erforderlichenfalls müsse die KV die von den Krankenkassen zur Verfügung gestellten Honorare eben umverteilen. Auch dies liege ganz eindeutig in der Zuständigkeit der KV. Dafür benötige man nicht mehr Geld.

Auch das Elversberger Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt (Awo) hätte laut AOK bei Missständen handeln können. So hätte die Awo mit niedergelassenen Ärzten jederzeit Kooperationsverträge abschließen können.

Unabhängig davon habe die AOK-Landesdirektion Saarland als Reaktion auf den aktuellen Pflegeskandal in Elversberg mit Heinz-Peter Müller einen Ombudsmann für die Pflege ernannt. Dieser sei vertraulicher Ansprechpartner für Hinweise auf Mängel und Missstände im Zusammenhang mit Leistungen in stationären Pflegeeinrichtungen und ambulanten Pflegediensten.

KV-Vizechef Joachim Meiser hatte der SZ kürzlich berichtet, dass sich Hausärzte im vorigen Jahr an die KV gewandt hätten. Sie hätten darauf hingewiesen, dass die Versorgung auf der Intensivpflegestation des Heims der Arbeiterwohlfahrt in Elversberg mit dem üblichen ambulanten Hausärztesystem nicht sicherzustellen sei. Lediglich wöchentliche Visiten und anlassbezogene Arztbesuche seien auf einer Station mit schwerstkranken Menschen, die druckbeatmet werden müssen, ein unhaltbarer Zustand, bemängelte Meiser.

Die Kassen hätten aber das von der KV vorgeschlagene Gespräch über ein Ärzteverbundsystem mit Rufbereitschaft und regelmäßigen Visiten verweigert. Und die Awo habe es nicht anstelle der Kassen selbst finanzieren wollen. Für die Etablierung eines solchen Verbundsystems hätten die Kassen laut Meiser "ein bisschen Geld in die Hand nehmen" müssen, damit die betreffenden Ärzte ihre Sprechstunden einschränken und öfter ins Heim kommen.

Der neue AOK-Ombudsmann für die Pflege, Heinz-Peter Müller, ist telefonisch unter (06 81) 60 01-216 oder per E-Mail unter heinz-peter.mueller@rps.aok.de erreichbar.

Foto: Aok

Foto: Privat

Hintergrund

Im Awo-Seniorenheim Elversberg sollen zwei Pfleger Bewohner längere Zeit gequält haben. Zwei Opfer starben offenbar an den Folgen der Misshandlungen. Den Pflegern und ihren Vorgesetzten wurde fristlos gekündigt. red