Angstmacher - oder Integrations-Zeichen?

Angstmacher - oder Integrations-Zeichen?

Völklingen. Ünal Subasi (32, Foto: hj), zweiter Vorsitzender der Ditib-Moscheegemeinde in Wehrden, zeigt dem Ausschuss für Stadtentwicklung des Völklinger Stadtrates per Computer-Projektion, wie die Muslime sich die künftige Gestalt ihres Gebetshauses vorstellen. Mausklick um Mausklick verändert sich die Moschee. Zuerst mit zwei kleinen Kuppeln. Sie rahmen eine dritte, größere

Völklingen. Ünal Subasi (32, Foto: hj), zweiter Vorsitzender der Ditib-Moscheegemeinde in Wehrden, zeigt dem Ausschuss für Stadtentwicklung des Völklinger Stadtrates per Computer-Projektion, wie die Muslime sich die künftige Gestalt ihres Gebetshauses vorstellen. Mausklick um Mausklick verändert sich die Moschee. Zuerst mit zwei kleinen Kuppeln. Sie rahmen eine dritte, größere. Dahinter strebt ein Minarett empor, acht Meter hoch, 1,4 Meter Durchmesser, schlicht, ohne 1001-Nacht-Schnörkel. Der nächste Klick fügt die Gebäudemaße hinzu. Nur die richtigen Farben, die der Fassade, habe er in der Fotomontage leider nicht hingekriegt, sagt Subasi lächelnd. Mitglieder aller Fraktionen bedanken sich: Anschaulichkeit hat in der bisherigen Debatte um die Minarett-Pläne der Muslime gefehlt. Die Meinungen gehen dann aber weit auseinander. CDU-Fraktionschef Stefan Rabel (Foto: bub) argumentiert wie schon beim Neujahrempfang seiner Fraktion (wir berichteten), das Minarett habe nicht nur baurechtliche Bedeutung, sondern grundsätzliche. Es sei ein religiöses Symbol, "das bei vielen Ängste weckt". Und das vielleicht als Provokation verstanden werde, "obwohl ich sicher bin, dass es nicht so gemeint ist". Rabel bittet die Muslime, "die Gefühle der Anwohner ernst zu nehmen"; vielleicht sei es besser, aufs Minarett zu verzichten, wenigstens vorerst. Paul Ganster (Foto: bub) von den Linken urteilt anders: "Ein muslimisches Gebetshaus erkennbar zu präsentieren, ist Integration." Und die Mehrheit der Wehrdener sehe das Vorhaben "ganz gelassen". Einspruch von Oberbürgermeister Klaus Lorig: Im Rathaus seien aufgeregte Anrufe eingegangen. Aus allen Fraktionen kommt die Empfehlung, Konsens für das Projekt zu suchen, mit den Bürgern zu reden. Zuallererst im Stadtteilforum. Was dessen Sprecher Helmut Tamblé (Foto: hj) aber "enttäuschend" findet: Dem Forum dürfe man nicht zu viel zuschieben. "Wir sind nicht die Entscheidungsträger", sagt Tamblé. Von der Moscheegemeinde wünscht er sich mehr Kooperation etwa bei der Stadtteilverschönerung: "Ein Miteinander haben wir noch nicht", nur ein - gutes - Nebeneinander. Und von der Verwaltung will er wissen, wie das Verfahren in Sachen Minarett aussieht. Christina Hennrich, zuständige Fachbereichsleiterin im Rathaus, erklärt es. Derzeit prüfe man nach der Bauvoranfrage der Gemeinde, ob das Projekt baurechtlich zulässig sei. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Pläne könne sich auch der Stadtrat dazu äußern; ans Rats-Votum sei die Verwaltung dann gebunden. Und ob mit oder ohne Rats-Beteiligung, die städtische Entscheidung sei "gerichtlich überprüfbar". Am Dienstag, 19. Januar, 18 Uhr, diskutiert das Stadtteilforum Wehrden die Pläne. Ort: Kulturhalle Wehrden, 1. Etage. Meinung

Vom guten Nebeneinander zum besseren Miteinander

Von SZ-Redakteurin Doris Döpke Wie auch immer man die Minarett-Pläne der Wehrdener Moscheegemeinde beurteilt - unter einem Gesichtspunkt sind sie eine gute Sache: Sie zwingen geradezu zum Gespräch. Die Wehrdener Muslime, so berichtet der Vorstand des Gemeinde-Vereins, träumen schon lange von Bau-Wahrzeichen für ihre Moschee. Nun möchten sie den Traum verwirklichen. Und haben ihren Entwurf für Kuppeln und Minarett so gestaltet, dass er einerseits das Gebetshaus sichtbar macht, sich andererseits ohne ungebührliche Dominanzen oder Stilbrüche einfügt in die Wehrdener Silhouette zur Saar - die erste Skizze ist stolz und bescheiden zugleich. Eine gute Basis zum Diskutieren. Das sollte man offen und in aller Ruhe tun, ohne Hitzigkeit und vor allem ohne Stammtischparolen. Offenheit für Wehrdener Belange hat Stadtteilforums-Sprecher Helmut Tamblé auch von den Muslimen eingefordert, damit aus dem bisherigen guten Nebeneinander der deutschen und der türkischen Wehrdener ein - besseres - Miteinander wird. Die Gespräche über die Minarett-Pläne bieten Chancen dazu.

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