"Anarchisch, wild, pur"

"Anarchisch, wild, pur"

Saarbrücken. "Kindererschrecker united" lautet das furchteinflößende Motto der letzten "Direktmusik" in diesem Jahr. Am Dienstag, 30. Dezember, geht's in der Sparte4 in der Eisenbahnstraße 22 um Songs von Leuten, die auf knallige Horrorästhetik setzen

Saarbrücken. "Kindererschrecker united" lautet das furchteinflößende Motto der letzten "Direktmusik" in diesem Jahr. Am Dienstag, 30. Dezember, geht's in der Sparte4 in der Eisenbahnstraße 22 um Songs von Leuten, die auf knallige Horrorästhetik setzen. Oder die aus anderen Gründen nicht gerade zu Schwiegermuttis Lieblingen gehören: ACDC, Alice Cooper, Schockrocker Marilyn Manson, Rammstein, Black Sabbath, Iron Maiden, Motörhead oder Billy Idol. Was an diesem Abend letztendlich genau passiert, wissen weder die Zuschauer noch die Mitwirkenden selbst. Jede Direktmusik lebt von dem gewissen prickelnden Unsicherheitsfaktor: Jedes Konzert ist mit heißer Nadel gestrickt, die Vorbereitungszeit extrem knapp bemessen. Mehr als ein oder zwei Proben gibt's nicht, weil die von Sparte4-Chef Christoph Diem initierte Reihe auf Spontaneität und Improvisation setzt. "Anarchisch, wild, pur", sagt Merten Schroedter lachend. Der Schauspieler war bisher jedes Mal dabei; auch schon bei der ersten Direktmusik, die im November 2006 über die Bühne ging. Das Konzept? Wechselnde Schauspieler und andere Kräfte des Saarländischen Staatstheaters (etwa aus Dramaturgie, Ballet, Service) tun sich einmal im Monat mit einem festen Musiker-Trio zusammen, um Lieder kräftig gegen den Strich zu bürsten. Dabei geht's weniger um perfekten Belcanto als darum, eine eigene, neue Interpretation zu finden. Konzert ja, aber kein Nachspielrock! Männer der ersten Stunde sind auch Pianist und Arrangeur Achim Schneider sowie Bassist Jochen Lauer. Dritter im Bunde der "Jojo Achims", so der Name der Hauskapelle, ist Schlagzeuger Billy Trebing, der schon länger für seinen erkrankten Kollegen Jochen Krämer einspringt. "Ursprünglich lautete unsere selbst ernannte Regel, ohne Gitarristen auszukommen", sagt Jochen Lauer. "Die haben wir aber schon mehrfach gebrochen. Am Tag vor Silvester wird nun als Gast David Kiefer mitspielen." Bei den Vokalisten schwankt die Zahl im Durchschnitt zwischen fünf bis acht Mitwirkenden. Wer mitmacht aus dem Schauspielensemble, das diktieren allein Lust und Laune. Doch auch wenn die Teilnahme freiwillig ist - für die Schauspieler ist's mitunter stressig, erläutert Schroedter, da die Vorbereitung oft schwierig in den regulären Theateralltag zu integrieren sei. Als Kindererschrecker haben sich nun außer Merten Schroedter auch Schauspieler Florian Kleine und Öffentlichkeitsarbeiterin Verena Ayere angekündigt, außerdem eine ehemalige Tänzerin und eine Mitarbeiterin aus der Kantine. Und was die Zuschauer angeht: Da freuen sich die Direktmusiker mittlerweile über ein treues, von der Altersstruktur her gut gemischtes Stammpublikum. Direktmusik "Kindererschrecker united": Dienstag, 30. Dezember, 21 Uhr, Sparte4. Infos: www.sparte4.de

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