An Uniklinik in Homburg mehr Behandlungen, aber nicht mehr Pflegekräfte

Homburg : An Uniklinik mehr Behandlungen, aber nicht mehr Pflegekräfte

Der Neubau der Inneren Medizin hat 157 Millionen Euro gekostet. Drei Kliniken werden ab kommendem Montag dort einziehen.

Die Arbeit nimmt beständig zu, immer mehr Patienten werden stationär und ambulant behandelt – aber das Personal bleibt gleich. Auf diesen Nenner lässt sich die Entwicklung am landesweit größten Krankenhaus des Landes, dem Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) in Homburg bringen. Der Trend ist nicht ganz neu und trifft auch längst nicht nur das UKS. Für die Uniklinik liegen nun aber konkrete Zahlen vor, die die Landesregierung auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Astrid Schramm, Barbara Spaniol und Dennis Lander publik gemacht hat.

Demnach zählte das UKS im Jahr 2012 noch 46 228 stationäre Behandlungsfälle, 2017 waren es bereits 50 419. Im ambulanten Bereich ist der Anstieg in besagtem Zeitraum noch rasanter: von 201 997 auf 230 554. „Die Kliniken können nur ausreichend Erlös generieren, wenn sie die Zahl der Behandlungsfälle erhöhen“, erklärt Markus Hardt, der Vorsitzende der Klinikärzte-Gewerkschaft Marburger Bund im Saarland. Das heiße kürzere Verweildauer, schnellere Behandlung und mehr (neue) Patienten pro Arzt und Pflegekraft. An den Ärzten scheitert die Steigerung der Behandlungsfälle nicht: Für sie gibt es an der Uniklinik aktuell 590 Stellen, eine Steigerung von 24 Prozent seit 2012.

Die Zahl der Pflegekräfte hält mit dem Anstieg der Behandlungsfälle allerdings nicht Schritt. Ausgewiesen sind für das laufende Jahr 1015 Stellen, ungefähr so viele waren es schon 2012. „Die Fälle steigen, die Bettenzahl wird erhöht, die Liegedauer sinkt – alles das wird im Prinzip mit der gleichen Anzahl der Pflegekräfte geleistet. Das geschieht auf Kosten der Pflegekräfte und zu Lasten der Patienten, die Folge ist eine wachsende Flucht aus dem Beruf“, sagt Verdi-Sekretär Michael Quetting. 2019 ist mit einer weiteren deutlichen Steigerung der Fallzahlen allein schon deshalb zu rechnen, weil die Bettenzahl an der Uniklinik von 1202 auf 1350 steigen wird.

Was die Situation für die Beschäftigten erschwert, ist, dass rund 100 der 1015 Stellen auf den Stationen, in den OP-Bereichen und in den Ambulanzen nach Auskunft der Uniklinik derzeit nicht besetzt sind. Das soll sich nach einer Vereinbarung zwischen Verdi und der Spitze der Uniklinik vom 19. September nun ändern; außerdem sind 130 zusätzliche Stellen in der Pflege versprochen. Unter dem Strich hat die Uniklinik also 230 Pflegestellen zu besetzen, bezogen auf die 915 besetzten Stellen faktisch ein Plus von einem Viertel. Die Herausforderung wird sein, genügend Bewerber für die Stellen zu finden. Eine Arbeitsgruppe von UKS, Verdi und Personalrat soll Vorschläge machen. Klar ist aber, dass nicht nur Krankenpflegekräfte angesprochen werden, sondern etwa auch Altenpfleger und Notfallsanitäter.

Bis das zusätzliche Pflegepersonal da ist, müssten die Leistungen heruntergefahren werden, fordert Verdi, sprich: Bettensperrungen und OP-Absagen. Die Uniklinik hat mit ersten Maßnahmen, um die Lage für die Pflegekräfte zu entspannen, nach eigener Darstellung bereits begonnen: „Dazu gehören unter anderem das Einstellen von zusätzlichen Pflegekräften, der Einsatz von Freelancern und das Sperren von Betten in bestimmten Bereichen aufgrund noch fehlenden Personals.“

Meinungsverschiedenheiten gibt es zwischen Verdi und Uniklinik aber noch darüber, ob genug getan wird, das zusätzliche Personal zu rekrutieren. Verdi warf der Leitung der Uniklinik vor, die Maßnahmen zu verschleppen. „So werden keine neuen Kräfte nach Homburg kommen“, sagte Quetting. „Es werden aber welche kommen, wenn sich die Arbeitsbedingungen wie vereinbart verbessern und wenn zumindest die Gehaltsbedingungen so verbessert werden, dass man nicht weniger als in den anderen Krankenhäusern verdient.“

Die Uniklinik hatte den Vorwurf der Verschleppung schon vor Tagen zurückgewiesen. „Bis heute ist keiner der in der Schuldrechtlichen Vereinbarung explizit genannten Termine verstrichen“, hieß es in einer Stellungnahme. Am 13. Dezember soll eine Arbeitsgruppe beider Seite ihre Arbeit aufnehmen, die klärt, wie bestimmte Punkte der Vereinbarung ausgelegt werden.