Am Ende triumphiert die Liebe über das Böse

Am Ende triumphiert die Liebe über das Böse

Das russische Staatsballett zeigte den Ballettklassiker „Schwanensee“ in der Neunkircher Gebläsehalle. Dabei hielt man sich in der Inszenierung dicht an das Original. Vor allem die kleinen Schwäne eroberten die Herzen des Publikums.

. Man konnte einfach nicht umhin, mit dem jungen Siegfried mitzufühlen. Mit solcher Sensibilität spielte Artemy Pyzhov den Prinzen, dass man fast selbst von der unbestimmten Melancholie erfasst wurde, die ihn an seiner Geburtstagsfeier plötzlich von der Gesellschaft Abstand suchen lässt. Ebenso übergreifend sein verliebtes Sehnen nach der Schwanenkönigin. Egal mit welcher Fürstentochter er tanzt auf dem Ball, auf dem er eine Braut wählen soll, das Schwanenmädchen fesselt seine Gedanken. Verträumte Blicke, zarte Gesten, dazu eine beeindruckende Präzision der Bewegung - Pyzhov verstand es, das Publikum in die märchenhafte Welt von Peter Tschaikowskys "Schwanensee" zu entführen.

Unter künstlerischer Leitung von Wjatscheslaw Gordejew zeigte das Russische Staatsballett, eingeladen von Popp Concerts mit der Neunkircher Kulturgesellschaft, am Mittwochabend den Klassiker in der gut besetzten Gebläsehalle.

Möglichst genau hielt man sich dabei an die von Marius Petipa und Lew Iwanow 1894 erarbeitete Choreografie. Das Schloss mit dem See im Hintergrund, Bäume und Blätterranken davor bildeten das Bühnenbild, das, wann immer das Geschehen im Reich der Schwäne spielte, in blau-graues Mondlicht getaucht wurde. Mit schwanenartigen Armbewegungen entstieg Maria Rudenko als Odette dem See. Vorsichtig offenbart sie dem Prinzen ihre wahre Identität, umtanzt ihn, nähert sich ihm. Der intensive Moment zu leisen Klängen wird jäh unterbrochen, als der eifersüchtige Rotbart die Bühne stürmt. Anton Kosinov gelang es, der Figur des finsteren Barons, der Odette in die Gestalt des Schwans verwandelt hat, große Präsenz zu verleihen. Mit schnittigen, zackigen Bewegungen und dynamischen Sprüngen schien er wie von dämonischer Energie getrieben. Ein Gänsehautmoment, als Rotbart im Bühnenhintergrund auftaucht, der sich erst jetzt als mehrschichtig erweist. Vor dem gemalten See, jedoch hinter einem Schleier, der ihn in die Ferne rücken lässt, beobachtet er heimlich ein erneutes Treffen der Verliebten.

Zauberhafte Kostüme mit flatterndem Tüll und glänzendem Samt machten die Choreografiebilder mit dem Ballettcorps zu optischen Genüssen. Besonderen Applaus ernteten unter anderem die vier kleinen Schwäne für ihren präzise ausgeführten, berühmten Tanz des zweiten Aktes.

Die Schwäne sind Odettes einziger Trost, als sie sich von Siegfried verlassen glaubt: Rotbart ist mit der verführerischen Odile, Odettes Ebenbild und dargestellt von Shiori Fukuda, auf dem Ball erschienen. Der Prinz hält die schwarz-rot Gewandete für Odette und schwört ihr ewige Liebe. Als er seinen Irrtum erkennt, eilt er entsetzt zum See und bittet Odette um Vergebung. Als diese ihm verziehen hat, kann nichts mehr die Liebe des Paares zerstören. Rotbart verliert im Kampf gegen Siegfried sein Leben.

Ganz bewusst hat sich Wjatscheslaw Gordejew für diese Version des "Schwanensee" entschieden: "Da es ein phantastisches Märchen ist, bin ich überzeugt, dass es ein glückliches Ende geben muss, in dem die Liebe über das Böse triumphiert."

Mehr von Saarbrücker Zeitung