1. Saarland

Alte Menschen erhalten hier emotional viel Ansprache

Alte Menschen erhalten hier emotional viel Ansprache

Ludweiler. Im Eingangsbereich des Seniorenzentrums der Arbeiterwohlfahrt in Ludweiler tummeln sich die Bewohner. An der Rezeption plaudert ein älterer Herr im Rollstuhl mit dem Haustechniker. Ein bunt geschmückter Christbaum und Tannenzweige an den Wänden sorgen für weihnachtliches Ambiente

Ludweiler. Im Eingangsbereich des Seniorenzentrums der Arbeiterwohlfahrt in Ludweiler tummeln sich die Bewohner. An der Rezeption plaudert ein älterer Herr im Rollstuhl mit dem Haustechniker. Ein bunt geschmückter Christbaum und Tannenzweige an den Wänden sorgen für weihnachtliches Ambiente.

Michaela Winkler, frisch diplomierte Krankenpflegerin mit blondem Zopf, arbeitet dieses Jahr an Weihnachten und am Neujahrstag - Schichtbeginn ist sechs Uhr. Sylvester feiert sie deshalb nicht. "Das macht mir gar nichts aus - erst die Arbeit, dann das Vergnügen", sagt die 24-Jährige. An Weihnachten arbeite sie besonders gerne, weil viele Senioren allein seien, die man auffangen müsse. "Es ist wichtig, dass jemand da ist, der für sie da ist und sie knuddelt".

Im Seniorenzentrum ist zwischen Heiligabend und Neujahr etwa 80 Prozent der Belegschaft im Dienst. "Die einen arbeiten an Weihnachten, die anderen an Sylvester - aber eine 100-prozentige Dienstplan-Gerechtigkeit gibt es nicht", sagt Pflege-Direktor Horst Kruchten. Das sei man jedoch in diesem Beruf gewöhnt. Manch allein stehender Mitarbeiter sei sogar froh, an Heiligabend arbeiten zu können - "die fühlen sich dazu berufen und sind gerne mit den Bewohnern zusammen". An den Feiertagen ist der Haustechniker Andreas Grün in Rufbereitschaft. "Die Familie weiß das und stellt sich darauf ein", sagt Grün. Auch Horst Kruchten ist rufbereit.

"Das hat man immer im Hinterkopf, man ist auf Abruf" sagt Kruchten. Vor ein paar Jahren fiel auf der Kurzzeit-Pflegestation der Strom aus. "Versuchen Sie mal, am Weihnachtsabend einen Elektriker aufzutreiben - das ist wie die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen". Das größte Problem sei gewesen, die Bewohner zu beruhigen. Vor allem bei Demenzkranken kämen häufig Kriegserinnerungen hoch, so auch an Sylvester. "Der Krach erinnert sie an den Krieg und löst Angst aus, die können das nicht zuordnen" - dann sei Beruhigung angesagt. "Für viele ist Sylvester aber ein fröhliches Ereignis", sagt Pflegerin Petra Schäfer. Nach einem Abendessen mit Wiener Würstchen und Sauerkraut säßen die Bewohner oft bis Mitternacht zusammen, um dann mit einem Punsch anzustoßen.

Zum Weihnachtsfest ist das Seniorenzentrum voller Besucher. "Für viele Bewohner ist das das größte Highlight im Jahr, wenn die Angehörigen zu Besuch kommen", sagt Petra Schäfer. Für die dagegen, die an Heiligabend keiner besucht, sei es umso schlimmer. Und deren Zahl nehme zu. "Wir versuchen, ihnen gut zuzusprechen und sie abzulenken, indem wir zum Beispiel mit ihnen Plätzchen backen", sagt Tilly Boncourt, die als soziale Betreuerin arbeitet. Zu Weihnachten und Sylvester seien die Senioren zudem viel unruhiger. "Der Dienst ist dann schon anstrengender und aufwendiger". > Serie wird fortgesetzt.