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"Als Einzelkämpfer geht gar nichts"

"Als Einzelkämpfer geht gar nichts"

Remmesweiler. Uwe Zimmermann lebt seinen Traum. Er hat einen schrottreifen Bus von Grund auf restauriert, bis er wieder als Reisebus zugelassen wurde. Seit fünf Jahren bietet der Unternehmer ein Fahrerlebnis in einem fünfzigjährigen Oldtimerbus der Marke Mecedes Benz an

Remmesweiler. Uwe Zimmermann lebt seinen Traum. Er hat einen schrottreifen Bus von Grund auf restauriert, bis er wieder als Reisebus zugelassen wurde. Seit fünf Jahren bietet der Unternehmer ein Fahrerlebnis in einem fünfzigjährigen Oldtimerbus der Marke Mecedes Benz an. Doch was veranlasst jemanden, der Architektur studiert hat, sich hinter das Lenkrad eines historischen Busses zu setzen? "Alles kam aus dem Hobby heraus", klärt der 53-Jährige auf. Zunächst sammelt er englische Motorräder, über die Autos landet er bei den Nutzfahrzeugen."Einen Porsche oder Jaguar wirft doch niemand weg", meint Zimmermann. Bei den Nutzfahrzeugen sei dies völlig anders. "Die gehen in den Hochofen oder werden nach Afrika verschifft", berichtet er. Seinen Traum, sich einen Reisebus der Marke Mercedes anzuschaffen, gestaltete sich so anfangs schwierig. Beim Durchblättern einer Oldtimer-Zeitschrift wurde er auf ein Inserat aufmerksam. "Mercedes-Benz O312H zu verkaufen", was ihm keine Ruhe mehr ließ. Zimmermann besichtigte das Gefährt im Ruhrgebiet und war enttäuscht. "Mit einem Reisebus hat das nichts mehr zu tun gehabt. Ich habe mich dann entschieden, den Bus zu kaufen, obwohl er schrottreif war", sagt Zimmermann und geht auf die Legende des Fahrzeugs ein. Der Bus, Baujahr 1961, war zunächst für die Bundeswehr als Omnibus zugelassen, dann bei der Bahn als Bautruppwagen eingesetzt und diente später als Wohnmobil und fahrbarer Flohmarktstand. "Innendrin war alles braun vom Rost, die Innenausstattung hat komplett gefehlt", schildert Zimmermann für ihn prägende Eindrücke.

Innerhalb von drei Jahren zerlegte er den Bus und baute ihn wieder auf. "Jedes Teil habe ich notiert und dokumentiert", so Zimmermann. Schwierig gestaltet sich seine Suche nach Ersatzteilen. "Als Einzelkämpfer geht gar nichts", deshalb vernetzte er sich mit Oldtimer-Liebhabern in ganz Deutschland. Aus einer Firma in Lübeck, die Fischereinetze herstellt bezieht er die Gepäcknetze, die Sattlerarbeiten werden in Mönchengladbach gemacht. Während er das mit hohen Kosten verbundene ehemalige Behördenfahrzeug zum Reisebus ausbaut, hat er eine Vision zur Refinanzierung. Er macht den Busführerschein, damit sein Hobby zum Job und gründet das Unternehmen Zimmermann Kraftomnibusse. "Kraftomnibus ist der amtsdeutche Ausdruck für Omnibus. Ich fand das so himmlisch altbacken und verstaubt", sagt Zimmermann.

Mit nostalgischem Flair bietet er nun seit fünf Jahren historische Fahrten in einem cremerot lackierten Bus aus der Zeit der Wirtschaftswunderjahre an. "In dieser Farbkombination sind die Busse seinerzeit ausgeliefert worden", so Zimmermann. Bauartbedingt ist das 38-sitzige Fahrzeug ohne Gurte ausgestattet, an der kultigen Keramikvase kommt kein Fahrgast ohne Bemerkung vorbei. "Bilder aus alten Reisebussen haben mir als Vorlage gedient", sagt der Chauffeur. Der berühmte Chorleiter Gotthilf Fischer hat Zimmermann zwar noch nicht für eine Tour als "Straße-der-Lieder-Bus" engagiert, doch weckt er stets Erinnerungen bei den Fahrgästen. "Kraft-

omnibus ist der amtsdeutsche Ausdruck für Omnibus. Ich fand das so himmlisch altbacken und verstaubt."

Uwe Zimmermann