1. Saarland

Alles begann mit einem Walzer

Alles begann mit einem Walzer

Selbach. Mit dem Walzertanzen fing 1958 alles an. Edwin Klemm war damals ein junger Spund und wurde gefragt, ob er mit einem Mädchen bei dem Stück "Die Lindenwirtin", das der Selbacher Theaterverein aufführen wollte, zusammen mit anderen Paaren Walzer tanzen wollte. "Ohne lange zu überlegen sagte ich damals zu", erinnerte sich der Selbacher

Selbach. Mit dem Walzertanzen fing 1958 alles an. Edwin Klemm war damals ein junger Spund und wurde gefragt, ob er mit einem Mädchen bei dem Stück "Die Lindenwirtin", das der Selbacher Theaterverein aufführen wollte, zusammen mit anderen Paaren Walzer tanzen wollte. "Ohne lange zu überlegen sagte ich damals zu", erinnerte sich der Selbacher. "Einmal auf der Bühne gestanden zu haben machte mir damals so viel Spaß, dass ich mich bei der Theatergruppe des Kulturvereins spontan anmeldete." Schon ein Jahr später bekam Edwin Klemm die Rolle des Bürgermeisters in dem Stück "Der Dorflump" zugeteilt. Damit war für ihn die Entscheidung endgültig gefallen, "auf den Brettern, die die Welt bedeuten", für längere Zeit zu bleiben. Nachdem er in dem Stück "Der Schinderhannes" einige Zeit später in einer Nebenrolle einen Räuber gespielt hatte, kam der Regisseur immer mehr zu der Erkenntnis: In Edwin Klemm steckt noch viel mehr schauspielerisches Talent, als er bisher gezeigt hat. Er sollte Recht behalten, denn in den folgenden Jahrzehnten wurde ihm fast immer eine Hauptrolle anvertraut.Jedes Jahr standen eine oder zwei Aufführungen auf dem Programm. Der Theaterverein Nahequelle verließ dabei auch oft die Grenzen des Dorfes und spielte unter anderem in Bosen, Eiweiler, Gonnesweiler, Bliesen und Kastel. Ernste Stücke wie "Das Wunder von Fatima", "Heimweh nach Deutschland", "Die Mutter ruft" und "Der arme Musikant" waren seinerzeit sehr beliebt. In den 70er-Jahren jedoch ließ das Interesse daran nach. Edwin Klemm erinnert sich: "Als wir einmal das Stück ,Der wahre Jakob' gespielt haben, war der Bann gebrochen. Die Leute wollten künftig mehr Fröhliches erleben. Die Zeit der Komödien war angebrochen. Mir als Theaterspieler lagen diese Rollen ohnehin besser."

1970 übernahm Edwin Klemm das Amt des Vereinsvorsitzenden und bekleidete es bis 2001. Seit 15 Jahren ist er nun schon Regisseur und gleichzeitig Bühnenbauer. Das bedeutet, dass er einen vielseitigen Aufgabenbereich hat. So muss er zum Beispiel jedes Jahr etwa 20 Rollenbücher lesen, die er von Verlagen bezieht. "Dabei muss ich mich immer fragen: Passt das Stück für uns? Haben wir die Leute dafür? Wer könnte welche Rolle spielen? Findet das Stück beim Publikum Anklang?" Ist die Entscheidung für einen Titel gefallen, werden die Rollenbücher bestellt und die Rollen verteilt. "Dabei muss ich mir auch immer Gedanken machen, welche Alternativen es gibt und wer womöglich Doppelrollen übernehmen kann", erzählte der 71-Jährige. Drei bis vier Monate Probezeit sind für jedes neue Stück notwendig.

Mehr als 150 Mal hat Edwin Klemm seit 1958 auf der Bühne gestanden. Mit hintergründigem Lächeln berichtet er von so manchem kuriosen Ereignis auf der Bühne. Zum Beispiel davon, als in einer Szene ein Tisch zusammenkrachte, auf den sich ein Akteur legen wollte, oder von dem Spieler, dem plötzlich die Hose von oben bis unten aufplatzte. "Das Publikum hat das immer mit großer Heiterkeit quittiert", erinnert er sich. "In den 70er- Jahren ist die Zeit der Komödien angebrochen."

Edwin Klemm