1. Saarland

Akrobatik aus dem Reich der Mitte

Akrobatik aus dem Reich der Mitte

St. Wendel. Die Gesetze der Schwerkraft scheinen für diese Artisten nicht zu gelten. Sie stehen minutenlang im Handstand, fliegen scheinbar mühelos durch die Luft, machen Überschläge und Salti, sie bauen Pyramiden aus Menschen und jonglieren dabei noch.Das akrobatische Können der knapp zwei Dutzend Artisten des chinesischen Circus Hebei am vergangenen Freitag im St

St. Wendel. Die Gesetze der Schwerkraft scheinen für diese Artisten nicht zu gelten. Sie stehen minutenlang im Handstand, fliegen scheinbar mühelos durch die Luft, machen Überschläge und Salti, sie bauen Pyramiden aus Menschen und jonglieren dabei noch.Das akrobatische Können der knapp zwei Dutzend Artisten des chinesischen Circus Hebei am vergangenen Freitag im St. Wendeler Saalbau ist beeindruckend. Knochen, Bänder und Sehnen, eigentlich natürliche Barrieren des Menschen bei bestimmten Bewegungen, scheinen hier immer wieder eigenen Gesetzen zu folgen. Zum Beispiel, als zwei Artistinnen durch enge Röhren schlüpfen. Im Spagat. Kopf und ein Bein nach vorne. Ganz elegant. Als wäre es das normalste der Welt. Kein Wunder, dass es bei dieser Vorstellung immer wieder spontanen Applaus gibt.Aber auch bei den anderen Aufführungen des knapp zweistündigen Programmes. Der chinesische Circus Hebei ist anders als der bei uns gewohnte Circus. Da gibt es keinen Ansager, keine Clowns und Tiere. Hebei lebt von dem turnerischen und akrobatischen Können seiner jungen Artisten. Die einzelnen Aufführungen sind mit passender Musik untermalt, mal zeigen ein Dutzend Artisten gleichzeitig ihr Können, mal sind es nur einer, zwei oder drei. Alle Auftritte aber haben eines gemeinsam, sie fesseln die Zuhörer. Wenn man es nicht mit den eigenen Augen sehen würde, würde man nicht glauben, dass Menschen so biegsam, so elastisch sein können. Körperbeherrschung, die fasziniert. Und wohl hartes und unermüdliches Training von klein auf fordert.Besonders eindrucksvoll ist der Tanz der Regenschirme. Die Artistinnen balancieren synchron die Papierschirme auf Händen und Füßen, bauen schließlich sogar eine Pyramide aus Menschen und Schirmen. Oder die Tellerparade. Dass eine Chinesin Handstand auf den Händen ihres stehenden Partners macht und dabei einen kleinen Topf auf ihrem Fuß balanciert, mag für manchen schon schwer genug sein. Die anschließenden gemeinsamen Drehungen, Wendungen, Brücken des "Untermannes", während er die Partnerin samt Topf auf Händen trägt, lassen nur staunen. Toll auch die Meteor-Aufführung mit an den Enden beschwerten Seilen, die durch die Luft wirbeln. Geradezu atemberaubend der Teufelssprung durch unterschiedlich große Reifen. Einfach schön anzusehen der Tanz der Löwen, bei dem immer zwei Artisten in einem Löwenkostüm stecken. Und lustig die Strohhut-Performance, bei der eine ganze Reihe von Artisten mit je drei Hüten jonglieren. Und beim Jonglieren mit einem Topf in Oberkörpergröße stockt manchem der Atem, wenn dieser mit dem Nacken oder Kopf aufgefangen wird.Der chinesische Circus Hebei hat laut Programmheft eine mehr als 2000 Jahre alte Tradition. Die nach dieser langen Zeit nichts von ihrem Reiz verloren hat. Die Zuschauer in St. Wendel wissen das, sie lassen die Akteure erst nach langem Applaus von der Bühne.