Ärztepaar entdeckt Volksverhetzung auf Lottozetteln in Völklingen

Volksverhetzung auf Lottozetteln in Völklingen : Staatsschutz ermittelt wegen Rassismus in Völklingen

Unbekannter verteilt auf Lotto- und Totoscheinen volksverhetzende Botschaften gegen Türken. Arztehepaar erstattet Anzeige.

In Völklingen spielen Rassisten offenbar Lotto und Toto. Seit mehr als einem Jahr findet das Ärzteehepaar Anja und Markus Krings morgens auf dem Weg vom Parkhaus zu seiner internistischen  Praxis in der Völklinger Poststraße auf den Gehwegen regelmäßig zur Hälfte durchgerissene Lottoscheine, auf denen handschriftlich mit Kugelschreiber Hass gegen türkischstämmige Bürger ausgedrückt wird. Auf diesen Lottozetteln ist zu lesen „Kümmeltürke“, „Türkengesocks“ oder „Kanaken“. „Das geschieht im Zentrum von Völklingen, es gehen viele Menschen an den Zetteln vorbei. Das nehmen schon einige zur Kenntnis“, sagte Dr. Markus Krings der SZ. Er und seine Frau hatten deshalb 2018 Anzeige erstattet. Doch der Saarbrücker Staatsanwalt Dennis Zahedi teilte Markus Krings am 12. Juli 2018 mit, dass er das Verfahren eingestellt habe, da die Täter unbekannt seien.

„Das ist kein Kinderstreich, das hat Methode“, betonte dagegen Markus Krings. Der Polizist, bei dem er die Anzeige erstattet habe, habe nicht den engagiertesten Eindruck gemacht. Dabei habe er in seiner Praxis auch türkische Patienten, es gebe in der Poststraße und Umgebung auch einige türkische Lebensmittelläden und Schnellrestaurants. Er habe schon Verständnis für die Polizei, die unterbesetzt sei. Aber dennoch könnten doch die mutmaßlich rechtsextremistischen Täter nicht ungeschoren davonkommen. Dies sei ein weiterer Puzzlestein beim schleichenden Umschwung der Gesellschaft nach rechts, befürchtet Krings. Er habe sich schon überlegt, sich selbst in den Morgenstunden auf die Lauer zu legen, um dem Täter auf die Spur zu kommen, dann aber davon abgesehen.

Am Dienstag fand Dr. Anja Krings erneut Lottozettel mit den Hassbotschaften gegen Türken auf dem Weg zur Praxis. Staatsanwalt Zahedi erklärte der SZ, dass das Verfahren, das gegen unbekannt geführt wurde, im Juli 2018 eingestellt wurde, „da in Ermangelung erfolgversprechender Ermittlungsansätze kein Täter ermittelt werden konnte“. Doch nach dem Auftauchen weiterer Lottoscheine mit volksverhetzendem Inhalt habe er am Dienstag die Wiederaufnahme der Ermittlungen zwecks Prüfung neuer Ermittlungsansätze durch die Staatsschutzabteilung des Polizeipräsidiums veranlasst, erklärte Zahedi. Es kann also sein, dass in Kürze Polizisten in der Poststraße auf der Lauer liegen, um den Rassisten auf frischer Tat zu ertappen.

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