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Krankenhäuser
Ärzte in Saar-Kliniken klagen über zunehmende Ökonomisierung

Operationen – wie hier an einem Knie – sind kostspielig. Das Geld aber, das bei der Medizin im Spiel ist, ruft auch Berater, Software-Firmen, Prüfer des Medizinischen Dienstes, Aktionäre und Juristen auf den Plan.
Operationen – wie hier an einem Knie – sind kostspielig. Das Geld aber, das bei der Medizin im Spiel ist, ruft auch Berater, Software-Firmen, Prüfer des Medizinischen Dienstes, Aktionäre und Juristen auf den Plan. FOTO: dpa / Sven Hoppe
Saarbrücken . Immer mehr gehe es ums Geld – und nicht um die bestmögliche Behandlung der Patienten, kritisiert Markus Hardt, Landeschef der Ärzte-Gewerkschaft Marburger Bund. Gerade auf Klinikärzten laste großer Druck. Von Daniel Kirch
Daniel Kirch

Chefkorrespondent Landespolitik

Wirtschaftliche Interessen bestimmen nach Ansicht der saarländischen Klinikärzte immer stärker den Alltag im deutschen Gesundheitssystem. „Ökonomie kann nicht der Maßstab für die Behandlung von Patienten sein“, sagte der Landesvorsitzende der Ärzte-Gewerkschaft Marburger Bund, Markus Hardt, bei der Mitgliederversammlung in Saarbrücken. Der ökonomische Druck laste auf den Ärztinnen und Ärzten, die mit knappen zeitlichen und personellen Ressourcen zu kämpfen hätten.


Hardt warnte vor dem stetig wachsenden Einfluss von Kapitalinteressen: „Es findet ein Wettbewerb um die Verteilung des Geldes statt, nicht um die gute Behandlung der Patienten.“ Ärzte und Pflegende müssten wieder mehr ihrer Kernarbeit, der Behandlung von Patienten, nachgehen können. „Es fehlt an Zeit für die Patienten. Diese fehlende individuelle Zuwendung spüren die Patienten immer mehr. Die Ökonomie droht die Medizin zu vereinnahmen.“

Die Dürener Ärztin und Controllerin Eleonore Zergiebel warnte bei der Mitgliederversammlung, das Gesundheitswesen steuere auf eine Katastrophe zu: Es sei geschaffen worden, um für Patienten da zu sein – aber seit Jahren herrsche eine Überregulierung in den Kliniken, die Ärzte, Pflegekräfte und Funktionspersonal davon abhalte, für die Patienten da zu sein, und zudem sehr viel Geld koste.



Seit Einführung des Fallpauschalen-Systems in den Krankenhäusern sei eine „Satellitenwirtschaft“ entstanden, in die erhebliche Gelder flössen, die dann in der Patientenversorgung fehlten. Immer mehr Institute und Gremien bestimmten die Leitlinien. Aber auch Berater, Software-Firmen, Prüfer des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK), Aktionäre und Juristen griffen immer stärker in das ärztliche Handeln ein. Das Abrechnungssystem der Fallpauschale koste nicht nur immense Beitragsgelder, sondern erhöhe auch den Mangel an Ärzten und Pflegekräften. Rund 10 000 Kodierer und Prüfer arbeiteten in Kliniken. Viele Tausend weitere Ärzte und Pflegekräfte seien beim MDK oder bei den Krankenkassen beschäftigt. Diese fehlten in der täglichen Versorgung der Patienten.