1. Saarland

Ära der Solidarität geht zu Ende

Ära der Solidarität geht zu Ende

St. Wendel. Eine Ära der Hilfsbereitschaft ist zu Ende gegangen. Rund 33 Jahre nach ihrer Gründung hat sich die St. Wendeler Indienhilfe aufgelöst. Der Verein hatte nur wenige Mitglieder. Aus Alters- und Gesundheitsgründen konnte im Herbst kein Vorstand mehr gewählt werden. Schweren Herzens beschloss die Mitgliederversammlung, die Indienhilfe aufzulösen

 So wird in Vadipatti das Mittagessen für die Schulkinder bereitet.
So wird in Vadipatti das Mittagessen für die Schulkinder bereitet.

St. Wendel. Eine Ära der Hilfsbereitschaft ist zu Ende gegangen. Rund 33 Jahre nach ihrer Gründung hat sich die St. Wendeler Indienhilfe aufgelöst. Der Verein hatte nur wenige Mitglieder. Aus Alters- und Gesundheitsgründen konnte im Herbst kein Vorstand mehr gewählt werden. Schweren Herzens beschloss die Mitgliederversammlung, die Indienhilfe aufzulösen. "Wir sind froh darüber, dass wir so viele Jahre helfen konnten", sagte Toni Leismann, der den Verein von Anfang an bis zum letzten Tag seiner Existenz führte. "Wir haben die Indienhilfe nicht leichtfertig aufgelöst. Aber unter den wenigen Mitgliedern war niemand mehr, der ein Vorstandsamt bekleiden konnte."Im Jahr 1977 wurde Toni Leismann für Indien erstmals aktiv. Empfänger und Sachverwalter waren zunächst die Steyler Missionare. "Uns war es in all den Jahren immer wichtig, den Spendern die Verwendung der Gelder nachzuweisen", sagte Leismann gegenüber der SZ. Die ersten Spenden ging an Pater Karl Ritz für den Bau von Hütten, Brunnen und Biogasanlagen. Schulen, Krankenhäuser, Kindergärten und Familien in Not wurden unterstützt. In den Genuss vieler Spenden kamen auch die Patres Antony und Xavier. Mit der Hilfe aus St. Wendel wurden eine Leprastation, ein Wohnheim für die Patienten und ein Aids-Hospital gebaut sowie eine Apotheke eingerichtet. Immer dachte die Indienhilfe auch an die Not, in die die Bevölkerung durch Naturkatastrophen geriet, und unterstützte sie. Zu den zahlreichen Spenden der Bevölkerung kamen auch die Einnahmen, die Leismann bei Zirkusveranstaltungen, Diavorträgen, Fotoausstellungen und Konzerten erzielte. Auf eigene Kosten unternahm er acht Reisen nach Indien, um sich vor Ort ein Bild über die Baumaßnahmen zu machen, die Kontakte zu den Geistlichen zu pflegen und mit den Ärmsten der Armen sprechen zu können. Zweimal traf er dort auch Mutter Teresa, die berühmte Ordensschwester, die in Kalkutta wirkte. Auch für sie hatte er Spenden mitgebracht.Eine große finanzielle Hilfe für die vielen Projekte bekam der Verein durch den St. Wendeler Lions-Club, der auf den Ostermärkten "Bücher für Indien" verkaufte. Annette Bastian aus Schwarzenbach gründete vor Jahren den Marcel-Adam-Club, für Fans des Liedermachers. Die Hälfte der Mitgliedsbeiträge führte der Club seit 1997 an die Indienhilfe ab. Verschiedene Vereine engagierten sich für diesen Verein, außerdem Schulen in Freisen, Alsweiler, Niederkirchen und St. Wendel. Rund 500 000 Euro hat die Indienhilfe in all den Jahren nach Indien gegeben - und nie gab es dabei große Verwaltungskosten. Und ein weiteres Anliegen war der Indienhilfe stets wichtig: bei den Armen und Bedürftigen das Bewusstsein zu wecken, dass sie nicht vergessen sind und dass sich Menschen im fernen Deutschland, denen es gut geht, sich mit ihnen solidarisieren. gtr