1. Saarland

Abschiedsschmerz und neue Ziele

Abschiedsschmerz und neue Ziele

Saarbrücken. Das Seniorinnen-Theater "Die Herbst-Zeitlosen", über 17 Jahre lang eine Institution im Saarland, auch erfolgreich in Berlin, Nantes und anderswo, hört auf - man wird halt älter. Am Samstag gab's im Schlosskeller, wo alles begonnen hat, die letzte Vorstellung. Wir haben die Frauen vor ihrem letzten Auftritt hinter den Kulissen besucht

 Die Pianisten Norman Kunz, Sergiusz Antochewicz und Thomas Laeyset (von links) stießen auf die gelungene Vorstellung an.
Die Pianisten Norman Kunz, Sergiusz Antochewicz und Thomas Laeyset (von links) stießen auf die gelungene Vorstellung an.
 Inge Veit, umarmt vom Schlossherrn Peter Gillo.
Inge Veit, umarmt vom Schlossherrn Peter Gillo.

Saarbrücken. Das Seniorinnen-Theater "Die Herbst-Zeitlosen", über 17 Jahre lang eine Institution im Saarland, auch erfolgreich in Berlin, Nantes und anderswo, hört auf - man wird halt älter. Am Samstag gab's im Schlosskeller, wo alles begonnen hat, die letzte Vorstellung. Wir haben die Frauen vor ihrem letzten Auftritt hinter den Kulissen besucht. In zwei Stunden beginnt die Abschiedsvorstellung. Hinter der Bühne wuselt es. Für den ersten Auftritt müssen schwarze Kleider angezogen werden. "Wir sehen aus, als seien wir in Trauer", ulkt eine der "Herbst-Zeitlosen". "Sind wir ja auch", geben die anderen ihre Gefühle preis. Das Schminken - "die macht uns die Falten weg" - besorgt Jutta Sroka. Die Akteurinnen Wicky Funk, Gitta Morawietz, Margarete und Ruth Schmitt, Magdalena Schmidt, Christa Stark und Christiane Klein - früher waren es mal doppelt so viele - sind lampenfiebrig: ausverkauftes Haus, viel Prominenz, auch Oberbürgermeisterin und Regionalverbandspräsident - und dann das Bewusstsein: "Dies ist unser letzter Auftritt!" "Jetzt müssen wir aber auch nicht mehr jede Woche nach Saarbrücken zur Probe fahren", tröstet eine die Kolleginnen. "Und nicht mehr die vielen Texte lernen." Inge Veit, die Chefin, setzt noch eins drauf: "Und nicht mehr mit mir streiten." Sie hat's den Frauen nicht bequem gemacht, hat sie gezwiebelt und gefordert und so erreicht, dass aus den blutigen Laien - sie selbst ist gelernte Schauspielerin - eine ernst genommene Gruppe geworden ist. Jetzt sitzt aber auch Inge Veit da und bibbert: "Ob die das gut hinkriegen heute Abend?" Um es vorwegzunehmen: Sie waren toll. Mit Teilen aus ihren früheren Programmen, mit viel Brecht und Tucholsky und all den anderen. Auch mit eigenen Texten. Tosender Beifall dann am Ende der Vorstellung. Darin eintauchen durften auch die "Ehemaligen", denen das zunehmende Alter inzwischen das Mitspielen verwehrt, und natürlich die drei Pianisten Norman Kunz, Sergiusz Antochewicz und Thomas Laeyset. Es hat Lob und Blumen für alle geregnet. Was planen sie nun, die Frauen, die alle über 60, teils schon an die 80 sind? Einige haben sich bereits neue Aufgaben gesucht, wirken zum Beispiel mit beim "Senioren-Rock-Chor". Andere wollen im Schmelzer Raum eine kleine Gruppe gründen und ehrenamtlich in ihrer Region auftreten. Und Inge Veit, die das Seniorinnen-Theater - das weit und breit einmalig war - aus der Volkshochschul-Akademie für Ältere heraus gegründet hat? "Ich will jetzt erst mal durchatmen", sagt sie, froh, dass alles geklappt hat. Nein, sonst habe sie nichts mehr vor. Wer's glaubt, wird selig.