1. Saarland

Abschied von St. JohannesWas frühere Seelsorger zum Abriss sagen

Abschied von St. JohannesWas frühere Seelsorger zum Abriss sagen

Wellesweiler. Die Entwidmung der ehemaligen Pfarrkirche St. Johannes in Neunkirchen-Wellesweiler ist die vierte Entweihung im saarländischen Teil der Diözese Trier innerhalb der letzten fünf Jahre. In der gesamten Diözese waren es (mit St. Johannes) sechs Kirchen, die entwidmet wurden

Wellesweiler. Die Entwidmung der ehemaligen Pfarrkirche St. Johannes in Neunkirchen-Wellesweiler ist die vierte Entweihung im saarländischen Teil der Diözese Trier innerhalb der letzten fünf Jahre. In der gesamten Diözese waren es (mit St. Johannes) sechs Kirchen, die entwidmet wurden. Im Kreis Neunkirchen wurde die letzte Profanierung einer Kirche 1995 mit der Kirche Maria Königin in Wemmetsweiler vorgenommen. Was aber ereignet sich am Sonntag in St. Johannes in Wellesweiler? Katholisch-volkstümlich formuliert wird nach dem Gottesdienst der Herrgott aus seiner Wohnung der St.-Johannes-Kirche in eine "Notunterkunft", das Vereinshaus, gebracht. Dort finden für die Wellesweiler Katholiken die Gottesdienste bis zum Neubau des Gemeindezentrums statt. Wenn Abriss- und Aufbauarbeiten im Zeitplan verlaufen, wird im November 2010 der Herrgott wieder in den Kirchenraum des neuen Gemeindezentrums zurückgebracht.Was sich nach dem letzten Gottesdienst in St. Johannes optisch für die Gläubigen ereignet, erklärt Dechant Jochen Gabriel: "Da ist zunächst ein normaler Gottesdienst, an dessen Ende das Dekret über die Profanierung der Kirche St. Johannes in Neunkirchen Wellesweiler von mir verlesen wird. Danach wird das Allerheiligste aus dem Tabernakel geholt. Nach einer Inzenz (Beräucherung mit Weihrauch) bringen die anwesenden Priester und Ministranten das Allerheiligste, das Ewige Licht, die Altarreliquien und die Johannes-Statue in einen als Sakristei hergerichteten Raum im Vereinshaus. Im Vereinshaus werden während der Bauzeit des neuen Pfarrzentrums die Gottesdienste stattfinden."Die Entweihung einer katholischen Kirche muss durch den zuständigen Bischof beschlossen und bestätigt werden. Dies erfolgt durch ein Dekret über die Profanierung der Kirche. Das Dekret wird am Ende der Eucharistiefeier verlesen. Das von Diözesanadministrator Robert Brahm am 12. Dezember 2008 in Trier unterzeichnete Schriftstück lautet: "Nachdem der Verwaltungsrat der Kirchengemeinde St. Josef - St. Johannes Neunkirchen im Dekanat Neunkirchen die Aufgabe und den Abriss der Kirche St. Johannes in Neunkirchen-Wellesweiler beschlossen hat und nachdem das Konsultatorenkollegium in Wahrnehmung der Aufgabe des Priesterrates (. . .) angehört wurde, erkläre ich das Kirchengebäude (. . .) für profan. Ebenso erkläre ich den Altar (. . .) für profan. Damit verlieren Kirche und der Altar (. . .) ihre Segnung bzw. Weihe und können einer anderen, aber nicht unwürdigen Bestimmung zugeführt oder gänzlich niedergelegt werden."Den Gottesdienst werden neben Dechant Gabriel Pastor a. D. Franz Mockenhaupt, Pastor Nikolaus Niederländer und Pastor Herbert Günter mitfeiern. Chöre unter Leitung von Kirchenmusiker Michael Bottenhorn werden die Messe feierlich gestalten.Pastor i. R. Franz Mockenhaupt (Heinitz) war von 1962 bis 1976 Pastor in St. Johannes war. "Ich kann den Abriss verkraften, aber ich denke an all die Mitarbeiter, die beim Aufbau ihr Herzblut und ihre Spenden gelassen haben, als unter Pastor Bernhard die Kirche gebaut wurde", sagt Mockenhaupt. Er selbst war der "Polier" bei den Umbauarbeiten der alten Notkirche zum Vereinshaus. "Damals wurden wunderbare Beziehungen geknüpft, da haben wir Kirche erlebt", erinnert sich Pastor Mockenhaupt.Dechant Nikolaus Niederländer war nach Mockenhaupt 16 Jahre Pfarrer und Dechant in Wellesweiler. Heute verwaltet er die Pfarreien-Gemeinschaft Schafbrücke-Bischmisheim-Scheidt-Rentrisch. Er gesteht: "Es tut schon ein bisschen weh," und erinnert sich an all die Erneuerungsarbeiten, die zu seiner Zeit gelaufen sind, Umgestaltung des Altarraumes, das neue Kreuz über dem Altar angeschafft, Reliefs aus Notkirche in Marienkapelle gesichert, ein neues Dach installiert, an der Wetterseite eine 2. Fassade über die erste angebracht. "Wir haben viel in die Kirche investiert - und jetzt wird sie abgerissen", sagt er mit Trauer in der Stimme. gm

StichwortDie Profanierung oder Entweihung ist im kanonischen Recht der römisch-Katholischen Kirche der Vorgang, der die kirchliche Nutzung eines Kirchengebäudes beendet, etwa wegen Abriss oder einer anderen Nutzung. Sie ist das Gegenstück zur Kirchweihe.Der Ausdruck Profanierung oder Profanation leitet sich ab von alteinisch profanum und ist laut dem Internet-Lexikon Wikipedia seit dem 17. Jahrhundert ursprünglich im Sinne von "sich vor dem Heiligtum befindend", auch "gemein", "weltlich" gebräuchlich. Das lateinische Wort profanum setzt sich zusammen aus fanum = heiliger Ort und pro = vor.