1. Saarland

Abschied vom Gemeindezentrum

Abschied vom Gemeindezentrum

Großrosseln. Die Protestanten in Großrosseln sind traurig. Am Sonntag verabschiedete sich die evangelischen Kirchengemeinde Völklingen-Warndt von ihrem Gemeindezentrum in der Warndtstraße. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst zur Entwidmung vom evangelischen Posaunenchor Ludweiler. "Wehmut gehört zu einem Abschied", sagte Pfarrerin Daniela Loster

Großrosseln. Die Protestanten in Großrosseln sind traurig. Am Sonntag verabschiedete sich die evangelischen Kirchengemeinde Völklingen-Warndt von ihrem Gemeindezentrum in der Warndtstraße. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst zur Entwidmung vom evangelischen Posaunenchor Ludweiler. "Wehmut gehört zu einem Abschied", sagte Pfarrerin Daniela Loster. Nach dem Auszug mit den liturgischen Gegenständen blieben die etwa 60 Besucher noch eine Weile still sitzen.Zuvor hatten die Protestanten zurückgeblickt: Seit 1975 diente das Haus der evangelischen Kirchengemeinde Karlsbrunn nicht nur als Gottesdienststätte, sondern auch für Treffen - vom Besuchsdienst bis zur Friedensgruppe. Auch die Bürgerinitiative gegen die Müllverbrennungsanlage Velsen tagte in der Warndtstraße.

Bis zum Jahr 2004 lebte Pfarrer Werner Schumann in dem Gebäude. Der ehemalige Hausherr, der jetzt in Wittlich wohnt, war am Sonntag auch gekommen, um Lebewohl zu sagen. Er zeigte sich zuversichtlich, dass sich diejenigen, die das Gemeindeleben bisher getragen haben, auch weiterhin engagieren.

Helga Faßbinder wirkte 32 Jahre als Küsterin und Hausmeisterin im Gemeindezentrum. "Es war für mich wie mein Zuhause", betonte die Protestantin. Sie ist traurig, dass es keine Möglichkeit gab, das Haus zu behalten.

"Es war ein Haus der Begegnung, in dem man sich wohlfühlen konnte", sagte Gertrud Herth. Ein passender Ersatz, fürchtet die Küsterin von Karlsbrunn, sei nur sehr schwer zu finden.

Die Aktivitäten, erklärte Baukirchmeister Ludwig Speicher, hatten in den letzten Jahren nachgelassen. Ausschlaggebend für die Schließung seien aber finanzielle Gründe gewesen. Die meisten Protestanten, so der Eindruck von Pfarrerin Inge Wiehle, haben "Einsicht in die Notwendigkeit" gezeigt.

Von einem Gemeindehaus fällt der Abschied vielleicht doch nicht ganz so schwer wie von einer Kirche. Auf jeden Fall fällt es leichter, einen Nachnutzer zu finden. Das Gebäude wird nicht leer stehen. Die beiden Privatwohnungen sind bereits vermietet. Andere Räume will die Zivilgemeinde nutzen, ab 1. Juni wird sie Mieter. Bürgermeister Jörg Dreistadt erklärte, dass die Nachmittagsbetreuung der Schüler einziehen wird.

Der Second-Hand-Shop "De Lade" bleibt auch zukünftig in den Kellerräumen. Andere Angebote werden verlagert. Für die Gottesdienste müssen die Protestanten in die Predigtstätten nach Naßweiler und Karlsbrunn ausweichen. Der evangelische Kindertreff hat ganz in der Nähe einen Kooperationspartner gefunden: Die Jungs und Mädchen gehen nun zum ökumenischen Kindertreff ins katholische Pfarrheim.