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"Abgrenzen von einer gewöhnlichen Kneipe"Das Bergmannsheim: Fest verbunden mit der Ortsgeschichte

"Abgrenzen von einer gewöhnlichen Kneipe"Das Bergmannsheim: Fest verbunden mit der Ortsgeschichte

Ensdorf. Es war die königliche Berginspektion Ensdorf, die 1900 den Bau eines Bergmannsheims angeregt hatte. Da das Geld dazu fehlte, entschied man sich, den an dieser Stelle stehenden Pferdestall der Grube umzubauen. Das Bergmannsheim hat also eine lange Tradition in Ensdorf

Ensdorf. Es war die königliche Berginspektion Ensdorf, die 1900 den Bau eines Bergmannsheims angeregt hatte. Da das Geld dazu fehlte, entschied man sich, den an dieser Stelle stehenden Pferdestall der Grube umzubauen. Das Bergmannsheim hat also eine lange Tradition in Ensdorf. Eigentümer ist heute die Gemeinde, und seit 2006 hat das Bergmannsheim mit Marcel Bühler einen einheimischen Pächter. Neben der Gastronomie Café Stormwind versucht der 48-Jährige den Festsaal kulturell zu beleben. Als erstes brachte er Farbe in den tristen Saal, und dazu engagierte er die Künstlergruppe Ouvert aus Saarbrücken, die bereits in der Gaststätte ihre Spuren hinterlassen hat.Der Gastronom hatte sich mit dem Café Fahrtwind in Schwalbach bereits vor Jahren einen Treffpunkt geschaffen, der Biker und Nicht-Biker gleichermaßen zusammenbrachte, nicht zuletzt durch regelmäßige kulturelle Veranstaltungen. Das Konzept nahm Bühler mit nach Ensdorf, das Bergmannsheim bot ihm viele Möglichkeiten. Zunächst investierte er in die Renovierung der Gaststätte, und da schon zeigte er seine künstlerische Detailverliebtheit. "Ich wollte mich abgrenzen von einer gewöhnlichen Kneipe", sagt Bühler, er sei kunstverliebt. Und nachdem der Gastronomie-Bereich fertig war, nahm er sich den Festsaal vor. Über 20 Bilder der Saarbrücker Künstlergruppe hängen dort, Bühler hat sie in Auftrag gegeben. Nach und nach ist er nun dabei, den Eingangsbereich des Bergmannsheims zu verschönern, der Außenbereich des Festsaals ist sein jüngstes Werk.

Der Gastronom würde gerne mehr kulturelle Veranstaltungen im Festsaal anbieten, aber da sind ihm Grenzen gesetzt. "Es ist weniger geworden, weil die Kosten wie Gema und Gagen den Rahmen sprengen", sagt er. Einige Konzerte oder Veranstaltungen - wie einen Oldie-Abend am 31. März - bietet Bühler an.

Darüber hinaus nutzen Vereine wie die Concordia, eine Zumba-Gruppe und der Kneipp-Verein sowie die Gemeinde selbst den Saal. Ansonsten vermietet Bühler den Saal für Familienfeste, Jubiläen, Betriebsfeiern oder aber auch für Tagungen. Der Saal bietet Platz für etwa 150 Gäste. "Mein Ziel ist es, den Saal möglichst langfristig auszulasten", erklärt Marcel Bühler.

150 000 Euro hat der Gastronom bisher in die Neugestaltung des Bergmannsheims investiert. Die Gemeinde lässt derzeit die Küche ausbauen, für Bühler eine wichtige Einnahmequelle. Neben Mittagstisch und Abendkarte bedient Bühler auch den Kinderhort der Gemeinde Ensdorf. Seit anderthalb Jahren bereitet er täglich für etwa 70 Kinder frisches Essen zu.

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Ensdorf. Die Geschichte des Bergmannsheims nach Recherchen der Gemeindeverwaltung Ensdorf: An der Stelle des heutigen Bergmannsheims befand sich 1840 ein Stall für die Pferde, die Kohlenloren aus dem Grubenstollen zu der Schiffsverladestelle an der Saar zogen. Die Pferde wurden durch Lokomotiven ersetzt, der Pferdestall blieb leer.

Die königliche Berginspektion entschied um 1900, ein Bergmannsheim zu bauen. Da das Geld fehlte, sollte der Pferdestall umgebaut werden. Der Festsaal wurde genutzt für die Feste des Ortes, patriotische Feste wie des Kaisers Geburtstag und sämtliche Veranstaltungen der Grube.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude zerstört, der Wiederaufbau erfolgte in mehreren Etappen. Erst im Jahr 1984 feierte die Gemeinde in einem Festakt die offizielle Eröffnung. Entsprechend der Bergmannstradition in Ensdorf behielt das Gebäude den Namen Bergmannsheim bei. "So war, ist und bleibt das Bergmannsheim fest verbunden mit der Kulturgeschichte des Ortes und seiner Bewohner", heißt es in der Chronik. hth