"Abgefahren" ist abgedreht

"Abgefahren" ist abgedreht

St. Ingbert. Am Sonntagmittag liegt ein Mann in der Oststraße in St. Ingbert in seinem Blut mitten auf der Fahrbahn- die Straße ist schon gesperrt. Was hier wie ein persönliches Drama aussieht, ist eins

St. Ingbert. Am Sonntagmittag liegt ein Mann in der Oststraße in St. Ingbert in seinem Blut mitten auf der Fahrbahn- die Straße ist schon gesperrt. Was hier wie ein persönliches Drama aussieht, ist eins. Wenn auch nur im Film "Abgefahren" von Jörn Michaely, der mit seiner Crew die letzten Einstellungen für den Streifen dreht, den er in ein paar Wochen beim Jugendfilmwettbewerb in Saargemünd zeigen will. Bereits im vergangenen Jahr bekam er dort für "Fernsehmania" mit dem Medienkompetenzpreis die höchstdotierte Auszeichnung. Ansporn und Motivation genug, um ein nächstes Projekt anzuschließen. In seinem neuesten Filmdreh geht es um eine fünfköpfige Familie, deren arroganter Vater (Jan Forster) sich ein neues Auto kauft, dessen Preis eigentlich den finanziellen Rahmen des Familienbudgets sprengt. Das Hauptaugenmerk des Familienoberhaups gilt fortan seiner neuesten Erwerbung und der Sauberkeit und Ordnung in diesem Gefährt. Doch als der Rest der Familie, bestehend aus der verzweifelten Mutter (Monika Wystup), der zickigen Tochter (Melanie Wagner) und dem sensiblen Sohn (Julius Groß), in dem neuen Mercedes mitfährt, wird die Ordnungsliebe des Vaters auf eine gefährliche Probe gestellt. Das beginnt schon mit dem Einsteigen, denn alle müssen ihre Schuhe ausziehen und die Strümpfe der Kinder werden als Schmutzfänger über die Pfoten des Hundes gezogen. Schokoriegel und Nagellack im fahrbaren Untersatz bringen dann das Fass zum Überlaufen. Ein Mann, der sich vor aller Augen von der Brücke stürzt, interessiert ihn dagegen wenig, die Familie aber um so mehr, so dass man auf das Ende des Films gespannt sein kann. In einer Woche wurde der gesamte Film gedreht, bei dem der Vater des 16-Jährigen Jörn, der freiberuflicher Kameramann ist, die Filmaufnahmen unterstützte. Wieder und wieder wirft Fabian Roschy, der einen anderen Autofahrer in einer Parallelhandlung darstellt, seine Tasche und die darin befindlichen Papiere von der Brücke, seinen Hut hinterher. So lange, bis Wind und Sonne passen und die Jungfilmer zufrieden sind. Am Samstag dagegen hat selbst das Regenwetter gestimmt, denn "da haben wir die Szene gedreht, als die Familie barfuß und allein gelassen am Straßenrand stand", erzählt Jörn. In einer späteren Einstellung liegt Fabian im schwarzen Mantel auf der Straße, während Regieassistent Daniel Roschy Ketchup als Filmblut rings um seinen Bruder verteilt. Der "Selbstmörder" lebt noch und beschwert sich über den Ketchupgeruch und darüber, dass das "Blut" auch auf ihm verteilt wird: "Nicht auf den Mantel, der gehört der Mama!" Bis auf diese kleinen Späße geht es durchaus ernst zu beim Dreh. Nach der Idee für seinen Film gefragt zeigt Jörn auf seinen Vater, der sein Auto ebenfalls sehr liebt. "Wenn auch nicht ganz so extrem wie im Film", lacht Jörn Michaely. "Unser Hauptziel ist die Teilnahme am Jugendfilm-wettbewerb in Saargemünd."

Jörn Michaely