1. Saarland

90 Prozent der Huren zugewandert

90 Prozent der Huren zugewandert

Saarbrücken. "Aldona" hieß die erste Frau, die sich an die Saarbrücker Beratungsstelle für Migrantinnen im Verein der Hurenselbsthilfe wandte. Sie war eine junge Osteuropäerin, die Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution wurde. Das war 1997. Bereits 1990 nahm der Selbsthilfeverein seine Arbeit auf, zunächst mit dem Ziel, Huren einen besseren Beruf zu verschaffen

Saarbrücken. "Aldona" hieß die erste Frau, die sich an die Saarbrücker Beratungsstelle für Migrantinnen im Verein der Hurenselbsthilfe wandte. Sie war eine junge Osteuropäerin, die Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution wurde. Das war 1997. Bereits 1990 nahm der Selbsthilfeverein seine Arbeit auf, zunächst mit dem Ziel, Huren einen besseren Beruf zu verschaffen. Den Namen Hurenselbsthilfe legte der Verein nun ab, nennt sich "Aldona e.V.", weil das Angebot inzwischen weit über die Beratung und Betreuung von Prostituierten hinausgeht.157 Frauen suchten im vergangenen Jahr die Beratungsstelle für Prostituierte auf. Acht Frauen, die aussteigen wollen, bekamen Hilfe. Andere kamen, weil sie psychologische Betreuung brauchten, um ihren Alltag zu bewältigen. Es waren aber auch Frauen, die ins Milieu einsteigen wollten, um sich aus ihrer finanziellen Not zu befreien. "Ihnen zeigen wir Alternativen zur Prostitution auf", sagte Beraterin Marita Kirsch am Mittwoch in einem Pressegespräch. Sie ist es auch, die gemeinsam mit Sabrina Müller in die Bordelle oder bordellähnliche Betriebe geht, um Kontakt mit Prostituierten aufzunehmen, Vertrauen aufzubauen und sich als Ansprechpartner zur Verfügung zu stellen. 250 Freudenhäuser gibt es im Saarland, der Selbsthilfeverein schätzt die Zahl der Dirnen auf zwischen 1800 und 2000. Alleine in Saarbrücken gebe es 100 Bordelle, in denen etwa 800 Huren arbeiteten. "Die Zahl der Frauen auf dem Straßenstrich lässt sich nicht fassen", sagte Müller. Den Anteil an Migrantinnen, die im horizontalen Gewerbe arbeiten, schätzt die Selbsthilfe auf bis zu 90 Prozent, meist aus Bulgarien und Rumänien. Viele dieser Frauen ließen ungeschütztem Geschlechtsverkehr zu, "weil die Freier es so verlangen". Und blendeten dabei die Aids-Ansteckungsgefahr aus. Waren es 2001 noch 28 000 Kondome, die über die Beratungsstelle verkauft wurden, sind es 2011 gerade noch 5000 Stück gewesen. Die zum Teil sehr jungen Frauen aus Osteurupa wüssten sehr wenig über die Ansteckungsrisiken, sagt Sozialpädagogin Barbara Filipak.

Die Beratungsstelle für Prostituierte finanziert sich zu 45 Prozent aus Landesmitteln, der Regionalverband und die Landeshauptstadt schießen jeweils 22,5 Prozent zu, der Verein bringt über Spenden, Mitgliedsbeiträge und Bußgeldern einen Eigenanteil von zehn Prozent ein. Die zweite Beratungsstelle unter dem Dach von "Aldona" kümmert sich um Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution sowie um Zuwandererinnen, die Opfer häuslicher Gewalt wurden. Sie hilft Betroffenen von Zwangsheirat und Gewalt "im Namen der Ehre". Diese Beratungsstelle wurde 1997 gegründet. 110 Frauen haben dort im vergangenen Jahr 1212 Beratungsgespräche geführt, 29 Mal begleiteten die Mitarbeiterinnen misshandelte Frauen zur Polizei, vermittelten ihnen zudem einen Rechtsbeistand. 27 Frauen wandten sich an den Verein, weil ihnen eine Zwangsheirat unmittelbar drohte. Diese Beratungsstelle wird zu 95 Prozent aus Landesmitteln und fünf Prozent aus eigenen Mitteln finanziert.

Auf einen Blick

Der Verein "Aldona", früher Hurenselbsthilfe, bietet eine Beratungsstelle für Prostituierte und eine Beratungsstelle für Migrantinnen an, die Opfer von Menschenhandel, Zwangsprostitution oder häuslicher Gewalt sind. Zudem für Zuwandererinnen, denen Zwangsheirat droht und denen Männer Gewalt "im Namen der Ehre" antun. Zu erreichen sind die Beratungsstellen über Tel.: (06 81) 37 36 31, Fax (06 81) 830 86 76. E-Mail: berprost@t-online.de und beratung.migrantinnen@t-online.de. hth