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80 Saar-Adressen auf brauner Liste

80 Saar-Adressen auf brauner Liste

Saarbrücken/Völklingen. Beamte der Staatsschutzabteilung des Landeskriminalamtes (LKA) sind in diesen Tagen viel gefordert

Saarbrücken/Völklingen. Beamte der Staatsschutzabteilung des Landeskriminalamtes (LKA) sind in diesen Tagen viel gefordert. Neben der Arbeit in einer Sonderermittlungsgruppe, die unter Federführung von Generalstaatsanwalt Ralf-Dieter Sahm klären soll, ob eine Serie von elf Brandanschlägen in Völklingen möglicherweise einen ausländerfeindlichen Hintergrund hat, müssen die Ermittler derzeit über 80 Personen und Organisationen darüber informieren, dass ihre Anschriften auf einer großen Adressliste stehen, die bei den Zwickauer Rechtsterroristen gefunden wurde. Bis Donnerstag dieser Woche, so hieß es gestern, sollen alle Betroffenen angesprochen werden.Dieter Appel, LKA-Sprecher, bestätigte gestern auf SZ-Anfrage, dass "über 80" saarländische Adressen von Personen des öffentlichen Lebens und von Institutionen auf dem sichergestellten Datenträger abgespeichert waren. Insgesamt stehen angeblich über 10 000 Adressen aus dem gesamten Bundesgebiet auf der Liste. Appel betonte, für den betroffenen Personenkreis habe es nie eine akute Gefährdung gegeben. Das Adressmaterial sei veraltet. Es stammt aus den Jahren 2005 bis 2007 und wurde wohl aus öffentlich zugänglichen Quellen im Internet und aus Telefonbüchern kopiert.

Nach Informationen der SZ wird, so der derzeitige Stand, keines der Opfer der Völklinger Brandanschläge auf der Liste genannt. Der LKA-Sprecher machte gestern keine Angaben, welche Institutionen auf dem Datenträger auftauchen: "Wir werden als LKA dazu nichts sagen, aus Respekt vor den Personen, die dort Verantwortung tragen und mit denen wir vertrauensvoll zusammenarbeiten." Die Betroffenen hätten kein Interesse an der Veröffentlichung. Fest steht nach SZ-Informationen dass drei Völklinger Moscheen und der Verein "multikultur" in der Datei aufgeführt werden. An eine der Moscheen war eine Kopie eines Bekennervideos der Terrorzelle geschickt worden.

Wie zu erfahren war, werden der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Helmut Rauber (Tholey), die CDU-Landesgeschäftsstelle sowie ein verstorbener CDU-Politiker in der Liste erwähnt. Ein SPD-Sprecher bestätigte, dass die Saar-Parteizentrale und das Wahlkreisbüro der Bundestagsabgeordneten Elke Ferner aufgeführt seien. Zudem soll der Name vonGrünen-Chef Hubert Ulrich auf der Liste stehen.