50 Jahre Kirchenmusik

Kastel. Diesen Sonntagmorgen wird der 80-jährige Vitus Haupenthal so schnell nicht vergessen. Ab 8.30 Uhr bereitete sich der Organist und Leiter des Kirchenchors wie gewohnt auf das Hochamt in der Kasteler Pfarrkirche St. Wilfridus vor. "Du brauchst dich nicht zu beeilen", sagte ihm Ehefrau Hildegard, was ihn jedoch verwunderte

 Ständchen zum Jubiläum: Vitus Haupenthal ist seit 50 Jahren Organist und Leiter des Kirchenchores in seiner Heimatpfarrei. Foto: Frank Faber

Ständchen zum Jubiläum: Vitus Haupenthal ist seit 50 Jahren Organist und Leiter des Kirchenchores in seiner Heimatpfarrei. Foto: Frank Faber

Kastel. Diesen Sonntagmorgen wird der 80-jährige Vitus Haupenthal so schnell nicht vergessen. Ab 8.30 Uhr bereitete sich der Organist und Leiter des Kirchenchors wie gewohnt auf das Hochamt in der Kasteler Pfarrkirche St. Wilfridus vor. "Du brauchst dich nicht zu beeilen", sagte ihm Ehefrau Hildegard, was ihn jedoch verwunderte. Sie deutete nur vage etwas von einer Überraschung an. Zur gleichen Zeit hatte sich der Kirchenchor bereits in der Pfarrkirche eingefunden, und stimmte sich unter der Leitung des Kantors des Dekanates Tholey-Schaumberg, Thomas Martin, auf das Hochamt ein. "Wir haben einmal gemeinsam in Theley geprobt", verriet Helga Lhoste, die Vorsitzende des Kirchenchores. Zum 50. Dienstjubiläum ihres Chorleiters und Organisten hatten die Sängerinnen und Sänger mehrere Lieder für eine Festmesse zu Ehren des Jubilars einstudiert. Gegen alle sonstigen Gewohnheiten führte seine Frau den nichtsahnenden Kirchenmusiker in eine Kirchenbank, als er plötzlich die Stimmen seines Chores von der Empore vernahm. "Ich habe von dem alles nichts gewusst, ich wurde völlig überrascht", zeigte sich Haupenthal sichtlich gerührt. Pastor Hans Leininger würdigte in seiner Laudatio die Verdienste Haupenthals. "Mit seiner Begeisterung für die Musik und das Instrument, hat er das Liedgut gepflegt und unter die Leute gebracht", lobte Leininger. Bei all seinen Tätigkeiten im Laufe der Jahre (siehe Info), so ergänzte Ortsvorsteher Magnus Jung (SPD), habe Vitus Haupenthal die Grundlage für die Musikkultur in Kastel gelegt. "Er hat sich immer im außerordentlichen Maße engagiert, dafür sind wir ihm sehr dankbar", betonte Jung. Nach der Messe nahm der 80-Jährige auf Wunsch der Chormitglieder wieder seinen Stammplatz vor der Kirchenorgel ein, und lauschte einem spontan dargebotenem Jubiläums-Ständchen. "Wir haben viele schöne Proben und gesellige Feiern miteinander erlebt", schilderte die Vorsitzende Lhoste. Der 81-jährige Peter Loth musiziert schon seit 65 Jahren gemeinsam mit Haupenthal, und kennt ihn deshalb genau. "Er ist offen und sehr zutraulich, und immer zu einem Spaß bereit", erzählte Loth. Sichtlich bewegt von den Ereignissen an diesem Morgen gab der Chorleiter sein Erfolgsrezept für seine nun ein halbes Jahrhundert andauernde Tätigkeit preis. "Die Sachen, die ich einprobe, sollen auch klappen, dadurch ist die Harmonie im Chor in Ordnung", so sein Credo. Für seinen Chor hatte der Chef ein Lob parat. "Sie haben eine Messe gesungen, die ich schon lange nicht mehr gehört habe", sagte er begeistert. Im Anschluss würdigte die Pfarrgemeinde seine Verdienste bei einem Empfang mit Umtrunk im Castellum.

Zur Person

Bis zu seinem Eintritt ins Rentenalter war der gebürtige Kasteler Vitus Haupenthal (80) im Hauptberuf Meister bei der Firma Diehl in Mariahütte. Mit 13 Jahren trat er als Sänger dem Kirchenchor in Kastel bei, seit 1962 ist er Organist und Chorleiter des Kirchenchores St. Wilfridus. Er ist Gründungsmitglied der Pfarrkapelle, die er über 30 Jahre dirigierte, und war aktiver Musiker. Den Männergesangverein Frohsinn Kastel führte Haupenthal zeitweise als Vorsitzender und Chorchef an. Als Dirigent schwang er den Taktstock bei der Diehl-Werkskapelle und beim Männergesangsverein Germania Neuhütten. Vier Jahre war er vertretungsweise Organist und Chorleiter des Kirchenchores in Primstal sowie einige Jahre Mitglied im Ortsrat seiner Heimatgemeinde. frf

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