| 20:37 Uhr

Verkehrsunfallstatistik 2017
44 Tote auf Saarlands Straßen

(Symbolbild)
(Symbolbild) FOTO: picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte
Saarbrücken. Die Zahl der Verkehrsunfälle blieb 2017 stabil. Doch mehr Menschen kamen zu Tode. Von Hélène Maillasson
Hélène Maillasson

Die Vorfahrt außer Acht lassen, ruckartig rückwärts fahren und dabei die toten Winkel vergessen, zu wenig Abstand halten oder beherzt aufs Gaspedal drücken, um ungeachtet von Tempolimits schneller zum Ziel zu kommen: Solche Situationen gehören zum Alltag im Straßenverkehr. Sie werden oft unterschätzt, können aber tragisch enden. Im Saarland sind sie sogar die häufigsten Gründe für Verkehrsunfälle, bei denen Menschen verletzt werden oder gar sterben.


Rund 35 000 Verkehrsunfälle gab es 2017 auf Saarlands Straßen, wie Landespolizeipräsident Norbert Rupp bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik mitteilte. Damit bleibt die Zahl im Vergleich zum Vorjahr unverändert. Blickt man auf die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre, ereigneten sich im Saarland immer weniger Unfälle, bei denen Menschen Schaden nahmen. Kamen 2008 noch 587 Verunglückte auf 100 000 Einwohner, fiel diese Zahl im vergangenen Jahr auf 491. Damit nähert sich unser Bundesland an die bundesweiten Zahlen an (siehe Grafik).

2017 verunglückten im saarländischen Straßenverkehr rund zehn Prozent weniger Menschen als im Vorjahr. Es gab weniger Leichtverletzte, doch die Zahl der Todesopfer ist mit 44 hingegen deutlich gestiegen. 2016 sind 34 Menschen in Verkehrsunfällen gestorben. Bei solchen Zahlen wird der Ruf nach mehr Präventionsmaßnahmen und vor allem mehr Kontrollen laut. Doch Rupp warnt: Nicht jeder Unfall, der tödlich endet, lässt sich dadurch verhindern. „Wenn ein Autofahrer zum Beispiel einen Schlaganfall erleidet und dadurch einen Unfall verursacht, gibt es leider keine Möglichkeit präventiv tätig zu sein“, so der Landespolizeipräsident.



Nichtsdestotrotz werde die Polizei ihre Präventionsarbeit intensivieren. Außerdem kündigte der neue Leiter der Direktion Gefahrenabwehr/Einsatz, Peter Fuchs (früherer Leiter der Bundespolizei in Bexbach), verschärfte Kontrollen an. „Ab April werden wir ein neues Konzept umsetzen, das mehr Kontrollen an wechselnden Stellen und mit verschiedenen Schwerpunkten vorsieht.“ Ein solcher Schwerpunkt sei zum Beispiel der Alkohol- und Drogenkonsum von Verkehrsteilnehmern. In diesem Bereich weist die Verkehrsunfallstatistik für 2017 auf eine besorgniserregende Entwicklung hin. Demnach sind Unfälle, bei denen Alkohol im Spiel war, um 11,3 Prozent auf 786 angestiegen. Doch auch die Nutzung von Mobiltelefonen am Steuer gerät immer mehr in den Fokus der Polizei. Ob ein Unfallverursacher zur Tatzeit durch sein Handy abgelenkt war, lässt sich aber nicht immer herausfinden. Ob die Polizei Handydaten nach einem Unfall auswerten darf, wird in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft geklärt. Dafür muss ein Anfangsverdacht vorliegen, erklärte Ralf Geisert, Leiter der Zentralen Verkehrspolizeilichen Dienste.

Vermehrte flächendeckende Kontrollen führen zwangsläufig auch zum Einsatz von mehr Polizisten. „Die Personalressourcen sind begrenzt“, berichtete Peter Fuchs. Doch in dieser Hinsicht zeichnet sich eine Entlastung ab. Schwertransporte könnten künftig auch von privaten Sicherheitsunternehmen begleitet werden und nicht mehr ausschließlich von Polizisten. Im Landkreis St. Wendel gebe es laut Fuchs bereits Teststrecken, wo dies ausprobiert werde. Polizisten, die von solchen Aufgaben befreit werden, könnten dann verstärkt in der Verkehrssicherheit eingesetzt werden. Außerdem werden die Beamten in der Verkehrsüberwachung durch Mitarbeiter des polizeilichen Ordnungsdienstes unterstützt.