1. Saarland

4200 Portionen Lesefutter in Tüten

4200 Portionen Lesefutter in Tüten

Saarbrücken. Es ist eine große Sache - und die macht viel Arbeit: Im kommenden Schuljahr werden rund 4200 Saarbrücker Grundschüler, das sind 80 Prozent, ihre Bücher bei der Stadt leihen - gegen eine Jahresgebühr von 40 Euro. Trotzdem muss die Stadt noch 450 000 Euro zuschießen.Jetzt sind die Bücher auf dem Messegelände

Saarbrücken. Es ist eine große Sache - und die macht viel Arbeit: Im kommenden Schuljahr werden rund 4200 Saarbrücker Grundschüler, das sind 80 Prozent, ihre Bücher bei der Stadt leihen - gegen eine Jahresgebühr von 40 Euro. Trotzdem muss die Stadt noch 450 000 Euro zuschießen.

Jetzt sind die Bücher auf dem Messegelände. Leute von der Schulverwaltung und 25 Ferienjobber stellen für jeden Schüler den Bücherstapel zusammen, den seine Schule für ihn bestellt hat. Alle Bücher werden mit Strichcodes markiert, damit man notfalls feststellen kann, wer welches Buch ruiniert hat. Jeder Stapel kommt in eine blaue Leinentasche - und die geht später an den Schüler.

Die SZ wollte wissen, was die Ferienjobber - die erst kurze Zeit aus der Schule sind - von dem Lesefutter halten, das sie für ihre Nachfolger eintüten.

Jasmin Nicklas, 17, Abi 2009 am Ludwigsgymnasium, Grundschule in Uchtelfangen, erinnerte sich: "Wir hatten ganz andere Bücher und viel weniger, zwei für Deutsch, zwei für Mathe, eins für Religion. Heute bekommen die Kinder ja bis zu 16 Stück. Ich glaube, dass die neuen Bücher viel besser sind, kindgerechter mit vielen Farben. Aber das beste Buch nutzt nichts, wenn der Lehrer nicht erklären kann. Kommt ein klasse Lehrer zum klasse Buch, dann ist es perfekt. Denn der Lehrer muss die Kinder zum Lernen motivieren."

Nicklas ist mit Büchern groß geworden und hat davon profitiert: "Ich glaube, wer viel liest, hat eine größere Vorstellungskraft, einen größeren Wortschatz und kann besser formulieren." Lisa Martinello, 19, Abi 2009 am Rotenbühl-Gymnasium, Grundschule in Bayern, berichtete: "Ich wurde 1996 eingeschult. Damals gab es in Bayern Lehrmittelfreiheit - das war eine große Erleichterung für die Familien. An meine Grundschulbücher kann ich mich nicht mehr erinnern, aber ich weiß, dass wir keine Lektüre im Sinne von Literatur, Geschichten oder Kinderbüchern hatten. Das ist heute alles dabei, teilweise sogar mit CDs." Aber auch Martinello glaubt, dass ein gutes Buch allein nicht reicht: "Der Lehrer muss den Stoff vermitteln können."

Sie will Literatur-Wissenschaft studieren: "Beim Lesen lernt man ja nicht nur Rechtschreibung und Grammatik - sondern auch, wie man sich besser ausdrückt. Und je nachdem was man liest, gewinnt man sogar die eine oder andere Lebenserfahrung."

Louisa Merscher, 19, Abi 2009 am Albertus-Magnus-Gymnasium St. Ingbert, Grundschule in Scheidt, hatte ein Buch wiedererkannt: "Ein Sachbuch, ,Die Pusteblume', das gab's bei uns auch. Was wir nicht hatten, das waren diese vielen Lesebücher voller Geschichten." Wie ihre Kolleginnen glaubt Merscher: "In der Grundschule ist der Lehrer viel wichtiger als später, Grundschüler brauchen viel mehr Hilfe - und sie müssen zum Lernen motiviert werden." Lesen, so meint Merscher, macht sich bezahlt: "Weil ich viel gelesen habe, kann ich heute Dinge viel schneller aufnehmen." Philipp Legrum, 24, Grundschule in St. Arnual, studiert heute Kommunikationsinformatik: "Gerade bei diesem Studium braucht man gute Lehrbücher. Und es ist wichtig, dass einem schon in der Grundschule jemand beibringt, wie man mit solchen Büchern umgeht."