260 Studenten müssen umziehen"Die Mängel sind seit zehn Jahren bekannt"

260 Studenten müssen umziehen"Die Mängel sind seit zehn Jahren bekannt"

Saarbrücken. Schwere bautechnische Mängel, Schimmel, mangelnder Flucht- und Brandschutz: Seit Jahren ist das Wohnheim D an der Universität des Saarlandes stark sanierungsbedürftig (die SZ berichtete)

Saarbrücken. Schwere bautechnische Mängel, Schimmel, mangelnder Flucht- und Brandschutz: Seit Jahren ist das Wohnheim D an der Universität des Saarlandes stark sanierungsbedürftig (die SZ berichtete). Nachdem im Dezember 2011 im Rahmen einer Brandschau erneut erhebliche brandschutztechnische Mängel festgestellt worden waren, beschloss das Studentenwerk am Montag, das Wohnheim räumen zu lassen. "Am Freitag teilte uns die Untere Bauaufsicht in einem Schreiben mit, dass Gefahr für Leib und Leben besteht", erklärt Anne-Marie Oswald, Geschäftsführerin des Studentenwerks.Für rund 260 Studierende, die gestern per Infoblatt von der Schließung erfuhren, bedeutet das: Umsiedlung. Dabei könne nur ein kleiner Teil der Bewohner in andere Wohnheime an der Universität umziehen. Wie viele Plätze in den übrigen Heimen aktuell zur Verfügung stehen, ist dem Studentenwerk zurzeit nicht bekannt, da zum Semesterende zahlreiche Studenten ein- oder ausziehen. Weitere Ersatzwohnungen, beispielsweise im Stadtgebiet, wurden bisher nicht gefunden. "Wir sind wenig optimistisch. Das Studentenwerk ist diesbezüglich für jeden Tipp dankbar", schildert Anne-Marie Oswald. Hinzu kommt, dass für die Studierenden mit der Umsiedlung eine finanzielle Mehrbelastung gegenüber der jetzigen Monatsmiete von 168 Euro entstehen könne.

Auf die Straße gesetzt zu werden müssen Studierende allerdings nicht befürchten: "Feuerwehr und Bauaufsicht haben uns keine Räumungsfrist gesetzt", erklärt Anne-Marie Oswald. Dennoch solle die Räumung schnellstmöglich erfolgen, teilt die Geschäftsführerin weiter mit. Aus Sicherheitsgründen wird ab Donnerstag eine Brandwache, bestehend aus Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr, in der Zeit von 15 bis 7 Uhr morgens eingesetzt. Ansonsten habe der Hausmeister die Aufsicht.

Völlig überraschend kommt die Schließung für Désirée Krämer vom Allgemeinen Studierenden Ausschuss (Asta) nicht: "Wir wurden nicht müde, auf die baulichen Mängel des Wohnheims hinzuweisen."

Aussagen der Universitäts-Pressesprecherin Friederike Meyer zu Tittingdorf zufolge gebe es bereits seit dem Jahr 2004 Sanierungsgespräche: "Es liefen Gespräche mit dem Land. Allerdings ist zurzeit kein Geld da."

Das Studentenwerk lädt die Betroffenen am Freitag um 18 Uhr in die Mensa zu einer Krisensitzung ein. Dort sollen die Bewohner über die Hintergründe der Schließung und über das weitere Vorgehen aufgeklärt werden.

Saarbrücken. Harsche Reaktionen auf die geplante Wohnheim-Räumung kamen von SPD und Linken. Jan Mertens, Mitglied der Hochschulgruppe der Jungsozialisten (Jusos) und im Senat der Universität des Saarlandes, erklärte: "Die baulichen Mängel sowie der mangelhafte Flucht- und Brandschutz des Wohnheims D sind seit zehn Jahren dem Studentenwerk, der Universitätsleitung und der Landesregierung bekannt. Regelmäßig wandten sich Studierendenschaft und Uni-Leitung wegen der Mängel an die Landesministerien. Aber statt Geld für die Sanierung bereitzustellen, haben die CDU-Landesregierung und später das FDP-geführte Wirtschaftsministerium sukzessive die Gelder für das Studentenwerk gekürzt." Die saarländische Bundestagsabgeordnete Yvonne Ploetz, Die Linke, kritisierte: "Die Situation ist verheerend. Die Schließung des größten Wohnheimes am Campus verschärft die Wohnsituation für Studierende im Saarland enorm." Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Ulrich Commerçon, und der Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Landtag, Reinhold Jost, SPD, stellten unisono fest: "Damit wurde traurige Realität, was sich seit Wochen angedeutet hat. Mit der Schließung des Wohnheims D geht weiterer preisgünstiger Wohnraum für Studierende verloren. Viele der Bewohner befinden sich gerade in ihrer Prüfungsphase, da kommt ein Umzug äußerst ungünstig." Commerçon versicherte, er habe 2011 auf die baulichen Mängel aufmerksam gemacht, und die SPD habe einen Abänderungsantrag eingebracht, der jedoch von der Koalition aus CDU, FDP und Grünen abgelehnt worden sei. red

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