2000 Schüler demonstrieren in Zweibrücken für Respekt und Toleranz

Schüler demonstrieren in Zweibrücken : Über 1000 Schüler bei Demo gegen Rechts

Der Zweibrücker SPD-Oberbürgermeister Marold Wosnitza würdigt den Einsatz für die Demokratie. Anlass sind Aufmärsche der Rechtsextremisten am Gedenktag der Bombennacht von 1945.

Mehr als 1000 Schüler der Zweibrücker Schulen und der Integrierten Gesamtschule Contwig haben am Jahrestag der Zweibrücker Bombennacht vom 14. März 1945 für Respekt und Toleranz demonstriert. Die Kundgebung auf dem Herzogplatz war von Schülern organisiert worden. Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) lobte das Engagement und sprach von einer eindrucksvollen Demonstration für Respekt und Toleranz. „Ich bin unfassbar stolz auf euch Schüler,“ sagte Wosnitza.

Der SPD-Oberbürgermeister ging in seiner Rede auf die Bedeutung von Respekt und Toleranz als Grundwerte demokratischen Verstehens ein und räumte mit Unwahrheiten auf, die bei der Vorbereitung zu dieser Schüler-Demonstration in Zweibrücken die Runde gemacht hatten. Wosnitza sagte: „Im Vorfeld dieser Veranstaltung gab es scheinbar eine Diskussion darüber, dass der OB für die Schüler eine Sonderveranstaltung macht und die Schüler und Lehrer wohl vergattert wurden, zu dieser Veranstaltung zu kommen. Nichts hat mit der Realität weniger zu tun.“ Die Schülerabsicht sei es, ein Zeichen zu setzen und dafür würde kein OB gebraucht, so der Oberbürgermeister weiter, der mit Schal in den Stadtfarben und Baseball-Mütze wie alle übrigen Veranstaltungsbesucher dem Dauerregen bei Temperaturen nur wenige Grade über Null trotzte. Mit der Demo setzten die jungen Teilnehmer ein ganz wichtiges Zeichen gegen Ausgrenzung und für Respekt anderen Menschen gegenüber, sagte Wosnitza.

Das sei in Zweibrücken leider nicht selbstverständlich. Jedes Jahr zum Gedenktag kommt es zu Aufmärschen von Rechtsextremisten in Zweibrücken, auch für gestern Abend war ein solcher angemeldet. Wosnitza berichtete von einem Gespräch mit einem jungen Syrer, der in Zweibrücken eine neue Heimat gefunden hat. Er habe ihm erzählt, dass ein Nachbar immer auf den Boden spucke, wenn sie sich begegneten. Wosnitza betonte: „Das ist keine Kommunikation, keine Aussprache, kein Wort, kein Austausch. Wie kann man ein solches Verhalten erklären?“

Vehement verwahrte sich das Stadtoberhaupt gegen den Vorwurf, die Schüler würden nur demonstrieren, um den Unterricht zu schwänzen. „Freiheit und Demokratie brauchen Menschen wie euch, die für etwas einstehen. Demokratie braucht Menschen die denken und nicht denken lassen. Demokratie braucht mutige Leute die sich einmischen und nicht wegsehen. Ihr lasst mich hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.“

Schüler des Helmholtz-Gymnasiums berichteten über Gespräche mit älteren Stadtbewohnern, die die Schreckensnacht des 14. März hautnah erlebt hatten. Auch wenn das alles viele Jahre zurückliege, hätten sie dennoch mitfühlen können, welch unsagbares Leid damals über die Heimatstadt hereingebrochen sei.

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