1. Saarland

200 alte Schätzchen am Bostalsee

200 alte Schätzchen am Bostalsee

Bosen. Es ist Pfingstsamstagmorgen. Die Sonne hat die grauen Wolken vertrieben. Unter den Vorzelten ihrer Fahrzeuge oder mitten auf dem Rasen sitzen Menschen an Campingtischen. Es ist Frühstückszeit. Schauplatz dieses Campingidylls ist das Pfingsttreffen der Hanomag-Freunde und Wohnmobilbesitzer am Bostalsee

Bosen. Es ist Pfingstsamstagmorgen. Die Sonne hat die grauen Wolken vertrieben. Unter den Vorzelten ihrer Fahrzeuge oder mitten auf dem Rasen sitzen Menschen an Campingtischen. Es ist Frühstückszeit. Schauplatz dieses Campingidylls ist das Pfingsttreffen der Hanomag-Freunde und Wohnmobilbesitzer am Bostalsee. Aus allen Windrichtungen sind sie gekommen, um Freunde zu treffen, zu fachsimpeln oder um einfach nur dabei zu sein und diese unvergleichliche Atmosphäre zu genießen.Zur selben Zeit sitzt Erwin Raddatz in seinem zum Wohnmobil umgebauten Hanomag Henschel, Baujahr 1969. Es ist für vier Tage sein Büro und die Anlaufstelle für die vielen Hundert Oldtimerfreunde, die mit ihren Veteranen auf vier Rädern - Hanomags, Mercedes, Magirus Deutz und anderen Typen - am Vorabend eingetroffen sind. "Das ist unser sechstes Treffen, und jedes Jahr kommen mehr Fahrzeuge", erzählt der Oberkircher und blickt zurück. Früher war er mit seinem Hanomag immer zum Pfingsttreffen nach Dormagen ins Rheinland gefahren. Eines Tages sei dort Feierabend gewesen. Damit wollte sich Erwin Raddatz nicht abfinden. Zusammen mit seiner Frau Mary übernahm er das Treffen und verlegte es kurzerhand an den Bostalsee. "Anfang 2011 habe ich 300 Einladungen rausgeschickt, 200 Autos sind gekommen", freut er sich. "Es ist viel Arbeit, aber es macht Spaß. Ich bin auch nicht allein. Viele Gäste helfen beim Auf- und Abbau, betreiben den Bierstand oder machen Schrankendienst."

Der Hanomag AL 28, der schon lange nicht mehr gebaut wird, ist auf dem Platz an allen Ecken anzutreffen. Einen davon besitzt Detlef Stamer aus Breitenfelde in Schleswig-Holstein. Er trägt das Baujahr 1958, hat 65 PS und ist zu einem geräumigen Wohnmobil umgebaut. "Früher lief der Wagen beim Bundesgrenzschutz, gekauft habe ich ihn 1982", erzählt Stamer. Er ist gerne gekommen, weil ihm auch die Gegend gefällt. "Wir sind schon mit dem Rad um den See gefahren", verrät seine Fau Iris. Doch nicht nur Hanomags stehen auf der Wiese. Vor vier Jahren hat Hans-Jürgen Ringk der Feuerwehr in Ettenheim/Baden einen 1963er Magirus Deutz abgekauft, der eine besondere Geschichte hat. "Der Wagen lief von 1963 bis 1983 in Hamburg als Pumpwagen und wurde dann zum Feuerwehrauto umgebaut", weiß der stolze Besitzer. "Er muss öfter gewartet werden, das kann ich selbst machen. An solchen Autos geht das noch. Aber die Neuzeitlichen mit der modernen Elektronik könnte ich nicht mehr reparieren." Uwe Lorscheider aus Hennef sitzt mit seiner Frau und den beiden Söhnen Jerrit und Tarek neben seinem Mercedes LG 315 am Frühstückstisch. Das 54 Jahre alte Auto ist auch ein Wohnmobil, besitzt eine Küche, einen Kühlschrank und vier Schlafplätze. "Ich bin bisher bei jedem Treffen in Bosen gewesen", sagt der Fan alter Autos. "Stets herrscht hier eine familiäre Atmosphäre."

Noch immer sitzt Erwin Raddatz in seinem Büro, den Laptop vor sich. "Wir müssen für morgen die Brötchen und den Kuchen bestellen", ruft er seiner Frau zu, die gerade Fragen von Neuankömmlingen beantwortet. "Es ist schon toll mit diesen alten Autos", sinniert der Hanomag-Freund. "Früher sind sie bei der Polizei, beim Grenzschutz, bei der Feuerwehr, beim Roten Kreuz und beim Technischen Hilfswerk gelaufen. Und jetzt stehen sie alle hier."

Hintergrund

Hanomag ist die Abkürzung für Hannoversche Maschinenbau AG, ein ehemaliges Unternehmen der Maschinenbauindustrie, das im Jahre 1871 gegründet worden ist. 1952 erfolgte die Übernahme durch die Rheinstahl-Union Maschinen- und Stahlbau AG, 1959 die Umbenennung in Rheinstahl Hanomag. Der Nutzfahrzeugbereich wurde im Jahre 1969 ausgegliedert. gtr