1. Saarland

180 Kilometer in zwölf Stunden

180 Kilometer in zwölf Stunden

Düren. Wenn das silberhaarige Paar auf dem Traktor mit nur einer Handvoll Kilometer pro Stunde durchs Dorf tuckert, weiß die ganze Gemeinde Bescheid. Es gibt mal wieder ein Traktoren-Oldtimer-Treffen, irgendwo im Umkreis von 180 Kilometern. Anneliese und Horst Horsch aus Düren sammeln Traktoren und zeigen sie auch gerne

Düren. Wenn das silberhaarige Paar auf dem Traktor mit nur einer Handvoll Kilometer pro Stunde durchs Dorf tuckert, weiß die ganze Gemeinde Bescheid. Es gibt mal wieder ein Traktoren-Oldtimer-Treffen, irgendwo im Umkreis von 180 Kilometern. Anneliese und Horst Horsch aus Düren sammeln Traktoren und zeigen sie auch gerne. Zehn Traktoren haben sie auf ihrem 30-Ar-Grundstück, als Schrott gekauft und restauriert. Fünf sind sogar zugelassen, mit ihnen fahren die 68-Jährige und der 70-Jährige regelmäßig. "Wir haben einen, der fährt sechs km/h. Bis Lisdorf eine Stunde und zehn Minuten!", sagt Horst Horsch. "Wenn die Leute uns sehen, winken sie uns zu, andere würden am liebsten mit einem Backstein werfen." Aber das ist ihre Leidenschaft: ob am Erntedankfest im üppig mit Blumen geschmückten Schlepper durchs Dorf oder nach Cochem, achteinhalb Stunden im strömenden Regen.Vor 15 Jahren haben sie mit ihrem außergewöhnlichen Hobby begonnen. "Damals hat meine Frau noch Kaninchen gezüchtet", sagt Horsch. Zum Grünfutter-Mähen haben sie einen alten Traktor angeschafft. Als der restauriert und wieder hübsch neu lackiert war, waren sie angesteckt. "Meine Frau rief plötzlich voller Entzücken: Ich will auch einen!" Danach haben sie sich abwechselnd zum Geburtstag Schrott-Traktoren geschenkt, grüne, rote, blaue; Horst Horsch hat sie alle restauriert und immer neue Schuppen dafür gebaut.

Zwischen 300 Mark und 2500 Euro haben sie pro Stück ausgegeben, gefunden haben sie sie im Internet, Findling oder über ihre Oldtimer-Freunde. "Der 5506er Lanz stand zugewuchert in einem Garten, den musste ich drei Stunden lang mit der Kettensäge freischneiden." Der älteste ist Baujahr 1938, "der ist älter als ich!", sagt Horst Horsch.

In den 1960er und -70er Jahren hatte seine Familie einen landwirtschaftlichen Betrieb am Dürener Schloss. Als Horst Horsch 18 Jahre alt war, hatte er dort bei der Arbeit einen schweren Unfall mit einem der Traktoren. "Mit unserem Lanz habe ich mich rückwärts überschlagen", sagt er, der Traktor hatte ihn dabei fast erdrückt.

Ende der Siebziger gab seine Familie den Betrieb auf und verkaufte alles. Zwanzig Jahre später hat Horst Horsch den alten Unfalltraktor wieder gekauft - und seiner Sammlung hinzugefügt.

"Das war Zufall!", sagt er, "man hatte mir nur erzählt, dass es ein alter Lanz sei, der lange am Dürener Schloss eingesetzt wurde." Am Fahrzeugbrief hat er ihn wieder erkannt. 1600 Stunden lang hat er das alte Stück restauriert, heute ist es sein Lieblingstraktor, seinen Namen hat er in Rot auf den blauen Lack gemalt.

"Bis zu 1400 Kilometer fahren wir im Jahr zu Oldtimer-Treffen, von Mai bis Oktober alle 14 Tage woanders", sagt Horsch. Das weiteste, was sie mit dem Traktor am Stück gefahren sind? "Das waren 180 Kilometer, bis Ottersheim!" Zwölfeinhalb Stunden mit 20 km/h. "Da tun einem sämtliche Knochen weh!" Die beiden lachen. Die Federung ihrer Lieblinge geht schließlich nur über die Reifen. Und: "Einen Tag fahren heißt einen Tag polieren!"

Anneliese Horsch hat als Kind einem Bauern ausgeholfen und schon damals dessen Traktoren bewundert. Und ihr Mann schraubt einfach furchtbar gerne an den Sammlerstücken. "An all den Traktoren ist kein einziges Teil von der Werkstatt, alles selbst gemacht!", sagt er stolz. "Jeder Schrotthaufen ist wieder aufzubauen."

Zehn Traktoren haben Anneliese und Horst Horsch auf ihrem Grundstück. Fotos: Jenny Kallenbrunnen.
Vor 15 Jahren haben die beiden mit ihrem Hobby begonnen.

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