1. Saarland

"1000 Meter sind zu wenig"

"1000 Meter sind zu wenig"

Orscholz. Zieht ein Schwarzstorch bei Saarhölzbach tatsächlich seine Jungen groß? Oder handelt es sich um einen "politischen Schwarzstorch?", mutmaßt Fred Becker aus Orscholz über den Wegfall eines möglichen Windparks bei Saarhölzbach. Nach seinem Wissensstand brüte mittlerweile dort ein Bussard

Orscholz. Zieht ein Schwarzstorch bei Saarhölzbach tatsächlich seine Jungen groß? Oder handelt es sich um einen "politischen Schwarzstorch?", mutmaßt Fred Becker aus Orscholz über den Wegfall eines möglichen Windparks bei Saarhölzbach. Nach seinem Wissensstand brüte mittlerweile dort ein Bussard. "Wenn das Nest eines Schwarzstorches entdeckt wird, muss für fünf Jahre eine drei Kilometer große Schutzzone beachtet werden", sagt Mettlachs Bürgermeister Carsten Wiemann. "Das Nest wurde 2010 entdeckt." Rund 120 Gäste lauschen den Ausführungen über den Stand der Planungen für die neuen Windparks in der Gemeinde (wir berichteten bereits). Zu den Gebieten, die der Gemeinderat anvisiert, zählen der Renglischerg, das Terrain Wintersteinchen/Holscheid, das Gebiet östlich vom Schwarzbruch und Hundscheid.

Angst vor Schattenschlag

Es sei Rat und Verwaltung daran gelegen, die Ansiedlung von Windkraftanlagen auf ihrem Gemeindegebiet über einen Flächennutzungsplan eigenverantwortlich zu steuern. "Durch die Festlegung von Konzentrationszonen soll der Bau von Anlagen in anderen Bereichen verhindert werden", macht der Verwaltungschef die Marschrichtung der politisch Verantwortlichen den Zuhörern klar. Daher habe der Rat die Ausweisung der Terrains beschlossen und wolle die Bürger an jedem Schritt beteiligen. Wiemann sagt zu, die Pläne von Windparks der benachbarten Kommunen zu präsentieren.

Acht bis zwölf Windräder kann sich Wiemann nach seiner Darstellung vorstellen - neben den bereits sich drehenden Windrädern auf dem Gebiet östlich von Wehingen. In Sachen Sicherheitsabstand lässt er nicht mit sich verhandeln. 1000 Meter und keinen Millimeter weiter - mögen Joachim Mohr und Jörg Rohles aus Weiten noch so viel Beifall aus den Reihen des Publikums für ihre Argumente erhalten. Für die beiden steht fest: Der Abstand von einem Kilometer sei für die Windräder mit einer Nabenhöhe von 150 Metern ausgewiesen worden. Mittlerweile sind die Nabenhöhen nach ihrer Darstellung um gut das Doppelte gewachsen. Daher ist nach ihrer Einschätzung ein Sicherheitsabstand von 1500 Metern vonnöten. Sie wollen sicher sein, dass alle Weitener weder Lärm noch Schattenschlag ertragen müssen, die von Windrädern auf den Terrains entlang der Straße zwischen Weiten und Orscholz ausgehen könnten. Bei ihrer Argumentation setzen die beiden Weitener auf einen Petitionsantrag, der dem Deutschen Bundestag vorliegt, und eine Distanz von 1500 Meter Abstand einfordert. Derweil moniert der Orscholzer Ortsvorsteher Jörg Zenner die 400 Meter, den der Gesetzgeber als Abstand bei Aussiedlerhöfen vorsieht. "Bei seltenen Vögeln ist ein Mindestabstand von drei Kilometern einzuhalten, bei Menschen, die in Aussiedlerhöfen leben und arbeiten, nur 400 Meter", kritisiert er.

Doch Bürgermeister Wiemann bleibt in Sachen Abständen eisern. Er will jeglichen Verstoß gegen solche Abstände vermeiden. "Dann gibt es keine Rechtssicherheit mehr, und Klagen hinsichtlich der Betreiber sind zu befürchten."

Das sehen die Leute der Interessengemeinschaft "Windkraft ja, aber mit Vernunft" anders. Nach Meinung von Dieter Schneider-Holbach und Stefan Schaaf gibt es ein schlagkräftiges Argument: die Saarschleife und deren Umgebung, "ein Naturschutzdenkmal erster Kategorie mit nationalem und sogar internationalem Renommee". Dies gelte es unter allen Umständen zu schützen. Eines steht für sie auch fest: Die 1000 Meter Abstand sind zu wenig.

Auf einen Blick

Nach Meinung der Interessengemeinschaft "Windkraft ja - aber mit Vernunft" ist die Aussage von Bürgermeister Carsten Wiemann, dass sich maximal zwölf Windräder drehen würden, nur eine persönliche Willenserklärung. Für die IG stellt sich die Frage: Warum weist man so große Flächen aus, wenn man bereits jetzt eine konkrete Maximalzahl aller Flächen im Blick hat? mst