10 000 Diabetiker haben chronische Wunden

10 000 Diabetiker haben chronische Wunden

Saarbrücken. Menschen mit chronischen Wunden sind, wie kaum eine andere Patientengruppe, in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt. Zudem verursacht die Behandlung der Wunden sehr hohe Kosten im Gesundheitswesen. Auf diese Herausforderungen wollen jetzt saarländische Ärzte mit einem so genannten Wundnetz reagieren

Saarbrücken. Menschen mit chronischen Wunden sind, wie kaum eine andere Patientengruppe, in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt. Zudem verursacht die Behandlung der Wunden sehr hohe Kosten im Gesundheitswesen. Auf diese Herausforderungen wollen jetzt saarländische Ärzte mit einem so genannten Wundnetz reagieren. Profitieren von dieser engeren Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen sollen Diabetiker, Pflegebedürftige sowie Patienten mit venösen und arteriellen Durchblutungsstörungen. Morgen soll das Netzwerk gegründet und der Öffentlichkeit vorgestellt werden (Siehe Infokasten).Einer der drei Hauptinitiatoren des landesweiten Netzwerkes ist Dr. Matthias Frank, Diabetologe und Chefarzt für Innere und Intensiv am Fliedner Krankenhaus in Neunkirchen. "Der Grundgedanke des Wundnetzes ist, dass wir das Problem nur über ein fächer- und berufsübergreifenden Miteinander von Ärzten, Pflegediensten und Diabetikern lösen können," betont Frank. Da man letztlich alle für die Versorgung von chronischen Wunden relevanten Akteure ansprechen wolle, könnten sich auch Orthopädie-Schuhmacher, Diabetes-Berater, Physiotherapeuten und Podologen (Fußpfleger) beteiligen. Selbst Krankenkassen könnten dem Wundnetz beitreten. An Interessenten, etwa Kliniken und Einzelpersonen mangele es derzeit nicht, so Frank.

Oberstes Ziel sei, die Wunden der Patienten schneller und gezielter zu behandeln und ihnen so wieder mehr Lebensqualität zu ermöglichen. "Das Wundnetz ist ein gemeinnütziger, nicht-profitorientierter Verein, der sich einer besseren Versorgung dieser Menschen verschrieben hat," erklärt der Diabetes-Experte. Zudem wolle man durch die engere Zusammenarbeit aller beteiligten Netzakteure die Behandlungskosten dieser Patienten insgesamt erheblich senken. Das sei beispielsweise den bestehenden Wundnetzen in Hamburg und Kiel gelungen.

Schätzungen des Mediziners zufolge leben im Saarland etwa 100 000 Diabetiker, von denen rund 10 000 an dauerhaften, immer wiederkehrenden Wunden leiden. Frank verweist darauf, dass die Krankenkassen nur die Hauptdiagnose erfassen. "Wir gehen davon aus, dass sogar 16 bis 18 Prozent der Saarländer an Diabetes erkrankt sind," sagt Frank und beruft sich dabei auf Zahlen der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Im Saarland erkranken - neben der Stadt Bremen - im ganzen Bundesgebiet am häufigsten Menschen an Diabetes.

AUF EINEN BLICK

Das Wundnetz Saar wird morgen anlässlich einer Fachveranstaltung in der Congresshalle in Saarbrücken gegründet. Hauptinitiatoren sind der Allgemeinmediziner Dr. Harald Böttge, der Chefarzt für Innere und Intensivmedizin am Fliedner Krankenhaus Neunkirchen Dr. Matthias Frank und der Chefarzt für Gefäßchirurgie am Klinikum Saarbrücken Dr. Thomas Petzold. bera