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Interview Ferri Abolhassan
„Saarland ist längst mehr als eine Testregion“

 2019 will die Telekom in Deutschland insgesamt weitere 60 000 Kilometer Glasfasernetz verbauen. Auch im Saarland soll der Ausbau zügig vorangehen. Hier versorgt das Unternehmen derzeit 400 000 Haushalte.
2019 will die Telekom in Deutschland insgesamt weitere 60 000 Kilometer Glasfasernetz verbauen. Auch im Saarland soll der Ausbau zügig vorangehen. Hier versorgt das Unternehmen derzeit 400 000 Haushalte. FOTO: dpa / Sina Schuldt
Das Mitglied im Digitalisierungsrat der Landesregierung sieht Vorsprung beim Autonomen Fahren und Einsatz Künstlicher Intelligenz.

Saarbrücken/Bonn Als Geschäftsführer Service der Deutschen Telekom ist der Saarländer Ferri Abolhassan zuständig für 30 000 Beschäftigte, 45 Millionen Mobilfunk- und 30 Millionen Festnetzkunden. Störungen sollen schneller behoben werden und die Digitalisierung im Saarland zügig vorangehen.


Sie sind Mitglied im Digitalisierungsrat, den Ministerpräsident Tobias Hans ins Leben gerufen hat, um im Saarland möglichst schnell neueTechnologie-Projekte, Unternehmen und Menschen voranzubringen. Was erwartet uns?

Abolhassan Wir haben im Saarland als Hauptvorteil und Alleinstellungsmerkmal für Zusammenarbeit die Uni, die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) sowie Institute wie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und das Helmholtz-Centrum für Informationssicherheit (Cispa). Wegen der kurzen Wege und dieser Zusammenarbeit vieler Institute können wir aus Forschungsprojekten schneller Ergebnisse in der Praxis testen. Wir verfügen schon über eine gut ausgebaute digitale Infrastruktur. Daraus können wir neue Geschäftsmodelle für viele Unternehmen entwickeln.



Zum Beispiel?

Abolhassan Autonomes Fahren und Künstliche Intelligenz im Straßenverkehr  können wir schneller und praxisnah testen. Auch hier werden wir auf das besonders schnelle 5 G Mobilfunknetz zurückgreifen, da eine bisher nicht gekannte Menge an Daten in Sekundenschnelle übertragen werden muss. In Merzig testen wir schon mit zahlreichen Sensoren intelligentes Parken. Dabei wird das Auto automatisch zu freien Parkplätzen geleitet. Die Informationen kommen direkt auf eine App oder einen Bildschirm im Fahrzeug. Mit dem DFKI testen wir intelligente Verkehrssysteme, die Ampeln überwachen und flexibel steuern, je nach Verkehrslage. Wir brauchen jetzt kurzfristige Projekte und Erfolge, damit auch die Bürger von den Vorteilen der Digitalisierung in der Region überzeugt sind. Wir sind nach meiner Überzeugung im Saarland längst schon mehr als nur ein Testland für neue Projekte.

Wie meinen Sie das?

Abolhassan Die Erkenntnisse vom DFKI und vom Cispa mit Professor Michael Backes finden schon europaweit, vielleicht sogar weltweit Beachtung. Der einzige Standort, an dem Google außerhalb der USA eine Beteiligung hält, ist das DFKI in Saarbrücken.

Sie sind seit zwei Jahren Geschäftsführer Service der Deutschen Telekom. Was hat sich für den Kunden im Service verbessert?

Abolhassan Wir haben die persönliche Ansprache deutlich verbessert. Im Schnitt ist der Kunde innerhalb von 100 Sekunden im Gespräch mit einem Betreuer. Damit erzielen wir Spitzenwerte. Das hat gerade wieder ein großer Hotline-Test bewiesen. Die Anzahl derer, die heute noch länger als zehn Minuten warten müssen, ist auf unter fünf Prozent gesunken. Diese Fälle gilt es weiter zu minimieren.

Woran liegt es, wenn man immer noch so lange warten muss?

Abolhassan Bei einer Ballung von Störungen, etwa hervorgerufen durch schwere Unwetter oder Hochwasser, treffen plötzlich eine Vielzahl an Reklamationen ein. Auf die Auswirkungen des Wetters kann man sich auch trotz noch so genauer Wetterprognosen nicht in allen Konsequenzen einstellen.

Könnte man da nicht kurzfristig mit deutlich mehr Personal reagieren?

Abolhassan Wir verstärken uns dann auch extern, aber trotzdem stößt man nach gewissen Naturphänomenen an Grenzen.

Wie schnell werden Reklamationen gelöst?

Abolhassan Unser Ziel ist, das Problem in einem Schritt zu lösen. Das geht aber nicht immer, zum Beispiel, wenn die Ursache ein Kabelschaden ist. Generell versuchen wir eine Störung innerhalb von 24 Stunden zu beseitigen. Wir setzen zudem verstärkt Computertechnik und künstliche Intelligenz (KI) ein, die häufig den Grund für den Fehler schnell erkennen kann und so auch die Beseitigung der Störung erleichtert.

Wie viel Geld nimmt die Telekom für Investitionen in die Modernisierung der Netze und Infrastruktur in die Hand?

Abolhassan Wir investieren in Deutschland fünf Milliarden Euro jährlich, deutlich mehr als jeder andere Telekommunikations-Anbieter. Aktuell können 33 Millionen Haushalte in Deutschland von uns einen Glasfaser basierten Internetanschluss erhalten. 2018 haben wir 60 000 Kilometer Glasfaser verbaut. Unser Netz umfasst jetzt schon über 500 000 Kilometer. Die Konkurrenten kommen dagegen zusammen nur auf 100 000 Kilometer. 2019 wollen wir weitere 60 000 Kilometer verbauen. Im Saarland versorgen wir von 500 000 Haushalten 400 000 mit 50 Megabit und über 50 000 mit über 25 Megabit. Unser Ziel ist, dass bald möglichst viele 100 Megabit haben. Für Geschäftskunden wollen wir bis 2022 bundesweit 2000 Gewerbegebiete anbinden. Bis jetzt haben wir 158 realisiert, vier im Saarland.

Wie geht es mit dem neuesten Mobilfunkstandard 5 G in Deutschland voran?

Abolhassan Es wäre illusorisch zu glauben, man könnte mit den jetzt zur Auktion stehenden Frequenzen ganz Deutschland mit dem Standard 5 G ausstatten. Da streikt die Physik, die Reichweiten dieser Wellen sind zu kurz. Man bräuchte pro Quadratkilometer mehrere Sendemasten, für Deutschland mehrere Hunderttausend. Das ist unmöglich und würde die Umwelt verschandeln. Wir wollen bis zum Jahr 2025 möglichst 99 Prozent der Bevölkerung und 90 Prozent der Fläche versorgen über Frequenzen mit verschiedenen Reichweiten.

 Ferri Abolhassan, Geschäftsführer Service Deutsche Telekom
Ferri Abolhassan, Geschäftsführer Service Deutsche Telekom FOTO: chris schuff