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Mehr Geld für Gründer
SWG will den Fördertopf aufstocken

 Rund um das IT-Sicherheitszentrum Cispa sollen zahlreiche Neugründungen entstehen. Das nötige Geld soll auch die SWG bereitstellen.
Rund um das IT-Sicherheitszentrum Cispa sollen zahlreiche Neugründungen entstehen. Das nötige Geld soll auch die SWG bereitstellen. FOTO: dpa / Oliver Dietze
Saarbrücken. Die Wagnisgesellschaft der Saar-Förderbank SIKB will auch größere Gründungen rund um das Cispa finanzieren können. Von Joachim Wollschläger
Joachim Wollschläger

Die Saarländische Wagnisgesellschaft (SWG), eine Tochter der saarländischen Förderbank SIKB, will das Förderkapital deutlich aufstocken. Das sagte SIKB-Chefin Doris Woll im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung. Geplant ist, den Förderfonds von aktuell rund zwölf Millionen Euro auf mittelfristig 30 Millionen Euro aufzustocken.


Grund für die Aufstockung sind unter anderem die Gründungen, die im Umfeld des neuen Helmholtz-Instituts (Cispa) in Saarbrücken erwartet werden. „Wir wollen künftig in der Lage sein, für ein Startup auch mal drei bis fünf Millionen Euro Beteiligungskapital zur Verfügung zu stellen“, sagt sie. Bisher ist die Beteiligung durch die SWG an Unternehmen auf eine Million Euro begrenzt.

Dass es rund um das Cispa zu weiteren Gründungen kommt, davon ist auch Axel Koch überzeugt, der an der Uni über die Kontaktstelle für Wissens- und Technologietransfer (KWT) Ausgründungen betreut. „Sicherlich wird es einen Zuwachs neuer Unternehmen vom Campus kommen“, sagt er. Auch aus dem Deutschen Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz (DFKI) werde es noch mehr Startup-Initiativen geben.



Das Helmholtz-Zentrums für IT-Sicherheit (Cispa) in Saarbrücken wird, wenn es nach dessen Direktor Michael Backes geht, ein Magnet für internationale IT-Sicherheits-Experten sein. Und für Firmen aus diesem Bereich, die sich rund um das Cispa niederlassen sollen. Bereits jetzt gibt es mit der Firma Symantec und einer ZF-Forschungstocher erste Ansiedlungsvorhaben im Umfeld.

„Im Rahmen weiterer Ausgründungen in diesem Bereich wird es auch mehr Nachfragen nach Beteiligungen geben“, sagt Woll. Vor allem in der Frühphasenfinanzierung, mit denen Unternehmen während der Startphase unterstützt werden, sieht sie die SWG gefragt.

Obwohl Koch überzeugt ist, dass das Land mehr Wagniskapital braucht, geht er anders als Woll nicht von einer Nachfrage nach Großfinanzierungen über mehrere Millionen aus: „Stattdessen werden es deutlich mehr Klein-Gründungen sein, die mit Beträgen von bis zu einer Million unterstützt werden müssen.“ Für diese Unternehmen sei dann eine echte Wagnis-Beteiligung gefragt. „Aktuell steigt die SWG vor allem als stiller Gesellschafter ein“, sagt Koch. Dann müssten die Unternehmen aber Zinsen zahlen, und das schwäche die Kapitalbasis. Besser sei deshalb eine Beteiligung, bei der die SWG als Gesellschafter einsteige.

Offen ist noch, wo die zusätzlichen Millionen herkommen. Das Wirtschaftsministerium könne bis zu zehn Millionen beisteuern, sagt Staatssekretär Jürgen Barke (SPD). Fünf Millionen stammen demnach aus der Reaktivierung eines Innovations-Fonds, weitere Millionen kommen aus dem Ausstieg aus einer erfolgreichen Unternehmens-Beteiligung.

Barke sieht bei der weiteren Aufstockung nun auch die Gesellschafter aus dem Sparkassen- und Genossenschafts-Lager in der Pflicht. „Wenn das Land zehn Millionen in den Topf gibt, erwarten wir das auch von der anderen Seite.“ Carlo Segeth, Vorstandschef der Bank 1 Saar und Sprecher der Genossenschaftsbanken sagt, dass es unbestritten sei, dass das Land mehr Wagniskapital brauche und dieses bei der SWG gut aufgehoben sei. „Wir schließen deshalb auch nicht aus, uns an einem solchen Fonds zu beteiligen.“ Konkret sei das allerdings noch nicht. Im Sparkassen-Lager ist zumindest eine gewisse Skepsis zu spüren. Man werde sich zwar nicht verwehren, sagt Frank Jakobs, Vorstandschef der Sparkasse Merzig-Wadern. „Aber wenn echter Bedarf für solches Kapital in unserer Region nicht zu erkennen ist, würden wir uns moderat zurückhalten.“ Noch deutlicher äußert sich Armin Reinke, Vorstandschef der KSK Saarpfalz und Vorgänger von Doris Woll bei der SIKB. „Man muss schon erkennen, ob es am Ende für die Institute auch einen Mehrwert gibt“, sagt er. Denn Investitionen in den Fonds gingen in gleicher Höhe vom Eigenkapital ab. „Das ist in unserer schwierigen Situation mit dem Niedrigzins nicht leicht zu stemmen.“ Auch bezweifle er, dass die SWG das richtige Instrument sei, um „Fünf-Millionen-Tickets zu stemmen“. Dafür gebe es Spezialisten. Aktuell werde allerdings ein Gutachten erstellt, wie die Förderungen organisiert werden könnten. Dieses müsse erst einmal abgewartet werden. Zurückhaltend zeigt sich auch Uwe Johmann, Vorstand der Sparkasse Saarbrücken. „Ich bin grundsätzlich für die Idee der Kapitalisierung sehr empfänglich“, sagt Johmann. „Die konkrete Finanzierung ist aber eine Frage der Ausgestaltung“, sagt er. Wie genau diese aussehen soll, will er aktuell aber noch nicht sagen. Nur so viel: Eine Zusage könne er aktuell nicht geben.

Woll denkt aber auch an andere Finanzierungsmöglichkeiten. So könnten beispielsweise Familienstiftungen als Partner eingebunden werden, sagt sie. „Ich habe da noch einige Ideen.“

 Doris Woll, Vorstandsvorsitzende der SIKB  Foto: SIKB
Doris Woll, Vorstandsvorsitzende der SIKB Foto: SIKB FOTO: SIKB