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Saargummi baut massiv Stellen ab

Wadern. Die Wirtschaftskrise trifft den Autozulieferer Saargummi Technologies in Wadern-Büschfeld mit voller Härte. Das Unternehmen will daher ein Viertel der 1200 Stellen am Standort streichen. "Bis zum 30. Juni müssen rund 300 Mitarbeiter in eine Transfer- und Qualifizierungsgesellschaft übergewechselt haben", sagte gestern Detlev Bartels, der Vorsitzende der Geschäftsführung Von SZ-Redakteur Volker Meyer zu Tittingdorf

Wadern. Die Wirtschaftskrise trifft den Autozulieferer Saargummi Technologies in Wadern-Büschfeld mit voller Härte. Das Unternehmen will daher ein Viertel der 1200 Stellen am Standort streichen. "Bis zum 30. Juni müssen rund 300 Mitarbeiter in eine Transfer- und Qualifizierungsgesellschaft übergewechselt haben", sagte gestern Detlev Bartels, der Vorsitzende der Geschäftsführung. Das Instrument der Kurzarbeit reiche nicht mehr aus. Mit der Gründung der Transfergesellschaft sollen "betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden", erläuterte der Betriebsratsvorsitzende Harald Hero die Einschnitte. Bis zu ein Jahr lang können die Betroffenen an Bildungsmaßnahmen teilnehmen. Falls die Auftragslage sich verbessert, soll auch eine Rückkehr zu Saargummi möglich sein. Auch die verbleibenden Mitarbeiter müssen Einschnitte hinnehmen. Die Wochenarbeitszeit soll von 40 auf 37,5 Prozent bei entsprechendem Lohnausfall sinken. "Wenn wir das nicht tun, wird eine Insolvenz nicht zu verhindern sein", machte Bartels die Dringlichkeit des Maßnahmenpaktes zur Kostensenkung deutlich. Pro Monat liefen Verluste in Höhe von 750 000 Euro auf. Bereits im März stand das Unternehmen kurz vor dem Aus. Die Landesregierung sei Saargummi mit einer Bürgschaft in "mehrfacher Millionenhöhe" beigesprungen, sagte Bartels. So wurden frische Bankkredite abgesichert und "eine drohende Liquiditätskrise verhindert", wie das Unternehmen in einer Mitteilung formulierte. Das Geschäft von Saargummi hängt zu vier Fünfteln an der Autobranche. Das Unternehmen stellt Dichtungen her, insbesondere für Modelle der gehobenen Mittelklasse und der unteren Oberklasse, zum Beispiel 3er und 5er BMW und Audi A 6. Gerade in diesem Segment sei die Nachfrage besonders stark zurückgegangen. Für Saargummi wirke sich dies in einem Umsatzeinbruch von 30 bis 35 Prozent aus, erläuterte Bartels. Im Bereich Dichtungen für Lkw belaufe sich das Minus sogar auf mehr als 60 Prozent. Der Saargummi-Chef geht davon aus, dass die Umsätze über längere Zeit auf einem niedrigeren Niveau bleiben. Die anderen Branchen, für die Saargummi produziert, etwa die Bauindustrie, bringen laut Bartels vorerst keine Entlastung. Auch dort beläuft sich der Rückgang auf 35 Prozent. Für dieses Jahr erwartet das Unternehmen noch "keine Erholung", die Konjunkturprogramme werden nach Bartels' Schätzung erst im kommenden Jahr die Baubranche beflügeln und Saargummi mehr Aufträge bringen. Die Unternehmensgruppe habe an seinen Standorten im Ausland - USA, Brasilien, Slowakei, Tschechien und Spanien - den Personalabbau von 20 bis 30 Prozent bereits hinter sich, so Bartels. Insgesamt hat die Gruppe jetzt noch 3600 Beschäftigte. Meinung



Doppeltes Netz

Von SZ-RedakteurVolker Meyer zu Tittingdorf Die Krise trifft den Arbeitsmarkt immer stärker. Dafür ist der Fall Saargummi ein erneuter Beleg. er zeigt aber noch mehr. Erstens: Kurzarbeit mildert die Wucht einer Rezession zwar ab, reicht aber nicht aus, wenn sich dauerhafte Umsatzeinbußen abzeichnen. Dann müssen die Unternehmen die Größe ihrer Belegschaft der Auftragslage anpassen, wollen sie nicht die Insolvenz riskieren. Zweitens: Auffällig ist das im Vergleich zu früheren Krisen ausgeprägte Bemühen, möglichst wenige Stellen abzubauen. So hält sich Saargummi die Hintertür offen, Beschäftigte wieder aus der Transfergesellschaft zurückzuholen. Auch Schaeffler ist zu nennen: Das Unternehmen, das auch in Homburg ein großes Werk hat, will betriebsbedingte Kündigungen vermeiden. Es sieht so aus, als hätten die Unternehmen begriffen, dass ihnen angesichts der demografischen Entwicklung in einigen Jahren die Fachkräfte ausgehen könnten. Denn wer heute in großem Stil entlässt, senkt zwar schnell seine Kosten, steht aber morgen auf der Verliererseite, wenn die Wirtschaft wieder anzieht.