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Saarbrücker machen Airbus sicherer

Saarbrücken. Als würden sich Studenten zum Lernen treffen. So sieht es aus bei Absint, einer kleinen Saarbrücker Software-Firma, ansässig im Science Park der Universität. Fast nur junge Leute, zwischen 20 und 30 Jahre alt, gekleidet in Pulli und Jeans. Die Atmosphäre wirkt locker und ungezwungen Von SZ-Redakteur Volker Meyer zu Tittingdorf

Saarbrücken. Als würden sich Studenten zum Lernen treffen. So sieht es aus bei Absint, einer kleinen Saarbrücker Software-Firma, ansässig im Science Park der Universität. Fast nur junge Leute, zwischen 20 und 30 Jahre alt, gekleidet in Pulli und Jeans. Die Atmosphäre wirkt locker und ungezwungen. Absint ist eine Spezialfirma, gegründet 1998 aus der Informatik-Fakultät der Saar-Uni heraus, mit heute knapp 40 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von fast zwei Millionen Euro, davon fast vier Fünftel mit der Flugzeugindustrie. Im Geschäft mit Luftfahrtkunden werde der Umsatz auch in der Krise wachsen, erwartet Absint-Chef Christian Ferdinand. Kernprodukt ist ein Programm, das zur Sicherheit von Flugzeugen und Autos beiträgt. Hauptkunde ist Airbus: Beispielsweise wurde mit der Absint-Software die Funktionstüchtigkeit des Steuerungscomputer des A 380, des weltgrößten Passagierflugzeugs, überprüft. Alles dreht sich bei Absint um die Zeit, die so genannte eingebettete Systeme - winzige Computerchips, die zur Steuerung der verschiedensten Vorgänge in Maschinen eingebaut sind - für eine bestimmte Aufgabe brauchen. Wie wichtig die Berechnung der Laufzeit für das Funktionieren dieser Systeme ist, erläutert der Technische Direktor und Absint-Mitgründer Daniel Kästner gern an dem Beispiel eines Airbags: Die Steuerung muss den Airbag bei einem Unfall schnell genug auslösen, und "nicht erst, wenn der Fahrer schon durch die Windschutzscheibe geflogen ist". Auf Tausendstel Sekunden kommt es hier an. Die Software von Absint zeigt "den ungünstigsten Fall" bei der Laufzeit des Programms auf, erläutert Kästner. Das heißt, es wird bewiesen, dass eine Steuerungseinheit niemals mehr Zeit benötigt, als von Absint errechnet. Die Software kann so gefährliche Programmfehler aufspüren und den sicheren Ablauf garantieren. "Vor 15 Jahren hätte man unsere Technik noch für unmöglich gehalten", sagt Kästner. "Wir sind die einzigen auf der Welt, die diese Technik marktreif entwickelt haben."Strengere StandardsTrotzdem ist viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Gerade "im Auto-Sektor, wo wir uns verstärken wollen", so Kästner. Mögliche Kunden halten vielfach am bisher üblichen Verfahren fest. Dabei werden die Steuerungssysteme in Testreihen mit unterschiedlichen Angaben gefüttert, um Fehler zu finden. 100-prozentige Sicherheit ist hierbei aber im Unterschied zur Absint-Technik unmöglich. Angesichts immer komplizierterer Auto-Software lassen sich "nicht mehr alle Szenarien in Tests simulieren". Zudem könne man mit dem Saarbrücker Verfahren einen großen Teil des üblichen Testaufwands einsparen. Künftig wohl noch mehr: Denn die jüngste Weiterentwicklung von Absint erlaubt, die Technik bereits bei der Programmierung der eingebetteten Systeme einzusetzen und so mögliche Fehler im Zeitablauf von vornherein zu vermeiden. Für die Zukunft hofft Kästner auf einen Schub für Absint, wenn die "geforderten Standards im Flugzeug- und Autobau so angehoben werden, dass sie mit den traditionellen Tests nicht mehr zu erfüllen sind. Dann müssen unserer Produkte eingesetzt werden." Gerade in der Luftfahrtindustrie zeichne sich eine solche Entwicklung ab.