„Saarbrücken ist mein Wunschhaus“

„Saarbrücken ist mein Wunschhaus“

Zwei Offerten hat Dagmar Schlingmann (53) seit 2012 ausgeschlagen, weil sie Chefin am Saarländischen Staatstheater bleiben wollte. Am Freitag wurde ihre Vertragsverlängerung bis 2019 bekannt gegeben (die SZ hatte vorab berichtet).

SST-Aufsichtsratschef Commerçon und Intendantin Schlingmann. Foto: Becker&Bredel. Foto: Becker&Bredel

Selten kam eine Vertragsverlängerung für einen Theaterchef weniger überraschend. Bevor der SST-Aufsichtsratschef, Kultusminister Ulrich Commerçon (SPD), gestern offiziell verkündete, dass die Landesregierung mit Dagmar Schlingmann (53) weiterarbeiten will, die dem SST zu "neuem Glanz" verholfen habe, bevor die Generalintendantin betonte, sie sehe noch Entwicklungspotenzial und wolle die "Früchte ihrer Arbeit" ernten, da hatte es monatelang viele gegenseitige Sympathie- und Vertrauensbekundungen gegeben. So viele, dass die Notwendigkeit von Vertragsverlängerungs-Verhandlungen aus dem öffentlichen Fokus rutschte.

2016 wäre Schlingmanns Vertrag ausgelaufen, also stand die Sache 2014 an. Eine Formalie. Jedenfalls war die demonstrative Rückenstärkung und -Deckung, die die Theaterchefin vergangenes Jahr im Dauerkonflikt mit der nach Autonomie und "Reform" strebenden Ballettchefin Marguerite Donlon durch den Kultusminister erfuhr, das letzte Indiz dafür, wie sich die Landesregierung das SST wünscht: unverändert.

Und Schlingmann ist die "Garantin des Dreispartenhauses", so drückte es Commerçon gestern im Staatstheater aus. Sein theaterpolitisches Credo - Erhalt aller Spielstätten und Sparten samt Führungsstruktur - deckt sich mit dem der Ministerpräsidentin. Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) war es, die Schlingmanns Vertrag 2008, bereits zwei Jahre nach deren Start in Saarbrücken, bis 2016 verlängerte. Ein verfrühtes, ein falsches Einschläferungs-Signal, unkten Kritiker damals. Doch als Kramp-Karrenbauer 2012 Schlingmanns drohenden Weggang nach Bonn durch weitgehende Zusagen vereitelte, bekam sie von Bürgern und Politik Zustimmung. Eine Etataufstockung (Zuschuss: 24, 5 Millionen) war aber damals schon nicht drin. Und wurde auch jetzt nicht mitverhandelt, sagte Commerçon. Weitere Sparauflagen schloss er zugleich aus: "Wir investieren nicht 15 Millionen Euro in die Bühnentechnik, um anschließend das Haus zu rasieren." Den "reibungslos" gemeisterten Umbau und die mit Kreativität und ohne Publikumseinbußen bewältigte Außer-Haus-Spielzeit nannte Commerçon als einen der Hauptverdienste von Schlingmann. Ihre "erfolgreiche Arbeit" - als Publikumsmotivatorin und Opernregisseurin ("Rigoletto", "Tosca") - würdigte er.

Schlingmann sagte angesichts ihrer Vertragsverlängerung, es sei "noch Wachstum drin". Intensivierung, nicht Innovation, steht also über ihrem Regierungsprogramm. Als konkrete Arbeitsfelder nannte Schlingmann den Publikumsdialog, die Arbeit mit Laien und Jugendlichen, den Ausbau des Festivals "Primeurs", Projekte in der Großregion und eine Kooperation mit den Wiener Festwochen. Auch kündigte sie einen Opernball an. Dieser solle sich als gesellschaftliches Ereignis nach dem Vorbild des berühmten Wiener Opernballs etablieren, sagte die Intendantin. Einen konkreten Termin nannte sie allerdings nicht.

Schlingmann definiert dies alles als Neustart. Denn erstmals stehe ihr ab 2014 mit dem neuen Generalmusikdirektor und dem neuen Ballettchef ein allein von ihr bestimmtes Führungsteam zur Seite. Ihre Motivation sei ungebrochen. Dafür muss sie jetzt den Beweis antreten. Für ihre Treue nicht. Denn, so die Intendantin, nach dem Bonner Theater sei ihr vor geraumer Zeit noch ein zweites attraktives Haus angeboten worden: "Ich hatte zwei Mal die konkrete Chance, zu wechseln. Ich habe mich zwei Mal für Saarbrücken entschieden. Das zeigt, das Staatstheater ist ein Wunschhaus für mich." Zumindest bis 2019. Würde Schlingmann dann weiterziehen, wäre sie nur zwei Jahre kürzer da als Vorgänger Kurt Josef Schildknecht. Dessen Vertrag wurde übrigens zuletzt um sieben Jahre verlängert.

Mehr von Saarbrücker Zeitung