Saar-Wirtschaft sucht Ingenieure

Saarbrücken. Die saarländische Wirtschaft warnt vor einem sich zuspitzenden Mangel an Ingenieuren - mit fatalen Folgen für die hiesige Konjunktur. Deutlich mehr als die Hälfte der Industriebetriebe haben schon jetzt Probleme bei der Besetzung freier Ingenieur-Stellen

Saarbrücken. Die saarländische Wirtschaft warnt vor einem sich zuspitzenden Mangel an Ingenieuren - mit fatalen Folgen für die hiesige Konjunktur. Deutlich mehr als die Hälfte der Industriebetriebe haben schon jetzt Probleme bei der Besetzung freier Ingenieur-Stellen. Das ergab wie eine Umfrage der Industrie-und Handelskammer (IHK) und der Vereinigung der Saarländischen Unternehmensverbände (VSU) unter 65 Unternehmen mit zusammen 50 000 Beschäftigten. Und das Problem verschärft sich: "Vier von fünf Unternehmen erwarten für die nächsten fünf Jahre einen zunehmenden Bedarf an Ingenieuren", sagte gestern VSU-Hauptgeschäftsführer Joachim Malter bei der Vorstellung der Studie in Saarbrücken.IHK-Hauptgeschäftsführer Volker Giersch sieht Wirtschaft, Politik und die Hochschulen in der Verantwortung, "damit der Ingenieurmangel nicht zur Wachstumsbremse wird". Umgekehrt gilt aus seiner Sicht: "Je mehr Ingenieure wir ausbilden, desto besser ist die Wachstumsperspektive".

Für 2010 bezifferte der Verein deutscher Ingenieure (VDI) die Ingenieurlücke auf 36 000 und den dadurch entstandenen volkswirtschaftlichen Schaden auf drei Milliarden Euro. Grob heruntergerechnet auf das Saarland sei ein Mangel von um die 350 Ingenieure anzunehmen und ein Schaden von 30 Millionen Euro, schätzte Giersch.

Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage entwickelt sich immer weiter auseinander. Es zeichne sich "ein starker Ersatzbedarf" ab, so Giersch. Bis 2030 werde etwa die Hälfte der derzeit knapp 6000 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ingenieuren im Saarland in Rente gehen, während aufgrund des demografischen Wandels nur kleinere Jahrgänge nachrücken. Die wachsende Lücke lasse sich nur verkleinern, "wenn der Anteil der Ingenieurstudenten an allen Studienanfängern in den nächsten Jahren deutlich zunimmt", heißt es in der Studie.

Dafür sei es unabdingbar, "dass die Ingenieurwissenschaften als Schwerpunkt in den Vereinbarungen des Landes mit den Hochschulen genannt werden", forderte Giersch. Die technischen Fächer müssten gestärkt werden. Trotz Finanznot des Landes müsse das Ziel sein, die Zahl der Absolventen weiter zu steigern, sagte Malter. Nicht zuletzt dadurch, dass die Hochschulen sich noch mehr bemühen, die Studienabbrecherquote zu senken. Laut Studie schlossen in den vergangenen zehn Jahren von 100 Anfängern in einem ingenieurwissenschaftlichen Fach weniger als 60 ihr Studium erfolgreich ab. Daneben erhoffen sich die Verbände positive Effekte durch eine engere Zusammenarbeit von Saar-Uni und Hochschule für Technik und Wirtschaft.

Die Unternehmen selbst setzen laut Umfrage stark auf die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter, um die Folgen des Ingenieurmangels abzufedern. Malter sieht hier auch die Hochschulen gefordert, indem sie die Weiterbildung ausbauen, zum Beispiel einen berufsbegleitenden Master-Abschluss anbieten. Gut zwei Drittel der befragten Firmen signalisierten die Bereitschaft, bei der Ausbildung von Ingenieuren zu helfen: durch Unterstützung von Studiengängen, Stipendien oder der Beteiligung an der von der Saar-Wirtschaft finanzierten ASW-Berufsakademie.

IHK und VSU schlagen zudem eine übergreifende Marketing-Kampagne "Pro Ingenierurstudium" vor und wollen ihre Aktivitäten ausbauen, an Kindergärten und Schulen für technische Berufe zu werben. Darüber hinaus regen die Verbände eine neue Image-Kampagne des Landes an, damit Betriebe leichter Ingenieure ins Saarland locken können.

Meinung

Garanten für künftigen Erfolg

Von SZ-RedakteurVolker Meyer zu Tittingdorf

Ingenieure sind Garanten des Exporterfolgs der hiesigen Wirtschaft. Fehlen Ingenieure, leidet die Wirtschaftskraft. Die von IHK und VSU vorgelegte Untersuchung ist alarmierend genug, um den Augenmerk noch intensiver als bisher auf die Ausbildung dieser Spezialisten zu lenken - gerade angesichts der Spardiskussion, die die Zukunftsinitiative Saar angestoßen hat. So wichtig es ist, die Schuldenlast zu senken, wäre es grundverkehrt, den Rotstift bei den zugegebenermaßen teuren Ingenieur-Studiengängen anzusetzen. Die hier ausgebildeten Fachleute sichern nämlich nicht unwesentlich die Einnahmen des Landes - und damit auch dessen Zukunft.

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