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Saar-Marketing verlässt das Saarland

Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger und Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer beim Start der Kampagne. Foto: Dietze
Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger und Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer beim Start der Kampagne. Foto: Dietze FOTO: Dietze
Saarbrücken. Vor einem Jahr ist das Saarland-Marketing vor Ort gestartet. Jetzt soll auch außerhalb des Saarlandes geworben werden. Die Top-Kreativ-Agentur Jung von Matt wird bei der Umsetzung nicht mehr dabei sein. Joachim Wollschläger

Eine Saarland-Handcrème von Theiss Naturwaren, ein Saarland-Espresso-Set von Villeroy & Boch, sogar einen Babyschlafsack gibt es im Design des neuen Saar-Marketing. Christoph Lang, Chef der Standort-Agentur Saaris und für das Saarland-Marketing zuständig, ist mit der Akzeptanz der neuen Standort-Kampagne zufrieden.

Die Saarland-Werbung werde nicht nur von den Saarländern positiv aufgenommen, auch zahlreiche Saar-Unternehmen würden sich mittlerweile engagieren: Rund 170 Unternehmen nutzen demnach das Logo in ihren Auftritten, 30 Firmen bauen das Saarland-Marketing direkt in ihre eigenen Werbeauftritte ein. Insgesamt zieht Lang gut ein Jahr nach dem Start des Saarland-Kampagne ein positives Fazit: Mit einer starken Präsenz über Anzeigen, auf Bussen oder Saarbahnen, aber auch mit zahlreichen Fans bei Facebook habe das Saarland-Marketing im ersten Jahr schon eine hohe Bekanntschaft erreicht.

In diesem Jahr soll die Saarland-Kampagne nun die Landesgrenzen verlassen: Allerdings nicht, wie ursprünglich geplant, mit sogenannten Paukenschlag-Aktionen in großen Metropolen, wie beispielsweise einem Großplakat am Frankfurter Hauptbahnhof. "Diese wären letztlich zu teuer mit zu wenig Effekt", sagt Lang. Statt auf die Metropolen, mit denen das Saarland kaum konkurrieren könne, werde der Fokus stärker auf kleineren Städten, wie beispielsweise Bochum, Essen oder Kassel, liegen. In diesen Städten ist bei einer großen Roadshow ein Auftritt auf mehreren NachwuchsMessen geplant. Das Besondere dabei: "Wir werden Online-Bewerbungsgespräche mit Saar-Unternehmen ermöglichen", sagt Tina Müller, die das Saarland-Marketing bei Saaris umsetzt. Außerdem seien Besuche an verschiedenen Universitäten geplant. Und ein spezieller Saarland-Promotion-Truck werde bei verschiedenen Veranstaltungen deutschlandweit als Werbeträger für das Saarland auftreten.

Änderungen gibt es auch bei den Werbeagenturen, die das Saarland-Marketing betreuen. "Kreativ haben wir alle Aufgaben abgearbeitet", sagt Lang und begründet so die Trennung von der Hamburger Kreativ-Agentur Jung von Matt . Auch aus finanziellen Gründen sei es sinnvoll, die Umsetzung jetzt im Land zu machen: unter Federführung der Saarbrücker Agentur HDW. Als Kooperationspartner soll die Werbeagentur Haag den Online-Auftritt unter der Adresse willkommen.saarland überarbeiten und ein Job-Portal einbauen.

1,5 Millionen Euro stehen pro Jahr für das Saar-Marketing zur Verfügung, eine Million kommt vom Land, 500 000 Euro von der IHK. Für die Zukunft wird sich die IHK aber noch stärker einbringen: Die Kammer finanziert zwei weitere Mitarbeiter, die das Saarland-Marketing voranbringen sollen.

Möglicherweise können diese dann auch eine Kooperation mit der Tourismuszentrale koordinieren. Die war zuletzt stark kritisiert worden, weil sie ihren Image-Film "Expedition weißer Fleck" überhaupt nicht am Standort-Marketing ausgerichtet hat. Dabei sind IHK und Land auch Träger der Tourismuszentrale. "Wir gehen aber davon aus, dass die Tourismuszentrale mittelfristig ihre Werbung an das Saarland-Marketing anpasst", sagt Lang.



Meinung:

Erstmals ein Werbe-Erfolg

Von SZ-Redakteur Joachim Wollschläger

Werbekampagnen haben es an sich, dass sie polarisieren. Auch an der Saarland-Kampagne scheiden sich die Geister. Nicht jeder findet den Slogan "Großes entsteht immer im Kleinen" originell. Offensichtlich ist jedoch, dass die aktuelle Saarland-Kampagne deutlich mehr Zustimmung findet als all ihre Vorgänger. Und besonders wichtig: Viele Saar-Firmen können sich mit der Standortwerbung identifizieren. Sie werden so mit ihrer eigenen Werbung zu Botschaftern für den Standort Saarland. Damit ist das Saarland-Marketing erstmals mehr als nur ein kurzes, kreatives Strohfeuer, sondern ein langfristiges Werbekonzept.